Auf eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153 a und einer Zahlung von 800 Euro an einen gemeinnützigen Verein hatten sich Richterin Susanne Lämmlin-Daun, die Vertretung der Staatsanwaltschaft, Jennifer Lühmann, und Verteidiger Jens Jannssen nach Absprache mit seinem Mandanten geeinigt. Zuvor war auch der Geschädigte nach seinem Einverständnis gefragt worden. Der 29-jährige Angeklagte hatte sich wegen Nötigung in Tateinheit mit Beleidigung vor dem Amtsgericht Bad Säckingen verantworten müssen. Er soll eine offenstehende Rechnung für eine Fahrradreparatur nicht bezahlt, dem geschädigten Fahrradhändler gedroht haben, ihm „alle Knochen zu brechen“ und ihn als „Depp“ beschimpft haben.

Keine Entschädigung

Auf Anraten seines Verteidigers hatte er sich während der Verhandlung bei dem Geschädigten entschuldigt, der zunächst die Entschuldigung nicht annehmen wollte, sich aber nach Beratung mit seinem Anwalt besonnen hatte. Auf eine finanzielle Entschädigung verzichtete der Geschäftsmann indes.

Der Angeklagte

Zunächst schilderte der 29-Jährige die Sache aus seiner Sicht: „Ich kann kaum glauben, was mir hier vorgeworfen wird.“ Am 10. Juni 2020 habe er sein E-Bike aus dem Geschäft des Geschädigten abholen wollen, wo er es zur Reparatur gelassen hatte. Er sei einige Zeit zuvor vor dem Laden von einem Auto angefahren worden. Das Fahrrad sei dann auf Kosten der Versicherung repariert worden. Nachdem er einige Zeit damit gefahren sei, habe er einige Mängel festgestellt und das Fahrrad erneut im Geschäft gelassen.

Der Wortwechsel

Er hätte 300 Euro für die Reparatur bezahlen sollen. Das habe er in diesem Moment nicht eingesehen, da das E-Bike noch Garantie habe. Er habe mit dem Fahrradhändler darüber reden wollen, aber dieser habe sich das E-Bike geschnappt und entgegnet, dann werde er die Teile, die er angebracht habe, wieder abmachen. Er selbst habe das Fahrrad ebenfalls festgehalten und habe zum Geschädigten gesagt: „Pass auf, du brichst dir noch alle Knochen“, nicht aber: „Ich breche dir alle Knochen.“ Dann sei auch die Ehefrau dazu gestoßen und habe gesagt, sie rufe die Polizei. Die anderen Mitarbeiter hätten sich im Kreis um ihn gestellt und schließlich habe er die Rechnung bezahlt.

Das Ende

Er werde das bereuen, er werde ihm bei Google eine schlechte Bewertung verpassen, habe er dem 68-jährigen Geschädigten beim Herausgehen gesagt. Dieser habe ihm Hausverbot erteilt und als „Rotzbub und Vollidioten“ bezeichnet. Er kenne den Fahrradhändler länger und es habe immer wieder Probleme zwischen ihnen gegeben. Da er aber oft in Bad Säckingen sei, sei er trotzdem immer zu ihm gegangen.

Die Einigung

Der 68-Jährige wollte die Entschuldigung des Angeklagten nicht akzeptieren, er habe Angst vor dem 29-Jährigen. „Dem Angeklagten tut es leid, er will die Sache aus der Welt schaffen“, wandte sich Lämmlin-Daun an den Geschädigten. Rechtsanwalt Janssen wies den 68-Jährigen darauf hin, dass auch sein Mandant ihn wegen Beleidigung verklagen könnte. „Entweder das schaukelt sich jetzt weiter hoch oder man redet darüber, eventuell hat jeder seinen Teil dazu beigetragen“, erklärte Lämmlin-Daun. Der Geschädigte nahm dann die Entschuldigung an. „Sie brauchen keine Angst vor mir haben, da gab es ein Missverständnis und ich möchte mich entschuldigen“, wandte sich der 29-Jährige am Ende an den Geschädigten.