Gerd Leutenecker

Nichts Dramatisches war mit der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Wohnbaugenossenschaft Daheim Bleiben verbunden. Ein Rechenschaftsbericht und der Jahresabschluss für 2021 standen im Mittelpunkt. Als Aufsichtsratsvorsitzender hatte Klaus-Werner Kroll die Genossenschaftsmitglieder geladen, schlicht weil wie angekündigt erst im November der Prüfbericht für die eingetragene Genossenschaft (eG) vorliegt. Zukünftig werden die Hauptversammlungen immer im November stattfinden. Von 45 Mitgliedern waren 24 anwesend. Das seniorengerechte Wohnbauprojekt in der Dorfmitte rechnet nun mit 4,5 Millionen Euro kalkulierten Kosten für die zwölf Wohnungen.

„Das Rumpfgeschäftsjahr 2021 hatte es in sich“, sagte Vorstand Christine Oechslein und signalisierte die immense Arbeit an juristischen, amtlichen und planerischen Aufgaben gleichzeitig als abgeschlossen. Nach der Gründungssitzung im Juni 2021 folgte die Anerkennung zur voll geschäftsfähigen Genossenschaft im August 21. Erst danach konnte das Baugrundstück in Harpolingen überhaupt erworben werden. Die Kreditbeschaffung, gutachterliche Zertifizierungen der Planunterlagen und der eigentliche Bauantrag folgten. „Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hatte wird dann die Baufreigaben bekommen“, Oechslein zeigte dabei auch auf, „dass wir da die Ausführungsplanung bereits vertraglich gesichert hatten“.

Kosten steigen rasant

Die Tiefbauarbeiten starteten Mitte Januar. Dann kam die Realität. „Preisexplosionen, verschärfte Brandschutzauflagen und exorbitante Deponiekosten für den Erdaushub“, Oechslein verschwieg nichts, „das konnten wir nicht wegsparen“. Jetzt muss mit 4,5 Millionen Euro Entstehungskosten für das vorbildliche Seniorenbauprojekt gerechnet werden.

Den anwesenden Genossen war die zeitweise unkalkulierbare Situation am Bau und dem Weltmarkt bewusst. Die Kostensteigerung ist akzeptiert – Widerspruch war bei der Sitzung am Montagabend nicht zu vernehmen. Den Jahresabschluss 2021 erläuterte Bankbetriebswirt Kroll. Anlagevermögen und das Guthaben bei Kreditinstituten entspricht dem Geschäftsguthaben abzüglich des Jahresfehlbetrags samt Rückstellungen und Abgrenzungsposten. Die Bilanzsumme von 839.006 Euro ist im Rumpfgeschäftsjahr 2021 von Seiten der Familienheim Bad Säckingen eG festgestellt worden.

„Wir als Kontrollorgan nehmen nun die Baukostenüberwachungspflicht wahr“, Kroll zeigte sich zufrieden. Aufsichtsratskollege Norbert Beyrle dankte dem Vorstand „für die vielen unentgeltlichen Einsätze rund um das Projekt“. Im Seniorenalter in Harpolingen bleiben zu können, wird real. Die ersten Wohnungen können nach Stand der Dinge Ende Juli kommenden Jahres bezogen werden. Die sogenannte Familienwohnung ist bereits vermietet; damit hat sich das „Thema Hausmeisterdienste erst einmal erledigt. Wir schauen dann konkret hin, was selber gemacht werden kann“, Oechslein reagierte auf einen Fragenkanon aus der Mitgliederrunde. Stromverträge, die Müllentsorgung und Räumdienste sind ausführlich besprochen worden.

Hingegen ist ein Antrag auf Erörterung der Energieversorgung für die Wohnanlage kurz nach der Einladung zur Hauptversammlung eingegangen. Der wurde ausführlich debattiert. Die Pelletheizung muss bleiben. „Schlicht, weil sonst die Kreditverträge bei der KfW hinfällig sind und wir eine Förderung von 400.000 Euro verlieren würden“, Kroll und Oechslein verwiesen auf die Ausführungen des Energieberaters. Bodennahe Erdwärmepumpen schieden wegen der hohen Kosten aus. Solarthermie sei nicht mehr förderfähig und eine dezentrale Heizungslüftung würde jede einzelne Wohnung im Unterhalt verteuern. Selbst eine Photovoltaiklösung würde wegen der Zählerkosten den Gewinn übersteigern. „Die Verträge sind abgeschlossen, der Status quo bleibt“, so Aufsichtsratschef Kroll.