Einen festlichen Gottesdienst feierte die evangelische Kirchengemeinde Bad Säckingen am Sonntagnachmittag zum Erntedank und zur Einführung des neuen Pfarrers Hans-Georg Ulrichs.

Begleitet von feierlichen Klängen des Posaunenchors zog der neue Pfarrer zusammen mit dem Kirchgemeinderat, Altlandesbischof Klaus Engelhardt und Dekanin Christiane Vogel in die Stadtpfarrkirche ein, die fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Anwesend waren auch Vertreter der Stadt und der benachbarten Kirchengemeinden, wie Bürgermeister Alexander Guhl, Pfarrer Peter Berg von der katholischen Seelsorgeeinheit, Pfarrer Strenzl von der altkatholischen Gemeinde und Pfarrer Martin Rathgeber aus Murg. Für die evangelische Gemeinde ist die lange Zeit der Vakanz zu Ende gegangen. „Endlich hat die Gemeinde wieder einen geistlichen Mittelpunkt“, freute sich Kirchgemeinderatsvorsitzende Christina Binder in ihrer Begrüßung.

Der neu eingeführte Pfarrer und der Kirchgemeinderat verpflichten sich gegenseitiger Unterstützung und Zusammenarbeit zur Ehre Gottes ...
Der neu eingeführte Pfarrer und der Kirchgemeinderat verpflichten sich gegenseitiger Unterstützung und Zusammenarbeit zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gemeinde. | Bild: Bernadette André

Dekanin Vogel stellte Psalm 118 in den Mittelpunkt ihrer Ansprache: „Dies ist der Tag den der Herr macht, lasst uns freuen und fröhlich sein.“ „Das ist Ihr Auftrag hier in dieser Gemeinde,“ so Vogel, an Pfarrer Ulrichs gewendet, „dass Sie das, was die Menschen in Ihrer Gemeinde bewegt, neu mit Gott in Verbindung bringen“. Für sein Leben und den Dienst in Bad Säckingen wünschte sie ihm, dass er sich mit der nötigen Heiterkeit und Gelassenheit auf den Weg machen könne. „Darum haben wir gebetet“, so Vogel, „dass Gott genau den Menschen berufen möge, der hierher passt.“

Ulrichs hatte zuletzt im Koordinierungsbüro zur Vollversammlung des ökumenischen Rates in Karlsruhe gearbeitet.

Ulrichs erste Predigt

Für seine erste Predigt als Pfarrer in Bad Säckingen wählte er einen Text aus dem fünften Buch Mose aus, der sich auf vielfältige Weise mit dem Thema Erntedank und der aktuellen Situation verbinden lässt. „Der Herr dein Gott führt dich in ein gutes Land, ein Land darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen.“ heißt es darin, ein Land, das viel Ähnlichkeit mit der Gegend am Hochrhein hat. Das Thema Erntedank stellt er in einen weiten Kontext: Nicht nur um die Früchte der Erde, sondern um alle Früchte der menschlichen Arbeit geht es, um Überfluss und Armut, um die Erfahrung, dass bei immer mehr Menschen das Geld nicht reicht. Erntedank heiße „Gott gibt reichlich“.

Klaus Engelhardt, Altlandesbischof und ehemaliger Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, kam von Karlsruhe nach Bad ...
Klaus Engelhardt, Altlandesbischof und ehemaliger Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, kam von Karlsruhe nach Bad Säckingen gemacht, um den Einführungsgottesdienst von Pfarrer Hans-Georg Ulrichs mitzufeiern. | Bild: Bernadette André

Stolz können man auf das sein, was man geschaffen habe, aber den Geber dürfe man nicht vergessen. Auch das Gemeinwesen dürfe Gott nicht vergessen. Er weist auf die Folgen des Reichtums hin, eng verknüpft mit dem Thema, das aktuell viele Menschen am Hochrhein beschäftigt und das auch in den Kirchengemeinden heiß diskutiert werde: die Lagerung von Atommüll in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Kirche selbst drohten ebenfalls Gefahren, zwei davon nennt er: Erstens andern nach dem Munde zu reden und zweitens auf die Verkommenheit der Welt zu schimpfen. Und dann verkündet er sozusagen seine persönliche Richtschnur des Handelns: Er bediene sicherlich nicht die kollektive Selbstgerechtigkeit und er sei auch nicht zum Weltgericht geschickt. Sondern dazu, hinter den kleinsten Dingen, auch in den weltlichen Dingen, Gott als das Geheimnis dieser Welt zu entdecken. „Wir wollen in diesem gesegneten Land in den Spuren von Gottes Freiheitsgeschichte leben und bleiben.“

Im Anschluss wurde zu einem Empfang im Gemeindesaal geladen.

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