Eigentlich würden Alexandra und Hubertus Aberle kommende Woche das einjährige Bestehen ihrer Boutique feiern. Stattdessen füttern sie ihren Online-Shop, während „Walfisch“-Wirt Matthias Thyssen am Münsterplatz jeden leeren Raum mit den QR-Codes der Luca-App bestückt und Eva-Maria Götte in ihrem Reiseladen die Urlaube ihrer Kunden zum zweiten Mal auf das kommende Jahr umbucht. Sie mögen wenige von vielen sein, die massiv von den coronabedingten Einschränkungen betroffen sind. Dennoch machen ihre Geschichten für die Menschen in Bad Säckingen und aus der Umgebung greifbar, was es heißt, als Selbstständige eine Pandemie zu durchleben.

Mitglieder von Pro Bad Säckingen treffen sich virtuell (von links oben nach rechts unten): Eva-Maria Götte (Göttes Reiseladen), Andreas Stöcker (Antiquariat Erlesenes), Elisabeth Vogt (Vorsitzende Pro Bad Säckingen), Jürgen Albiez (Lebensraum Werkstatt und Einrichtungsleiter AWO-Sozialkaufhaus), Christine Zipser (Behüt‘ Dich), Irene Schwarz (Hobby- und Bastelgeschäft Butz), Alexandra Aberle (Chalet Boutique), Matthias Thyssen („Zum Schwarzen Walfisch“), Annemarie Rösch, Daniel Kistner (May), Sebastian Kuschner (Panoptikum) und Franc Morshius (Aqualon).
Mitglieder von Pro Bad Säckingen treffen sich virtuell (von links oben nach rechts unten): Eva-Maria Götte (Göttes Reiseladen), Andreas Stöcker (Antiquariat Erlesenes), Elisabeth Vogt (Vorsitzende Pro Bad Säckingen), Jürgen Albiez (Lebensraum Werkstatt und Einrichtungsleiter AWO-Sozialkaufhaus), Christine Zipser (Behüt‘ Dich), Irene Schwarz (Hobby- und Bastelgeschäft Butz), Alexandra Aberle (Chalet Boutique), Matthias Thyssen („Zum Schwarzen Walfisch“), Annemarie Rösch, Daniel Kistner (May), Sebastian Kuschner (Panoptikum) und Franc Morshius (Aqualon). | Bild: Maria Schlageter

Organisiert vom Stadtmarketingverein Pro Bad Säckingen haben sich Dienstleister, Unternehmer und Gastronomen zu einem virtuellen Austausch getroffen, der eines deutlich gemacht hat: Den Weg aus der Krise können und wollen die Geschäftsleute in der Trompeterstadt nur gemeinsam gehen.

Wie geht es den Geschäftsleuten?

Trotz tiefer Sorgenfalten will man sich die Zuversicht nicht nehmen lassen – in etwa so lässt sich die allgemeine Stimmung zusammenfassen. Speziell im digitalen Bereich habe sich in den vergangenen Monaten einiges getan. „Man muss die Situation auch positiv sehen und sie als Chance begreifen“, sagt Sebastian Kunschner, Inhaber des Panoptikum. Wie viele andere gibt er sich kämpferisch. Das Engagement, mit Online-Aktionen oder Lieferservice präsent zu bleiben, erfordert aber Eigeninitiative. Die ersten Lockerungen, die durch Click & Meet oder Click & Collect ermöglicht wurden, sehen die Bad Säckinger Geschäftsleute hingegen kritisch. „Die Kunden wissen nicht, was man darf und was nicht. Für uns ist es, als würden wir ständig im ersten Gang fahren“, so Alexandra Aberle.

Was bleibt, ist jedoch die Einsamkeit in den Geschäften und den Altstadtgassen. „Ich habe große Sehnsucht danach, die Menschen wieder zu sehen“, sagt Antiquar Andreas Stöcker und spricht dabei allen aus der Seele, deren Geschäfte und Restaurants seit Wochen geschlossen sind.

Wo sehen die Händler und Gastronomen die größte Herausforderung?

Öffnungen allein reichen nicht aus. In diesem Punkt waren sich alle Beteiligten einig. Einkaufen, Essen und Trinken vor Ort müssen attraktiv und sicher sein. „Wir müssen unseren Mehrwert hervorheben“, unterstreicht Eva-Maria Götte. Veranstaltungen und Rabattaktionen sind die Schlagworte in diesem Zusammenhang. Das gemeinsame Ziel sei es, die Innenstadt wieder mit Leben zu füllen – und zwar von beiden Seiten des Rheins. Denn die Regelungen zum Grenzübertritt machen den Bad Säckinger Ladenbetreibern das Leben zusätzlich schwer.

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Die eigentliche Krux – auch darüber herrschte Einigkeit – liegt schließlich darin, diese Ambitionen ohne allzu große finanzielle Belastungen umzusetzen. Die Vorsitzende von Pro Bad Säckingen, Elisabeth Vogt, signalisierte in diesem Zusammenhang die Unterstützung der Stadt.

Welche Ideen und Konzepte gibt es?

Konkret wird es eine Gutschein-Aktion geben: Auf jeden Pro Bad Säckingen Gutschein gibt es zehn Prozent Rabatt. Außerdem gibt es Pläne für Freiluft-Aktionen im Schlosspark. Veranstaltungen im kleinen Rahmen kann sich Vogt in Kooperation mit lokalen Institutionen wie der Jugendmusikschule vorstellen. Auch ein Lieferservice, der momentan in Zusammenarbeit mit der SÜDKURIER CityLogistik angeboten wird, soll beibehalten werden. „Eventuell lässt sich auch die Lieferung von Speisen integrieren“, regte Vogt an. Alexandra Aberle plädiert sogar für die Überlegung zu einer Modell-Region Bad Säckingen.

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Mit Blick auf mögliche Öffnungsschritte rüsten sich auch die Gastronomen. Die Anschaffung von Raumluftfiltern und Lösungen für die Außengastronomie sind bereits in Planung. „Wir müssen auf Wetterumschwünge reagieren können“, erläutert Matthias Thyssen die Risiken. Einheitliche Zelte auf dem Münsterplatz könnten hier Abhilfe schaffen.

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Ideen gibt es also. Nun kommt es auf die Umsetzung an, die laut Thyssen nur zusammen funktionieren kann: „Was die Pandemie uns gelehrt hat, ist, dass Handel und Gastronomie nicht ohne einander können.“ Entsprechend will man das gemeinsame Anliegen auch auf allen Kanälen bewerben, möglicherweise in Zusammenarbeit mit professionellen Bloggern und Agenturen.

Welche Begleitumstände bringen Test-Angebote und die Luca-App mit sich?

Für Unklarheiten sorgen derzeit die Nutzung der Luca-App und das Test-Angebot, das die Unternehmen ihren Mitarbeitern ab kommender Woche unterbreiten müssen. Hinsichtlich der Testung empfiehlt Vogt die Schulungen, die vom THW angeboten werden und von einigen Firmen schon positiv angenommen wurden. Dabei können Mitarbeiter geschult werden, die dann die Tests an ihren Kollegen vornehmen. Das Testzentrum im Kursaal ist aber weiterhin für jeden offen. Bezüglich der Luca-App konnte Jürgen Albiez offene Fragen klären und folglich die Forderung nach einer einheitlichen Nutzung der App in allen Bad Säckinger Geschäften unterstützen.