Alle Schulen sind geschlossen, die Orchester dürfen nicht proben, und auch alle VHS und Musikschulen haben geschlossen. Alle? Nein, nicht alle! Die Musikschule Bad Säckingen musiziert – aber eben anders als sonst.

Zwar musste auch die Jugendmusikschule Bad Säckingen alle Ensemble- und Orchesterproben absagen, und auch der konventionelle Instrumentalunterricht ist ausgesetzt. Aber wie jede außergewöhnliche Situation auch außergewöhnliche Chancen beinhaltet, so haben sich Leitung, Verwaltung und Lehrkräfte der Jugendmusikschule schnell und flexibel auf die neuen Umstände eingestellt, teilt die Musikschule mit. Lehrerkonferenz mit mehr als 30 Teilnehmern im Video-Chat, Homeoffice der Geschäftsstelle und nahezu alle Lehrkräfte der JMS bieten demnach Musikunterricht digital in unterschiedlichsten Formen an.

Saxophonschüler Louis Oeschger übt zuhause und ist online mit seinem Lehrer Klaus Siebold verbunden.
Saxophonschüler Louis Oeschger übt zuhause und ist online mit seinem Lehrer Klaus Siebold verbunden. | Bild: privat

Mal schickten die Schüler kleine Videos der erlernten Stücke, die der Lehrer, ebenfalls als Video, korrigiert und zurückschickt; mal finde der komplette Einzelunterricht im Eins-zu-Eins-Video-Chat zwischen Schüler und Lehrer statt. Mittlerweile würden auch einige Lehrkräfte kleine „Erklär-Bär“-Videos zu bestimmten musikalischen Themen erstellen, die die Schülern anschauen und bearbeiten könnten. Lehrerin Gabriele Barth sei besonders im Bereich Inklusion aktiv, sie produziere für ihre Schüler mit Behinderung ganze Lehrfilme. Im Moment arbeite Schulleiter Manuel Wagner gerade an einem Online-Kurs „Theorie“ für die bevorstehenden Jungmusikerleistungsabzeichen.

„Natürlich ist das für uns eine große Herausforderung, denn natürlich sind nicht alle von uns im gleichen Maße mit den neuen Medien vertraut. Aber es funktioniert sehr gut. Der Unterricht ist sogar intensiver“, so Joachim Pfläging, Lehrer der JMS. Auch er hat seinen kompletten Instrumentalunterricht auf Video-Chat umgestellt. Klaus Siebold hat sein Büro zu einem kleinen Studio umgebaut und unterrichtet auch mit Kamera, Kopfhörern, Mikrofon und live eingespielten Playbacks.

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Schon seit einiger Zeit wird an der JMS das Thema „Digitalisierung“ vorangetrieben. Neben dem Wechsel auf ein neues Verwaltungsprogramm und der Einführung von dienstlichen E-Mail-Adressen für alle Lehrkräfte hat sich seit dem neuen Schuljahr auch eine Digital-Arbeitsgruppe formiert, die sich um die Etablierung von digitalen Unterrichtsmethoden als pädagogische Bereicherung im „analogen“ Musikunterricht kümmert. Hier wird auch über Spenden in neue Technik investiert, um die JMS modern und nachhaltig auf die Zukunft vorzubereiten.

Manuel Wagner findet es wichtig, dass gerade in dieser Zeit des Social Distancing und des weniger geregelten Tagesablaufs der Schüler einige Konstanten wie zum Beispiel der Instrumentalunterricht gewahrt bleiben und so auch ein Stück Normalität erhalten werden kann. Dennoch ist man sich aber einig, dass der Präsenzunterricht auch in Zukunft nicht ersetzt wird und sich alle Lehrkräfte schon darauf freuen, ihre Schüler und Schülerinnen wieder in „echt“ zu sehen.