Die beiden waren eine Institution in Bad Säckingen: Alfred Adler und seine „Flüh“. Er war der letzte Patron des alten Schlages. Jetzt setzt er sich endgültig zur Ruhe. Die Erinnerungen an die „Flüh“ und ihren Wirt bleibt vielen Bad Säckingerinnen und Bad Säckinger, Erinnerungen an Stammtische, an Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, an Erstkommunionen, Silvester, aber auch Trauerfeiern.

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Jeder, der Alfred Adler kennt, weiß: Für den 76-Jährigen ist es nicht einfach, der „Flüh“ nach so langer Zeit den Rücken zu kehren. Er hat das Haus, das er 41 Jahre geleitet hat, jetzt in andere Hände gegeben. Dort in der „Flüh“ oben bricht eine andere Zeit an, und auch für den Privatier Alfred Adler ist das so. Vielleicht steht die eine und anderer Reise an, wenn Corona erst mal vorbei ist, mit Sicherheit der Gang durchs Städtle, und ab und an ein Besuch im „Gei“ auf ein Schorle.

Er hat es mit Leib und Seele getan

Wenn auf einen dieser Spruch passt, dann ist es Alfred Adler. In 41 Jahren im Hotel „Flüh“ war der Patron morgens der Erste, abends der Letzte, immer freundlich. „Mein Tag hat immer um 5 Uhr mit einer halben Stunde im Schwimmbad angefangen.“ Jeden Tag. „Eigentlich schon seit 1972“, zählt er zurück.

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Das Hallenbad in der „Flüh“ war nämlich Teil der ersten Erweiterung, die 1972 hinzu kam. Die Eltern hatten das Haus 1969 erbaut, dann 1972 und 1974 erweitert. Im Jahr 1979 übernahm Alfred Adler den Betrieb und machte es zu einem renommierten Haus am Platz mit gehobenem Restaurant.

Und Urlaub?

Kennt Alfred Adler das Wort überhaupt? „Als die Oma noch lebte“, sagt seine Tochter Sabine Wilms, „ja, da waren wir schon mal in Italien oder zum Skifahren“. Tochter Sabine unterstützt ihren Vater seit 2015, besonders seit er vor drei Jahren den Restaurantbetrieb einstellte und nur noch Hausgäste nahm. Mit der Umstellung gab es dann auch ein bisschen mehr Luft, und dann auch mal wieder den einen und anderen Ausflug mit seiner Lebensgefährtin Rosi Schmidt.

Alfred Adler ist eigentlich gelernter Bankkaufmann. Die Lehre machte er in der Sparkasse Bad Säckingen und war dann Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre mehrere Jahre bei einer Großbank in Frankfurt. Mit der Erweiterung der „Flüh“ kam er zurück, um mit anzupacken. Denn Gastro-Luft hatte Alfred Adler schon zuvor geschnuppert. Ältere Bad Säckingen wissen das noch: Die Eltern betrieben das alte Vereinshaus an der Lohgerbe, wo er schon früh mithalf. „Dann Ende der 60er Jahre wollte meine Mutter eigentlich die Bergseegaststätte kaufen“, erinnert sich Alfred Adler, aber es sollte nicht klappen. Stattdessen fiel die Entscheidung für den Neubau der „Flüh“ auf den Weihermatten, die Alfred Adler dann nach dem Tod des Vaters übernahm.

Das Team: Kurt Dettling, Mirko Vukovic, Daniel Scalabrin und Co.

Die „Flüh“ war in den letzten Jahrzehnten immer auch ein Synonym für gehobene Küche. Einer der Chefköche, der das kulinarische Bild des Restaurants in der Öffentlichkeit prägte, war Kurt Dettling. „Kurt war 30 Jahre bei uns“, sagt Alfred Adler, „aber viele andere auch“. ergänzte er, „zum Beispiel Mirko und Daniel“. Auch langjährige Flühgäste erinnern sich an Mirko Vukovic und Daniel Scalabrin. Mit ihnen allen hat Alfred Adler nicht nur die „Flüh“ betrieben mit ihrem großen Restaurant-Raum und den beiden Nebenzimmern, sondern auch das Catering. „Ich frage mich, wie wir das machmal hingekriegt haben“, blickt Alfred Adler zurück. Die großen Feiern im Kursaal bewirtete er, wie beispielsweise die drei Narrenspiegel, Pfarrsaalveranstaltungen und auch das Narrendomizil Gallusturm. Die Narrenzunft orderte regelmäßig bei Alfred Adler. Jeder, der die letzte Treppe zum obersten Narrennest kennt, hat noch das Bild vor Augen, wie Alfred Adler und Mirco Vukovic das Essen hochbalancierten.

Und alles wurde angeliefert mit dem kleinen bekannten „Flüh“-Bus. Es waren in der Zeit mehrere, zählt Alfred Adler auf, und denkt heute mit einem Schmunzeln an den ersten zurück. Das Buschen war vor seinen Augen vom Hof geklaut worden. „Beim Club 69 oben haben sie ihn dann in den Graben gesetzt,“ erzählt er. Reparatur? Fehlanzeige.

Also musste schnell Ersatz her, denn schon bald stand die nächste Feier an. An eine erinnert sich Alfred Adler besonders. Er bewirtete ein großes Festzelt auf dem Münsterplatz für um die 1000 Leute. „War es die 1100-Jahr-Feier Stadt?“, Alfred Adler ist sich nicht mehr ganz sicher. Sicher ist er jedoch, dass eine schottische Dudelsack-Gruppe zu dem Anlass in der Stadt spielte. Nach getaner Arbeit marschierten die berockten Mannen durchs Zelt, „geradewegs in unsere Malteserbar“, erzählt Alfred Adler, und zerlegten diese nach ausreichendem Schnaps-Genuss. „Die Bar mussten wir dann schließen“, fügt Alfred Adler lakonisch hinzu.

Geschlossen hat jetzt auch die „Flüh“ unter seiner Führung. Endgültig. Aber er freut sich, dass das Haus weitergeführt wird. Und der neue Eigentümer hat ihm bereits angeboten: „Wenn Sie morgens zum Schwimmen kommen wollen, es ist jederzeit für Sie offen.“

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