Die Sonne erkämpft sich jeden Quadratzentimeter auf dem Münsterplatz, wo sich, wie jeden Samstagvormittag, die Marktstände aneinanderreihen und die Menschen dazwischen nach frischen Waren Ausschau halten.

Die Szene wirkt „normal“ – aber der Begriff ist in diesem Frühjahr dehnbar geworden. Die Leute sind hektischer, die Marktbesucher begegnen sich auf Distanz und gestikulieren mehr, weil man sie durch ihren Mund-Nase-Schutz schlechter versteht. Bis auf einmal von irgendwo her Musik erklingt, die aufhorchen lässt. Die Menschen lauschen, recken ihre Köpfe und lächeln, als sie den jungen, adrett gekleidet Mann am Rande des Münsterplatzes hinter einer Drehorgel entdecken.

Dieser junge, adrett gekleidete Mann heißt Christian Boeke und bereichert den wöchentlichen Markt seit einigen Samstagen musikalisch. „Es geht mir darum, die Leute aufzuheitern, wieder Normalität zu schaffen“, sagt Boeke und strahlt über die kunstvoll gefertigte Drehorgel hinweg.

Das hölzerne Instrument ist auch der Grund, der ihn zum Markt-Unterhalter macht. Denn Boeke arbeitet als Schreiner in der Bad Säckinger Kunstschreinerei Matt, die seit vielen Jahren Drehorgeln baut. „Diese hier ist unsere eigene Spezialanfertigung“, erzählt Boeke und deutet auf das „Trompeter-Modell“ vor ihm.

Dem aufmerksamen Auge entgeht es nämlich nicht, dass Boeke nicht am Rad eines gewöhnlichen Leierkastens dreht. Vielmehr handelt es sich um ein Unikat aus Massivholz, das das Profil des Trompeters von Bad Säckingen ziert. „Es ist auch die einzige Drehorgel der Welt, die das ‚Behüt‘ dich Gott‘ spielt“, berichtet Boeke stolz.

Insgesamt umfasst das Repertoire rund 300 Lieder, querbeet durch die Musikgeschichte. Das freut vor allem das Publikum, wie Boeke erzählt: „Natürlich darf man sich auch einen Titel wünschen, von Pippi Langstrumpf bis Johnny Cash war schon alles dabei.“ Ganz abgesehen von der handwerklichen und der technischen Finesse – für jedes Stück spielt ein professioneller Organist die Tastenbewegungen ein – funktioniert Boekes eigentliche Intention, den Menschen einen Moment Unbeschwertheit zu geben.

„Es kommt wirklich ganz viel zurück“ freut er sich, „Ich bekomme so schönes Feedback.“ Und wer weiß, vielleicht wird die Trompeter-Drehorgel zur festen und der Wochenendmarkt mit Musik das neue „normal“.