FFP2-Masken statt Hustensaft und wenige Patienten mit Halsschmerzen oder Husten: Für Ärzte und Apotheker war der Winter 2020/2021 auch im Alltagsgeschäft ein anderer. Aufgrund der Corona-Maßnahmen wurden die Menschen in den kalten Wintermonaten nämlich deutlich weniger krank. Die Schnupfnase inklusive Reizhusten, Halsschmerzen und andere unliebsame Infekte sind nervige aber umso zuverlässigere Begleiter in den Wintermonaten. Genauer gesagt: Sie waren es. Denn die Corona-Pandemie wirkt sich auch in einem ganz alltäglichen Verständnis auf unsere Gesundheit aus. Das letzte Mal richtig erkältet waren die meisten nämlich vor dem Ausbruch von Covid-19.

Abstandhalten, Kontakte reduzieren, regelmäßig die Hände desinfizieren – all das was bei der Bekämpfung des Coronavirus helfen soll, zeigt seine Wirkung insbesondere an anderer Stelle: Die Erkältungs- und Grippewelle sind in den vergangenen Monaten ausgeblieben. Allgemeinmediziner Norbert Walter aus Bad Säckingen weiß, wovon er spricht. „Was wir beobachten ist, dass es enorm wenig Winterkrankheiten gab. Es hatte kaum jemand einen Schnupfen“, sagt der Allgemeinmediziner Norbert Walter, der im neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Bad Säckingen tätig ist.

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Somit bestätigt Walter mit seiner Einschätzung, was auch Apotheken vor Ort beobachten. Auch dort blieb die sonst große Nachfrage nach Hustensaft und Lutschpastillen aus. „Die Statistik geht nach unten. Der Verkauf von klassischen Erkältungsmittel ist um die Hälfte zurückgegangen“, bilanziert Klaus Sutter, ehemaliger Besitzer der Wehrer Stadtapotheke, im Vergleich zu den Vorjahren.

Sutter, der noch immer in der Apotheke mithilft, und auch Arzt Norbert Walter vom MVZ sehen die Ursache für den auffälligen Rückgang der Erkältungskrankheiten in den geltenden Corona-Maßnahmen. Hinzu komme allgemein eine gewachsene Sensibilität, was Hygiene betrifft. „Wir fassen uns weniger mit den Händen an Mund, desinfizieren regelmäßig unsere Hände und so weiter. Dementsprechend gab es beispielsweise auch weniger Magen-Darm-Virus-Erkrankte“, erklärt Walter. Er betrachtet diese auf den ersten Blick positive Entwicklung allerdings nicht ohne Sorgen. „Wir trainieren unser Immunsystem nicht mehr.“ Ob uns dieser erkältungsfreie Winter in der kommenden Saison dann umso heftiger einholen wird, sei aber ungewiss und eine Fragestellung für die Forschung.

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Entscheidend dürfte das eigene Verhalten sein: Wie sehr haben wir das Tragen von Schutzmasken, das Händewaschen und den Mindestabstand schon verinnerlicht? Apotheker Klaus Sutter glaubt, dass dies auch in Zukunft ein Thema sein wird: „Das wird uns weiterhin begleiten.“

Deutlich weniger Erkältungen gab es während dieses Winters.
Deutlich weniger Erkältungen gab es während dieses Winters. | Bild: Christin Klose ppa

Der Vorrat an medizinischen Masken sowie FFP2-Masken sei jedenfalls gesichert. Und wer sich dennoch erkälten sollte, kann auf die übliche Auswahl an Erkältungsmittel zurückgreifen, die jetzt im Lager ruhen. „Die Medikamente sind zwei bis drei Jahre haltbar und werden langsam abverkauft“, erklärt Sutter. Was also zu viel bestellt wurde, muss vorerst nicht weggeschmissen werden.

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Die Corona-Schutzmaßnahmen haben aber nicht nur den Erkältungserregern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch der Pollenflug – Eschen-, Hasel-, Pappel- und Weidenpollen sind bereits unterwegs – wird durch die Mund-Nasen-Bedeckungen aufgehalten. „Die Corona-Schutzmasken, vor allem die der Klasse FFPS oder KN95 bieten, wenn sie richtig getragen werden, einen guten Schutz, was die Atemwege betrifft“, erklärt der Bad Säckinger Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe Peter Schmidt.

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Um ihre Atemwege zu schützen, müssen Allergie-Geplagte die Masken „eng angepasst und damit ohne Leckage“ tragen, weiß Schmidt. Allerdings versprechen die Masken den Allergikern nur zur Hälfte Abhilfe: Die Augen werden von den Masken nicht geschützt. Hinsichtlich der Pollenart gibt es jedoch keine Unterschiede. Die Masken helfen aus einem logischen Grund gegen alle, wie Schmidt erläutert: „Pollen sind deutlich größer als die betreffenden Viren, vor denen sie uns ja auch schützen sollen.“