Der Bergsee hat eine neue Lunge. Am Dienstag ist die neue Belüftungsanlage eingesetzt worden, für die sich der Fischereiverein Bad Säckingen und der Landesfischereiverband Baden-Württemberg seit Jahren stark machen. Nach einigen Anstrengungen wurde zuletzt die Stadtverwaltung überzeugt, die nötigen Mittel bereitzustellen. Der Austausch der Anlage koste rund 180.000 Euro, sagt Raymond Vöstel, Vorsitzender des Fischereivereins Bad Säckingen.

Robin Bruns, Montageleiter der Entwicklerfima Polycon, setzt die Pumpe in den Schwimmkörper der neuen Bergseebelüftung ein.
Robin Bruns, Montageleiter der Entwicklerfima Polycon, setzt die Pumpe in den Schwimmkörper der neuen Bergseebelüftung ein. | Bild: Peter Koch

Nötig wurde der Austausch, da die seit Jahrzehnten existierende Belüftung nicht mehr wie erwartet funktioniere und stark korrodiert sei. Um die Fehlfunktion zu belegen, hatte der Fischereiverein zweieinhalb Jahre Wassermessungen vorgenommen und unter anderem festgestellt, dass im zwölf Meter tiefen See unterhalb von sechs Metern kein Sauerstoff vorhanden ist.

Ein Profitaucher im Bergsee ist ein seltenes Bild. Die Taucher der Firma Tauchservice Nauen waren für die Demontage und das Anbringen der Schwimmkörper an der alten Anlage zuständig.
Ein Profitaucher im Bergsee ist ein seltenes Bild. Die Taucher der Firma Tauchservice Nauen waren für die Demontage und das Anbringen der Schwimmkörper an der alten Anlage zuständig. | Bild: Peter Koch

So rückte am Montag ein Taucherteam aus Thüringen an, um die alte Belüftung, die seit 35 Jahren ihre Dienste im See tat, zu demontieren. Die Taucher brachten Schwimmkörper an, damit die acht Tonnen schwere Anlage aus der Mitte des Sees ans Ufer gezogen werden konnte, wo ein Autokran die Bergung übernahm.

Das zentrale Element in der Neuen Tiefenwasserbelüftungsanlage ist die Pumpe, sie bringt das sauerstoffarme Tiefenwasser mit dem Luftsauerstoff zusammen.
Das zentrale Element in der Neuen Tiefenwasserbelüftungsanlage ist die Pumpe, sie bringt das sauerstoffarme Tiefenwasser mit dem Luftsauerstoff zusammen. | Bild: Peter Koch

Die neue Anlage, die von der Firma Polycon in Bremen konstruiert und gebaut wurde, soll nun die Belüftung besser und energiesparender übernehmen. Die Anlage wurde speziell für die Gegebenheiten des Bergsees entwickelt und verfügt über eine eigene Wassermesseinheit, mit der sie sich, entsprechend der Messdaten, selbstständig und zielgerichtet ein- und ausschalten kann. Des Weitern ist sie in der Lage, diese Daten an externe Geräte zu senden, sodass die Stadtverwaltung über Apps auf die Messdaten Zugriff hat und die Anlage fernsteuern kann.

Einsatzbesprechung: Robin Bruns, Montageleiter der Firma Polycon, weist den Taucher Michael Ozerov (links) in die Lage ein. Ozerov gehört zum Tauchservice Nauen, eine Firma aus der Nähe Weimars. Aufgabe der Taucher sind die Demontage der alten Anlage und das Bergen der Elektroleitung
Einsatzbesprechung: Robin Bruns, Montageleiter der Firma Polycon, weist den Taucher Michael Ozerov (links) in die Lage ein. Ozerov gehört zum Tauchservice Nauen, eine Firma aus der Nähe Weimars. Aufgabe der Taucher sind die Demontage der alten Anlage und das Bergen der Elektroleitung | Bild: Peter Koch

Nötig sei diese Belüftung im See, da der Zulauf, der Schöpfebach, nur wenig Frischwasser für den verhältnismäßig großen See einbringe und der Ablauf nur 20 Meter neben dem Einlauf liege, erläutert Vöstel. Daher dringe das sauerstoffreiche Frischwasser nicht tief genug in den See ein. Eine leichte Verbesserung habe eine Landzunge gebracht, die der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Säckingen zwischen Zu- und Ablauf aufgeschüttet und bepflanzt habe.

Das liegt sie noch im See, die alte Anlage hat 35 Jahre auf dem Buckel und funktioniert nicht mehr störungsfrei.
Das liegt sie noch im See, die alte Anlage hat 35 Jahre auf dem Buckel und funktioniert nicht mehr störungsfrei. | Bild: Peter Koch

Die neue Belüftung wird das kalte, sauerstoffarme Wasser in elf Metern Tiefe ansaugen, im Herzstück des Gerätes, der Pumpenanlage, wird das Wasser mit Luftsauerstoff angereichert und in sieben Metern Tiefe wieder freigesetzt. So bearbeitet die Anlage das Tiefenwasser, das unter der Sprungschicht liegt, die die Wasserschichten trennt. Eine Vermischung des sauerstoffreichen, lichtdurchfluteten Oberflächenwassers mit dem Tiefenwasser wird so verhindert. Diese Schichtung ist ein natürlicher Zustand in einem See und muss erhalten bleiben.

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Zweimal im Jahr hat das Oberflächenwasser, aufgrund der Temperatur, eine höhere Dichte als das Tiefenwasser, es sinkt ab und das Seewasser mischt sich durch. In dieser Phase kann gelöster Phosphor aufgewirbelt und im See verteilt werden, was zu einer Überdüngung und Algenblüte führen kann. Dies soll nun, mit der neuen Anlage, nicht mehr geschehen, da der ins Tiefenwasser geführte Sauerstoff verhindert, dass abgelagerter Phosphor im Seewasser gelöst wird.