Vor dem Schöffengericht Bad Säckingen muss sich ein 26 Jahre alter Angeklagter wegen Vergewaltigung verantworten. Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen wirft ihm vor, sich an einer Bekannten in seiner Wohnung in Bad Säckingen vergangen zu haben.

Schilderungen unterschiedlich

Der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer (22 Jahre) schildern den Ablauf jenes Abends im Dezember 2019 unterschiedlich; wie genau, blieb der Öffentlichkeit verborgen, denn ihre Vernehmung fand, zur Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte, hinter verschlossenen Türen statt. Aus der Verlesung der Anklage war zu erfahren, dass sich die jungen Leute im Juli 2019 über soziale Medien kennengelernt haben und es in der Folge zu zwei Treffen gekommen sei. Dabei seien Küsse ausgetauscht worden.

Einladung in Wohnung

Ende Dezember habe sie zu vorgerückter Stunde eine Einladung in seine Wohnung von ihm erhalten, die sie angenommen habe. Beim Filme schauen auf dem Sofa, habe er sie zum Küssen gedrängt, was sie zunächst verweigert, dann aber doch erwidert habe. Er habe dann gegen ihren ausdrücklichen Willen weitere sexuelle Handlungen vorgenommen, die darin gegipfelt hätten, dass er sie mit seinen Fingern penetriert habe, womit der Straftatbestand der Vergewaltigung erfüllt sei.

Nach den Informationen, die der Aussage der Kripobeamtin zu entnehmen waren, bestreitet der Angeklagte den Vorwurf der Vergewaltigung. Allein schon aus religiösen Gründen, lehne er Sex vor der Ehe ab. Er habe sie lediglich geküsst und an der Brust gestreichelt, was sie, nach seinem Eindruck, durchaus genossen habe.

Hand auf Oberschenkel

Nachdem er bemerkt habe, dass sie es nicht mochte, als er seine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt habe, habe er sich gleich mit einem „Sorry“ entschuldigt und es sein lassen. Überhaupt habe er sich ihr nur deshalb genähert, weil er schon bei den vorausgegangenen Treffen den Eindruck gewonnen habe, sie wolle etwas von ihm. Darin sei er letztlich bestärkt worden, weil sie seiner Einladung zu sich in die Wohnung, mitten in der Nacht, gefolgt sei.

Freundinnen bestätigen Aussage

Dass die junge Frau Interesse an ihm hatte, wurde durch die Aussage ihrer zwei Freundinnen bestätigt. Ihre beste Freundin erzählte, dass sie an jenem Abend mit ihr unterwegs gewesen sei, als die Einladung über Whatsapp gekommen sei. Sie habe sie noch darin bestärkt, zu ihm zu gehen, da sie von ihr wusste, dass sie sich in ihn verliebt hatte, obwohl er beim vorherigen Treffen ihr zu verstehen gegeben habe, dass er eigentlich auf einen ganz anderen Typ Frau stehe.

Anderntags habe sie mit ihr Silvester gefeiert und sie sei irgendwie verändert gewesen, habe aber vom Treffen mit dem Mann nur erwähnt, dass er sie habe küssen wollen, sie das aber nicht gewollt habe. Erst sechs Wochen später habe sie dann mehr erzählt und sich zur Anzeige entschlossen.

Immer wieder nachgehakt

Die Ermittlungen gingen der mutmaßlich Geschädigten offenbar zu langsam. Immer wieder habe sie nachgehakt, so die Kripobeamtin, man habe ihr die Vorgehensweise erklärt. Trotzdem habe sie sich beim Beschuldigten gemeldet. Sie wollte sich mit ihm treffen, um über den Vorfall und die Anzeige zu sprechen. Er teilte ihr mit, dass er keine Zeit habe. Das Urteil soll Mitte Mai verkündet werden.