Das Coronavirus und die Beschlüsse der Ministerpräsidenten werden den Veranstaltungskalender bis Ende August leerfegen. Vom Verbot für Großveranstaltungen bis zum 31. August sind voraussichtlich auch viele geplante Feste oder Kulturtermine in der Region betroffen. Manche Veranstalter wollen noch weitere gesetzliche Konkretisierungen abwarten, andere haben ihre Veranstaltung bereits aufs nächste Jahr verschoben.

Das könnte Sie auch interessieren

Wallbacher Dorffest

Die Organisatoren des Wallbacher Dorffestes wollen Ende April definitiv entscheiden. „Allerdings sehe ich schwarz“, sagte Peter Weiß vom Organisationsteam. Unter den Verantwortlichen geben es bereits regen Austausch per Mail. „Wir gehen davon aus, dass wir von dem Verbot betroffen sind“, so Weiß. Immerhin komme das Dorffest in guten Jahren auf 10.000 Besucher. Hier seien etwa Abstandregelungen nicht durchzusetzen. Das Team sei derzeit noch gespalten: Verschieben auf den Herbst oder für dieses Jahr absagen. Für beides gebe es gute Argumente. Er selber hält eine Absage des am 25. und 26. Juli geplanten Festes für die bessere Lösung.

Peter Weiß, Organisator Wallbacher Dorffest – „Ich sehe schwarz“
Peter Weiß, Organisator Wallbacher Dorffest – „Ich sehe schwarz“ | Bild: SK-Archiv

Vertraglich seien die vier Veranstalter FC, Radsport, Musikverein und Feuerwehr noch nicht an Lieferanten oder Musikgruppen gebunden. Das seien an sich die Festvorbereitungen, die die Organisatoren ansonsten im April abarbeiten. „Das steht natürlich jetzt still,“ so Weiß.

Stimmung beim Wallbacher Dorffest 2019 – in Coronazeiten nicht vorstellbar
Stimmung beim Wallbacher Dorffest 2019 – in Coronazeiten nicht vorstellbar | Bild: Rank, Marion

Getränkezulieferer

Bei Absagen von Festen sind unter anderem die Getränkezulieferer heftig getroffen. Weinhandlung und Getränkelieferant Gnädinger in Öflingen beispielsweise beliefert drei von vier Vereinen beim Dorffest. „Natürlich wäre die Absage ein herber Schlag für uns“, sagt Betriebsinhaber Rolf Gnädiger. Seine Firma beliefere das Dorffest Wallbach bereits seit Beginn, also seit 47 Jahren, berichtet er. Kommt hinzu: Das Dorffest bleibt wahrscheinlich nicht das einzige Fest, das ausfallen werde, gibt Sohn Julian Gnädiger zu bedenken. Beliefert würden in normalen Jahren auch das Seifenkistenrennen in Öflingen und das Drachenbootfest in Schwörstadt.

Gloria Theater Bad Säckingen

Im Gloria-Theater sind derzeit schon die Lichter aus. Die aktuelle Saison musste vorzeitig beendet werden. Zwischen Juni bis Anfang Oktober sind ohnehin keine Termine geplant. „Das verschafft uns zumindest etwas Luft“, sagte Intendant Jochen-Frank-Schmidt. Allerdings sorgt sich Schmidt über diesen Zeitraum hinaus. Er hält sogar den Premierentermin für das neue Musical „Tommy Tailors Traumfabrik“ am 17. Oktober für gefährdet. Am 1. August soll entschieden werden, ob der Premierentermin zu halten ist. Dafür sieht er eine Bedingungen: Es müsse bis dahin entweder ein Impfstoff gefunden sein, eine funktionierende Corona-App geben oder wirksame Medikamente. Es sei eine Gefahrenabwägung, so Schmidt, ohne ausreichende Sicherheit wollen er und Partner Alexander Dieterle die kommende Saison ab Oktober lieber um ein Jahr verschieben und „das Gloria ein Jahr in einen Dornröschenschlaf versetzen“. Das sei beim derzeitigen Stand eine sehr wahrscheinliche Option, vermutet der Intendant. Die Gloria-Verantwortlichen planen mit beiden Möglichkeiten. Falls Großveranstaltungen wieder stattfinden dürften, sei die Akzeptanz in der Bevölkerung anfänglich vielleicht noch zurückhaltend, schätzt Schmidt, denn viele seien angesichts der Seuche verängstigt und mieden größere Veranstaltungen von sich aus. Hinzu komme natürlich auch ein mehrmonatiger Vorlauf für den Kartenverkauf. Das alles spreche neben reinen gesetzlichen Bestimmungen für eine Verschiebung, so Schmidt. Falls das tatsächlich eintrete, behielten die bereits gekauften Tickets natürlich ihre Gültigkeit, fügt Schmidt hinzu, auch Umtausch in Gutscheine sei kein Problem.

