Beschaulich muss es im Mittelalter auch in Obersäckingen zugegangen sein. Allerdings können nur Vermutungen angestellt werden, denn entsprechende Dokumente sind nicht vorhanden. Doch muss es am nordöstlichen Ortsrand ein idyllisches Mühleareal und gleich nebenan ein Rebenanbaugebiet gegeben haben, wie aus althergebrachten Gewannbezeichnungen hervorgeht, die lagemäßig einander zugeordnet werden können.

Am östlichen Rand von Obersäckingen sucht man die Getreidemühle und die Weinstöcke heute vergeblich, die im Anschluss zu den Häusern zwischen den Straßen Am Dorfbach und Mühlematt bis rechts, wo der Wald endet, angesiedelt waren. Links unten die Bundesstraße.
Am östlichen Rand von Obersäckingen sucht man die Getreidemühle und die Weinstöcke heute vergeblich, die im Anschluss zu den Häusern zwischen den Straßen Am Dorfbach und Mühlematt bis rechts, wo der Wald endet, angesiedelt waren. Links unten die Bundesstraße. | Bild: Dorothea Kaiser

Im Allgemeinen sind Abhandlungen über die zweifelsfrei vorhandenen mittelalterlichen Getreidemühlen spärlich. Doch überlieferte Flurnamen bringen auch die unbekannten Mühlenstandorte ans Tageslicht. Das gleiche gilt für den Weinanbau. So sind auf dem Gemarkungsübersichtsplan von 1896 am nordöstlichen Wohnbereich von Obersäckingen angrenzend die Gewannnamen Mühlematt und Reben ersichtlich, die eindeutig die frühere Landnutzung wiedergeben.

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In Obersäckingen gab es ehemals zwei Weinanbaugebiete. Mit der Gewannbezeichnung Weingarten kommt die Traubenanpflanzfläche am westlichen Ortsrand zur Geltung, mit dem Gewann Reben die umfangreichere am östlichen Ortsrand. Diese zog sich in besten Zeiten gut 300 Meter entlang des Hanges bis zum Gewann Gattermatt. Allerdings gab es beide Rebenanbaugebiete 1776 schon nicht mehr, wie aus dem „Grund-Riss des ober Segginger Bann“ zu ersehen ist, denn in ihm ist an den entsprechenden Stellen die Nutzungsart Wald beziehungsweise Grünland dargestellt.

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Im Gewann Mühlematt kommt durch eine kleine Schlucht steil abfallend der in Egg entspringende Heimbach an. Einst trieb seine Kraft über ein vertikal gestelltes Wasserrad zwei Mühlsteine an, die Getreide zu Mehl mahlten. Das Mühlengebäude kann nicht mehr ausgemacht werden, denn es gibt keinerlei Archivalien darüber. Und auch im Obersäckinger Grundriss von 1776 ist das Anwesen nicht abgebildet.

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Der Mühlebetrieb in Obersäckingen wurde demnach vor mehr als 250 Jahren bereits eingestellt. Der Heimbach floss indessen weiter, und zwar durch das Dorf (alsdann Dorfbach genannt) in den Rhein. Als in den 1960er Jahren das Rheinkraftwerk und das dazugehörige Stauwehr gebaut wurde, musste der Heimbach fernab des Dorfes am Gewann Urban umgeleitet und 1150 Meter, teils betonkanalisiert, teils verdolt, 930 Meter oberhalb seiner bisherigen Mündung in den Rhein eingeleitet werden.

Die Straße Am Dorfbach hat auf ihrer westlichen Teilstrecke etwa die gleiche Linienführung wie der Anfang der 1960er Jahre stillgelegte Wasserlauf.
Die Straße Am Dorfbach hat auf ihrer westlichen Teilstrecke etwa die gleiche Linienführung wie der Anfang der 1960er Jahre stillgelegte Wasserlauf. | Bild: Richard Kaiser

Das alte Bachbett trocknete sodann aus, was die BUND-Ortsgruppe mit ihrem damaligen Vorsitzenden Bernhard Biendl bewog, alle Kräfte zu mobilisieren, dass zumindest eine Teilwassermenge wieder ihren alten Verlauf bis an den Ortsanfang nimmt. Im Jahr 2000 war der Wunsch dann von Erfolg gekrönt; ein kleiner Bach fließt seither bis zur heutigen Straße Am Dorfbach und dann in das unterirdische Kanalsystem der Stadt.

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Wie dem Dorfbach, so wurde auch dem Mühlestandort eine Straße gewidmet. Mit Mühlematt bezeichnet man den alten Landwirtschaftsweg, den es schon 1896 gab. Er wurde zur ausgebauten Zufahrt für die in den vergangenen 25 Jahren erstellten sechs Wohnhäusern oberhalb der Straße Am Dorfbach.

Im Obersäckinger Gemarkungsübersichtsplan von 1896, Bestandteil der gerade abgeschlossenen Katastervermessung, ist die Gewanneinteilung mit ihren dazugehörigen Flurnamen sowie Gebäuden, Nutzungsarten, Wegen und Gewässern umfassend dargestellt.
Im Obersäckinger Gemarkungsübersichtsplan von 1896, Bestandteil der gerade abgeschlossenen Katastervermessung, ist die Gewanneinteilung mit ihren dazugehörigen Flurnamen sowie Gebäuden, Nutzungsarten, Wegen und Gewässern umfassend dargestellt. | Bild: Repro Richard Kaiser

Nordöstlich der ehemaligen Getreidemühle macht sich das Gewann Rätschenacker breit. Mit einer Rätsche ist eine Hanf- oder Flachsbreche gemeint; es könnte sich außerdem um eine Mühle zum Verkleinern von Rüben, Trauben oder Obst handeln. Eine Rätsche ist aber auch ein Lärminstrument, beispielsweise ein Utensil von Fastnachtsnarren oder als Klappe an den Kartagen. Als Rätsche wird überdies eine schwatzhafte Person bezeichnet. Es gibt also mehrere Möglichkeiten, was auf diesem Acker ehemals geschah.

Die heutige Stichstraße Mühlematt, die ostwärts von der Harpolinger Straße abzweigt, erinnert an den mittelalterlichen Mühlestandort.
Die heutige Stichstraße Mühlematt, die ostwärts von der Harpolinger Straße abzweigt, erinnert an den mittelalterlichen Mühlestandort. | Bild: Richard Kaiser

An den Rätschenacker schließt sich nordöstlich die nicht erklärbare Bärtschenmatt an, weiter oberhalb, zwischen dem Heimbach und der Harpolinger Straße, befindet sich die Stockmatt. Manchen Flurnamenforschern zufolge könnte es ein Gebiet sein, auf dem Baumstöcke beim Roden im Boden geblieben sind. Nach Meinung anderer Bodenkundler hatte man dem Namen nach dort Stöcke für Reben, Sträucher und Pflanzen geholt.