Michael Gottstein

Das für die damalige Zeit stattliche Alter von 86 Jahren hat die letzte Äbtissin des Damenstiftes Säckingen, Maria Anna von Hornstein-Göffingen erreicht. Unter ihrer Herrschaft erlebte das Stift eine letzte Blütezeit. Am 2. Juli 2023 ist Anna Marias 300. Geburtstag. Unter anderem widmet sich ihr eine Ausstellung, die im Mai 2023 in Schloss Schönau eröffnet wird. In Schloss Schönau stimmte am Samstag eine Veranstaltung auf das Jubiläumsjahr ein.

Eveline Klein stellte das Leben und Wirken des letzten Äbtissin vor.
Eveline Klein stellte das Leben und Wirken des letzten Äbtissin vor. | Bild: Michael Gottstein

Vorträge von Eveline Klein (Stadtarchivarin) Sandhya Hasswani (Schriftstellerin), Johannes Brenke (Leiter des Trompetenmuseums) und Adelheid Enderle (Expertin für die Stiftsgeschichte) vermittelten kurzweilig und informativ Einblicke in die ausgehende Welt des 18. Jahrhunderts.

Schon die Stiftsdamen schätzten Hornusser Wein

Eine sinnreiche Überraschung erwartete die Besucher in der Pause: Die Stiftsdamen liebten Süßigkeiten und freuten sich auf die Traubenlese in ihrem Weingut Hornussen. Dort produziert das mit fünf goldenen Auszeichnungen prämierte Gut der Familie Fürst den Bad Säckinger Jubiläumswein 2023, den Erika, Daniel und Marvin Fürst ausschenkten.

Johannes Brenke sprach über die Musik des 18. Jahrhunderts.
Johannes Brenke sprach über die Musik des 18. Jahrhunderts. | Bild: Michael Gottstein

Den Eltern war es gelungen, 1730 für die siebenjährige Maria Anna eine Anwartschaft für das Stift Säckingen zu erlangen. Erst 1748 wurde eine Stelle frei, sieben Jahre später wurde sie zur Äbtissin gewählt. Damals lag die große Zeit des Stifts schon zurück: Kriege hatten am Besitz gezehrt.

Schon mit 32 wurde sie Äbtissin

Als die unerfahrene 32-Jährige ihr Amt antrat, befand dies sich das Stift in einem ungeordneten Zustand. Sie straffte die Verwaltung. Die Barockisierung des Münsters bedeutete eine letzte künstlerische Blütephase, die Maria Anna mit der Bestellung eines Rokoko-Schreins für die Gebeine des heiligen Fridolin krönte.

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Eine von Kaiser Joseph II. eingesetzte Untersuchungskommission bescheinigte dem Stift (zu Unrecht) schlechte Haushaltsführung. Durch ihre couragierte Reise nach Wien konnte Anna Maria dessen Auflösung verhindern, doch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege setzten auch dem Stift ein Ende.

Die Cellistin Kathrin Brand umrahmte den Abend mit Musik vom Barock bis zur Klassik.
Die Cellistin Kathrin Brand umrahmte den Abend mit Musik vom Barock bis zur Klassik. | Bild: Michael Gottstein

Vom Ernst der Bach-Suiten bis zur Schönheit Mozarts reichte der Bogen der Musikstücke, die die Cellistin Kathrin Brandt am Samstag im Schloss vorstellte. Sie markierten den musikalischen Wandel während der mehr als 50-jährigen Amtszeit Maria Annas. Dass die Stiftsdamen Musik liebten, darf man annehmen, wie Johannes Brenke ausführte. 1790 wurde das für den „Säkkinger Chor“ verfasste Requiem Johannes Westermayers uraufgeführt.