Der Brückenerlebnismarkt bei den Kulturtagen in Laufenburg – geht nicht in Coronazeiten.
Der Brückenerlebnismarkt bei den Kulturtagen in Laufenburg – geht nicht in Coronazeiten.

Kulturtage Laufenburg

Die 21. Auflage der Kulturtage „Fliessende Grenzen“ wird um ein Jahr verschoben. Vom 31. Juli bis 16. August hätten Musiker, Kabarettisten und bildende Künstler bei einem Dutzend Veranstaltungen im badischen und im aargauischen Laufenburg auftreten sollen. Mit jeweils bis zu 300 Besuchern rechneten die Organisatoren. Daraus wird nun erst einmal nichts. „Die Gesundheit geht eindeutig vor“, sagt Renata Vogt vom Grenzüberschreitenden Kulturausschuss, dem jeweils je fünf Laufenburger aus der Schweiz und Deutschland angehören.
Weil in Baden-Württemberg und im Aargau unterschiedliche Schutzbestimmungen gegen die Pandemie gelten, standen die Veranstalter des grenzüberschreitenden Kulturfestivals vor besonders vielen Unwägbarkeiten. Noch wisse zudem keiner, wie lange die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz noch geschlossen bleibe, so Vogt. Auch sei zu befürchten gewesen, dass Künstler aus Italien vor ihrem Auftritt in eine zweiwöchige Quarantäne müssten. In Absprache mit Bürgermeister Ulrich Krieger und Stadtammann Herbert Weiss habe sich der Kulturausschuss deshalb entschieden, die Kulturtage nicht wie geplant abzuhalten.

Das Verbandsmusikfest zum 100-jährigen Bestehen des Blasmusikverbands Hochrhein steht auf der Kippe. Ursprünglich sollte es Ende Juni gemeinsam mit dem Musikverein Öflingen gefeiert werden, der in diesem Jahr 125 Jahre alt wird. Eine offizielle Absage ist zwar noch nicht erfolgt, da bei einigen Programmpunkte über 1000 Zuschauer erwartet werden, ist schon jetzt absehbar, dass die Veranstaltungen abgesagt werden müssen.

Veranstaltungen in Wehr: In Wehr sind zwar noch keine Großveranstaltungen definitiv abgesagt – Kulturamtsleiter Frank Johannes Wölfl rechnet aber damit, dass Publikumsmagneten wie das Stadtfest „Sommer in Wehr„ Anfang Juli, der verkaufoffene Sonntag und Naturparkmarkt Ende Mai nicht stattfinden werden. Auch der Lothar-Späth-Förderpreis, für den die Künstler mit geistiger Behinderung aus ganz Deutschland anreisen müssten, werde wahrscheinlich nicht stattfinden können. „Wir fahren auf Sicht und richten uns nach den Vorgaben von Land und Bund“, erklärt Wölfl. Man könne jetzt noch nicht absehen, wie sich die Situation im Laufe des Sommers entwickle. Gerade für Außenveranstaltungen gibt es nach Wölfls Ansicht noch keine konkreten Vorgaben von der Bundesregierung. Eine weitere Herausforderung sei, dass sich Sponsoren zurückziehen: „Es gibt Firmen aus der Region haben die 200 Euro Sponsoring für das Burgmusikfestival jetzt nicht mehr übrig“, so Wölfl.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.