23.730 Euro ist laut Gutachten der Wert einer Schmucksammlung, die während eines Einbruchs in Bad Säckingen im Herbst 2019 entwendet worden sein soll. Der Geschädigte Eigentümer steht aktuell in Bad Säckingen vor Gericht, da er angeklagt wurde, den Schmuckdiebstahl fingiert zu haben. Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen 50-jährigen Bad Säckinger, der zusammen mit seiner Frau im Alter von 21 Jahre aus Sizilien eingewandert war.

Der angezeigte Einbruch mit Diebstahl

Im Oktober 2019 kam es laut Aktenlage zu einem Einbruchsdiebstahl ins Wohnobjekt des Angeklagten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Familie nicht im Haus. Die Ehefrau des Angeklagten und seine Töchter, die zu einem mittäglichen Spaziergang aufgebrochen waren, entdeckten bei ihrer Rückkehr, dass die Wohnungstür aufgebrochen und die Wohnung durchwühlt war.

Das angegebene Diebesgut

Bei der Tatortaufnahme durch die Polizei Bad Säckingen haben die Geschädigten angegeben, dass nach ersten Erkenntnissen 300 Euro Bargeld und einige Goldketten für Kinder entwendet worden seien. Später reichte der Angeklagte eine Liste von 24 Goldschmuckstücken ein, die der Familie im Rahmen von Taufen, Kommunionen, Geburtstagen und Hochzeiten geschenkt worden sein sollen. Einige wenige Stück habe die Familie selbst in Sizilien erworben. Er schätzte den Gesamtwert der Schmuckstücke auf 33.000 Euro. Zusätzlich zu dieser Liste reichte er Fotos ein, die die Schmuckstücke zeigen sollten. Ein später durch die Hausratversicherung des Angeklagten beauftragtes Gutachten bescheinigte einen Gesamtwert von 23.730 Euro für die auf den Fotografien zu sehenden Schmuckstücke.

Der Betrugsverdacht

Einige Zeit später ging ein Schreiben des Zeugen S. bei der Versicherungsgesellschaft des Angeklagten ein, in dem dieser mitteilte, dass der Schmuckdiebstahl fingiert sei. Den Schmuck habe es in der Familie nie gegeben. Das Foto bilde nach seinen Erkenntnissen nicht den Schmuck der Familie ab, sondern dritter Personen und befinde sich höchstwahrscheinlich nicht in Deutschland, sondern in Sizilien. Er selber sei vom Angeklagten aufgefordert worden, bei dem Betrug zu helfen, da er in der Versicherungsbranche tätig sei und sich auskenne. Der Angeklagte habe ihm eine Belohnung von circa 3000 Euro angeboten, wenn er erfolgreich sei. Dies habe er abgelehnt. So schaltete die Versicherung die Polizei ein und brachte versuchten Betrug zur Anzeige.

Das vermutete Motiv der Anzeige

Am ersten Verhandlungstag teilte der Anwalt des Angeklagten mit, dass sein Mandant der Anklage aufs Schärfste widerspreche. Er verdeutlichte die Sachlage aus Sicht der Familie. Danach habe der Zeuge S. die Anzeige bei der Versicherung aus Rache erstattet. Hintergrund sei, dass der Zeuge und die Tochter des Angeklagten über mehr als drei Jahre eine Beziehung geführt hätten, die mit einer ungewollten Schwangerschaft und viel Streit geendet habe. Er legte Chatprotokolle vor, nach denen der Zeuge seine ehemalige Lebensgefährtin zur Abtreibung drängte und ihr Vorwürfe machte, sie habe ihn betrogen und die Verhütung absichtlich ausgesetzt. Auch die Familie des Zeugen, eine Schwester, habe per Chat Druck auf die Familie des Angeklagten ausgeübt und mit Betrugsanzeige gedroht. Wenige Tage nach dieser Drohung sei die Anzeige des Zeugen bei der Versicherung eingegangen. Dies lasse darauf schließen, dass der Zeuge nicht aus lauteren Gründen handelte, sondern um die Familie zu schädigen.

Die Zeugenaussage

Die Vernehmung des Zeugen S. war dementsprechend auch der wichtigste Punkt in der Verhandlung. In der Vernehmung durch die Richterin verstrickte sich der Zeuge allerdings in widersprüchliche Angaben. So konnte er auf mehrmaliges Nachfragen durch Richterin und Staatsanwältin nicht ein einziges Mal konkret angeben, wie der Angeklagte ihn zu der Beihilfehandlung aufgefordert habe und welche Worte genau gefallen seien. Zumal sich der Angeklagte nur auf italienisch verständigen kann und der Zeuge kein italienisch spricht.

Unglaubwürdige Darstellungen

Zudem machte er sich unglaubwürdig damit, dass er sich immer wieder auf Zeugen aus der Familie des Angeklagten berief, deren Namen er aber nicht mehr wisse, obwohl er zuvor regelmäßig im Austausch mit diesen gestanden habe. So fielen viele Aspekte der Anklage aufgrund der ständig wechselnden Darstellungen des Zeugen vor Gericht in sich zusammen und nach seiner Vernehmung blieb ein deutliches Fragezeichen bei allen Beteiligten.

So geht es weiter

Die Vorsitzende schloss die Verhandlung, die ursprünglich auf einen Verhandlungstag angesetzt war, daher auch mit den Worten: „Das kann nicht das Ende sein.“ Fortsetzungstermin ist am 12. März. Dann möchte die Verteidigung weitere Beweismittel vorlegen.