Er konnte sich rühmen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts federführend zur Säckinger Stadtentwicklung beigetragen zu haben. Schon weil in der Stadt eine Straße und eine Schule nach ihm benannt sind, gerät der Name des früheren Bürgermeisters Anton Leo nicht in Vergessenheit. Sein 200. Geburtstag in der vergangenen Woche ging bei den meisten Bad Säckingern unbemerkt vorüber.

Das Grab von Anton Leo und seiner Frau Katharina Leo, geborene Knoch, auf dem Au-Friedhof neben dem Schlosspark wird noch immer gepflegt.
Das Grab von Anton Leo und seiner Frau Katharina Leo, geborene Knoch, auf dem Au-Friedhof neben dem Schlosspark wird noch immer gepflegt. | Bild: Richard Kaiser

Als tatkräftiger und vielseitig begabter Mann wurde der am 27. April 1821 geborene Anton Leo 1850 Bürgermeister der aufstrebenden Stadt Säckingen und blieb es bis zu seinem Tod am 18. Mai 1879. Seine kommunalpolitische Befähigung wurde ihm in die Wiege gelegt, sein Vater war der Stadtbaumeister und Stadtrat Karl Leo (1783 bis 1860), sein Großvater Xaver Leo (1743 bis 1812) war selbst ebenfalls schon Schultheiß von Säckingen.

Anton Leo (1821 bis 1879) war Bürgermeister von Säckingen.
Anton Leo (1821 bis 1879) war Bürgermeister von Säckingen. | Bild: Richard Kaiser (Repro)

Anton Leo erwarb zu Beginn der Amtszeit als Bürgermeister 1850 das neben dem Fridolinsmünster stehende Palais Landenberg und ließ es zu einem repräsentativen Rathaus umbauen. Zwei Jahre später gründete er die Städtische Sparkasse. Im Mai 1853 heiratete er die aus Karlsruhe stammende Katharina Knoch (1831 bis 1908), die ihm 1854 eine Tochter und 1856 einen Sohn gebar. 1859 machte er sich um die Reform des Löschwesens nach dem Vorbild französischer Feuerwehren verdient und trug maßgeblich zur Bildung einer Säckinger Freiwilligen Feuerwehr bei.

Weitere Verdienste Leos sind die Errichtung eines neuen Wasserversorgungsnetzes (1860 bis 1863), der Erwerb des Spitalgebäudes (1861), die Gründung der Höheren Bürgerschule (1863) sowie die Anlage der Rheinallee, Badallee und des Schneckenhaldenwegs (1865 bis 1874). Außerdem belebte er 1854 die inaktive Stadtmusik und dirigierte sie 25 Jahre lang.

Die Schule

Ein ebenso sichtbares Zeichen seines Schaffens, an der Generationen Säckinger Kinder und Jugendlicher teilhaben, war der Bau der Volksschule (1876 bis 1879), die ab 1934 die Bezeichnung Hindenburgschule erhielt, 2014 aber aufgrund der Vergangenheitsbewältigung zur Anton-Leo-Schule umbenannt wurde. Eine weitere Würdigung des herausragenden Rathauschefs ist die Widmung einer Anton-Leo-Straße. Sie ist die Verbindung von der Scheffelstraße zur Hauensteinstraße, die in den 1960er Jahren ihren Namen erhielt.

Das Anton-Leo-Straßen-Schild an der Einmündung in die Scheffelstraße.
Das Anton-Leo-Straßen-Schild an der Einmündung in die Scheffelstraße. | Bild: Richard Kaiser

Im August 1876 wählten die Säckinger Bewohner ihren liberal gesinnten Bürgermeister zum letzten Mal, bevor er knapp drei Jahre später im Alter von 58 Jahren starb. Anton Leo war neben dem Fabrikanten Otto Bally (1839 bis 1908) ein Befürworter der Altkatholikenbewegung, der von 1876 bis 1883 das Fridolinsmünster zugeteilt war, während die römisch-katholische Kirchengemeinde in dieser Zeit lediglich eine eigens erbaute hölzerne Notkirche am Auplatz nutzen konnte. Der damalige Religionsstreit machte dem Bürgermeister zu schaffen, dessen Ende erlebte er nicht mehr.