Die alt-katholische Gemeinde Hochrhein-Wiesental konnte und kann trotz der Corona-Krise zahlreiche, gut besuchte Gottesdienste feiern, weil die Stadt ihr erlaubt, den Schlosspark zu nutzen. Finanziell steht die Gemeinde solide da, und von einer Austrittswelle kann nicht die Rede sein. Dies teilten Pfarrer Armin Strenzl und der Kirchenvorstandsvorsitzende Tony Wehrstein am Sonntag bei der Gemeindeversammlung mit.

Vor der Pandemie wurden die üblichen Gottesdienste in der Kirche St. Peter und Paul gefeiert, außerdem zwei Messen in der Adelbergkirche in Rheinfelden und drei in der Heilig-Geist-Kapelle von Waldshut – seit März 2020 gibt es kaum noch Messen in den beiden letztgenannten Kirchen, weil diese so klein sind, dass nur eine sehr geringe Zahl von Besuchern zugelassen werden kann.

In Bad Säckingen feierte man hingegen im Freien, und die Messen unter dem Zeltdach waren sehr beliebt: Von Mai bis November kamen im Schnitt 31 Besucher in den Schlosspark, in der Spitze sogar 62, und die beiden Heiligabendgottesdienste wurden jeweils von rund 50 Gläubigen besucht. „Die Menschen fühlen sich im Freien sicherer, und sie sind froh, dass sie hier auch singen dürfen“, so Armin Strenzl. Auch das Patroziniumsfest konnte stattfinden, dabei durfte sogar ein bulgarischer Gastsänger ein Konzert geben.

Einstimmig verabschiedet wurde der Haushaltsplan. Im vergangenen Jahr wurden die geplanten Einnahmen von gut 26.000 Euro sogar leicht übertroffen, für nächstes Jahr rechnet man mit 26.570 Euro. Die für einen Gemeindehaushalt niedrig anmutenden Zahlen erklären sich dadurch, dass die Kirchensteuereinnahmen direkt an das Bistum Bonn abgeführt werden, das damit die ärmeren Gemeinden unterstützt und die Gehälter der Pfarrer bezahlt. Die hiesige Gemeinde erzielt ihre Einnahmen vor allem aus Vermietungen und zu einem Fünftel aus Spenden. Die Ausgaben blieben letztes Jahr mit 17.500 Euro unter den Erwartungen, weil die Fahrten zu den Synoden Corona-bedingt ausfallen mussten. Dieses Jahr sind Ausgaben von 22.400 Euro geplant. Das größte Projekt war die Sanierung des Glockenturms der Adelbergkirche in Rheinfelden; während die Stadt für die Außenrenovierung zuständig ist, muss die Gemeinde für die Innenrenovierung Geld ansparen.

Laut elektronischer Kartei hatte die alt-katholische Gemeinde Ende vergangenen Jahres 229 Mitglieder und verzeichnete vier Wegzüge, einen Todesfall und einen Austritt. Von Anfang 2021 bis jetzt gab es bereits zwei Beitritte, einen Austritt, zwei Todesfälle und zwei anstehende Taufen. Die Altersstruktur ist ausgewogen, weil 30 Prozent der Mitglieder jünger als 35 Jahre sind; 38 Prozent sind zwischen 35 und 65 Jahren und 32 Prozent über 65. Bis zum 2. Mai dürfen die Alt-Katholiken ihre Messen im Schlosspark feiern. „Danach hängt es davon ab, ob Promenadenkonzerte stattfinden“, so Pfarrer Strenzl. Für die Nutzung des Schlossparks muss die Gemeinde zehn Prozent der Kollekten an die Stadt abführen; der sonst übliche Tarif beträgt 400 Euro.