In den Altstattgassen blieb es ruhig, unter dem Weihnachtsbaum stapelten sich trotzdem die Geschenke. Die zweite Adventszeit unter Corona-Bedingungen war vielleicht die erste wirklich entschleunigte – auch was das Kaufverhalten betraf: Der typische Trubel in den Innenstädten blieb im Dezember 2021 weitestgehend aus.

Diese ungewöhnliche Stille schlug sich jedoch in den Kassen einiger ortsansässiger Händler nieder, wo sie wahrlich kein Grund zur Freude ist. „Die Kunden kommen weniger, wir haben nur noch den halben Kundenkreis im Vergleich zu vor der Pandemie. Das Weihnachtsgeschäft lief beide Male schlecht“, lautet die harte Bilanz von Erwin Huber, Inhaber von H. O. Franz Bürotechnik. Von einem allgemein schlechten Verkaufsmonat lässt sich dennoch nicht sprechen: Wie eine Recherche unter den Bad Säckinger Händlern zeigt, hat das jüngste Weihnachtsgeschäft – wie schon des Öfteren während der Pandemie – Gewinner und Verlierer hervorgebracht.

Corona mache nicht alles schlechter, sondern anders, findet Ralph Muesebeck. Gemeinsam mit seiner Frau Myriam Schwarcz-Muesebeck führt er das Juweliergeschäft in der Rheinbrückstraße, wo das Fazit über das Weihnachtsgeschäft gut ausfällt: „Es waren merklich weniger Kunden in der Stadt, das tat aber keinen Abbruch bei den Wünschen. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden und können nichts Negatives sagen.“ Trotz der verpflichtenden Maßnahmen kommen die Kunden weiterhin persönlich und das im Vergleich zu vorherigen Jahren gezielter, wie Muesebeck berichtet: „Schmuckkauf ist etwas Emotionales. Persönliche Beratung und dass man den Schmuck auch anfassen kann, hat einen Stellenwert. Deswegen macht mir das Internet nicht wirklich große Sorgen.“

Schmuck bleibt beliebt: Ralph Muesebeck führt mit seiner Ehefrau Myriam Schwarcz-Muesebeck ein Juweliergeschäft in der Altstadt und zieht trotz Corona ein positives Fazit.
Schmuck bleibt beliebt: Ralph Muesebeck führt mit seiner Ehefrau Myriam Schwarcz-Muesebeck ein Juweliergeschäft in der Altstadt und zieht trotz Corona ein positives Fazit. | Bild: Maria Schlageter

Das Gegenteil erfährt Erika Klostermair, die wenige Häuser weiter das Nähcenter führt und seit dem Corona-Ausbruch ihre Kunden an Online-Shops und Discounter verliert. Auch die kreative Adventszeit konnte daran nichts ändern. „Wir haben im Dezember 2021 den gleichen Umsatz gemacht, wie im Dezember 2020, als es Mitte des Monats sogar in den Lockdown ging“, sagt Klostermair. Seit 30 Jahren ist sie in der Branche tätig, ein so schlechtes Weihnachtsgeschäft habe sie in all der Zeit nicht erlebt.

Lieferengpässe

Es sind nicht nur die Kunden, die fernbleiben, auch manche Ware kommt erst gar nicht in den Läden an. Lieferschwierigkeiten sind das andere große Sorgenkind. „Bei allem, wo Elektronik drin ist, gibt es Lieferprobleme: Laptops, Drucker, Telefone. Die Freude ist momentan ganz gering“, sagt Erwin Huber, der doppelt negativ betroffen ist.

Langfristig planen

Mit Lieferengpässen muss auch die Fahrrad-Branche zurechtkommen. „Wir spüren das überall und raten unseren Kunden daher, langfristig zu planen“, erklärt Stefan Riedl, Geschäftsführer des Radsportgeschäft Riedl-Leirer. Seine Bilanz des Weihnachtsgeschäfts: Zwiegespalten, wie er sagt: „Das typische Weihnachtsgeschäft mit Kinder- und Jugendfahrrädern war eher schlechter. Insgesamt lief der Dezember aber besser als 2019.“

Belastung für die Händler

Was bleibt, ist die Verunsicherung, was fehlt, ist die Perspektive auf Besserung. Und das aufseiten der Händler und der Kunden: Die sich gefühlt ständig ändernden Auflagen und Regelungen drückten die Kauflaune, berichtet Elisabeth Vogt, Vorsitzende von Pro Bad Säckingen. Der Stadtmarketingverein vertritt die Interessen der Geschäftsleute und steht hinter deren Kritik. „Die Probleme sind bei vielen ähnlich“, unterstreicht Vogt, „hinzu kommt, dass einige auch die Hilfe zurückzahlen müssen, was auch eine Belastung ist. Und es sind Steuerberaterkosten entstanden.“ So mag das Weihnachtsgeschäft vorüber sein, die Krise der Händler ist es nicht.