Wer in den vergangenen Wochen durch die Rheinbadstraße in Bad Säckingen spazierte, konnte beobachten, wie sich die Räume der früheren Möbelhandlung Faller nach und nach leerten. Lange Zeit hatten die seit Jahren unveränderten Schaufenster mit ihrem nostalgischen Charme den erstaunten Betrachter in frühere Zeiten versetzt, doch nun scheint das Haus vor einem Neuanfang zu stehen. Grund genug, noch einmal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, denn das Gebäude, dessen älteste Bauteile aus dem 16. Jahrhundert stammen, ist auch stadtgeschichtlich interessant.

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Aus Unterlagen des Stadtarchivs geht hervor, dass hier vor 200 Jahren die Freifrau Maria Antonia von Schönau-Zell wohnte. Die Adresse war damals allerdings noch eine andere, denn dort, wo sich heute die Rheinbadstraße entlang zieht, befand sich noch der „innere offene Graben“ innerhalb der Stadtmauer. Die Gebäude waren von der anderen Seite, der heutigen Fischergasse aus, zugänglich. Die Fischergasse gab es vor 200 Jahren bereits, doch sie begann erst nach dem Fallerschen Haus, während der vordere Teil damals noch Herrengasse hieß. Das heutige Haus Rheinbrückstraße 20 war also eines der hintersten Gebäude in der Herrengasse und war 1804 mit der Nummer 190 bezeichnet. Direkt daneben befand sich ein zum Haus gehörender Garten, dort, wo heute der niedrige Anbau steht.

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Als Eigentümerin tritt Maria Antonia Henrica – genannt „Antoinetta“ – Freiin von und zu Schönau in Erscheinung. Während das Säckinger Schloss der Linie von Schönau-Öschgen gehört hatte, entstammte Maria Antonia dem Zweig derer von Schönau-Zell. Sie war am 12. September 1762 in Pruntrut, in der Schweiz, geboren worden. Ihr Vater war ein Freiherr von und zu Schönau, ihre Mutter eine geborene Gräfin von Kageneck. Sie hatte zwei Brüder und drei Schwestern. Alle Töchter der Familie wurden Stiftsdamen, und Antoinetta kam mit knapp 14 Jahren in das adelige Damenstift Masmünster im Oberelsass. Doch als 1789 in Frankreich die Revolution ausbrach, musste sie fliehen und lebte seit 1796 in Säckingen.

Ledig und verarmt

Während ihre Schwestern nach und nach geheiratet hatten, blieb Maria Antonia Zeit ihres Lebens ledig. Obwohl sie in Säckingen Haus und Garten besaß, war es um ihre finanzielle Situation nicht gut bestellt. Sie sei „nicht zu solchen Entbehrungen geboren“, schrieb sie und war glücklich, dass die Beisgauer Ritterschaftsstiftung ihr ab dem Jahr 1833 eine Rente zukommen ließ. 1846 bestätigte ihr der Säckinger Stadtpfarrer, dass sie „sowohl dem katholischen Christentum zur Erbauung, als ihrem Stande zur Ehre gelebt und sich die vollste Hochachtung von allen erworben“ habe. Sie habe „den in ihrem inneren Gemüht wohnenden Geist der Religion stets im öffentlichen Leben bekundet“. Drei Jahre später, am 15. November 1849, starb Maria Antonia von Schönau-Zell in Säckingen und wurde auch hier begraben.

Als Bevollmächtigter ihres Erben, Alphonse Zurcher in Cernay, verkaufte Kaufmann und Ratsherr Ignaz Berberich das Haus in der Herrengasse an die Stadt Säckingen, die es später weiterverkaufte. Anfang des 20. Jahrhunderts ging es in den Besitz des Schreiners Robert Faller über.