Der Streit um die Ansiedlung von Confiserie Mutter auf dem neuen Gewerbegebiet Gettnauer Boden geht jetzt in die entscheidende Phase. Am kommenden Montag, 16. Mai, will der Gemeinderat über das weitere Vorgehen im Bebauungsplanverfahren entscheiden. Da wird es auch darum gehen, ob der Ansiedlung Hürden in den Weg gelegt werden.

Die CDU im Gemeinderat hat sich bekanntlich gegen das Projekt in seiner vorliegenden Form ausgesprochen. Doch wie sieht diese eigentlich aus?

Im Vorfeld der Sitzung stellt der SÜDKURIER die Pläne des Obersäckinger Pralinenherstellers vor. Bei der Visualisierung handelt sich dabei ausdrücklich um den ersten Grobentwurf, der – sollte das Unternehmen mit der Stadt einig werden – architektonisch ausgearbeitet und verfeinert wird.

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Confiserie Mutter drängt zur Eile

„Wir haben auf eine Entscheidung im Mai gedrängt“, sagt Rafael Mutter im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sein Unternehmen müsse nun endlich die Weichen für die weitere Zukunft stellen. Und er ist nach wie vor überzeugt, dass seine Pläne im Einklang mit den Zielen der Stadt Bad Säckingen sind.

Mutter: „Wir planen in der Gettnau doch kein Shopping-Center“. Um das in der Öffentlichkeit klar zu machen, stellt Rafael Mutter seine Pläne nun vor.

Die erste Grobentwurf für den Neubau der Confserie Mutter: rechts das Lager mit der Anlieferzone, links das Gebäude mit der gläsernen ...
Die erste Grobentwurf für den Neubau der Confserie Mutter: rechts das Lager mit der Anlieferzone, links das Gebäude mit der gläsernen Produktion. | Bild: Steller, Jessica

Er habe stets betont, dass der Schwerpunkt auf der Produktion liege. 90 Prozent der Nutzfläche werde dafür genutzt. Confiserie Mutter ist einer er führend Hersteller von Krokant und Karamell und liefert international. „Unser Hauptabsatzgebiet ist schon Europa“, berichtet Mutter, aber er liefere vereinzelt auch nach Asien.

Genau dieses Geschäftsfeld könne er trotz Bedarf aber nicht ausbauen, solange die Firma räumlich nicht expandieren kann. „Sie sehen ja selbst, wie beengt wir hier arbeiten müssen“. Prozesse seien aufs Äußerste gestrafft, so Mutter, mehr Spielraum sei hier nicht mehr drin.

Wo soll der neue Standort hin?

„Wir möchten gerne in Bad Säckingen blieben“, macht Mutter deutlich, dazu brauche er aber ein erwerbbares Grundstück. Im neuen Gewerbegebiet stellt er sich einen Grundstücksstreifen entlang der B518/Fricktalstraße vor, vom Kreisel Richtung B34.

Bild: Kerstan, Stefanie

Sein grobes Konzept, wie er sagt, sieht zwei Gebäude vor, die miteinander verbunden sind – das größere sieben Meter hoch, zweigeschossig, das Nebengebäude ebenso hoch, aber als Lager mit An- und Auslieferungsbereich nur eingeschossig. In diesem Nebengebäude ließe sich im Bedarfsfall die Nutzfläche durch Einziehen einer Zwischendecke verdoppeln.

So groß sollen die Gebäude werden

Unterm Strich rechnet Rafael Mutter mit einer Gesamtnutzfläche in beiden Gebäude von bis zu 2000 Quadratmeter. Im Hauptgebäude will er die eigentlichen Herstellungsprozesse für Krokant und Pralinen im Erdgeschoss als gläserne Produktion konzentrieren. Auf der Gebäudeseite zur Fricktalstraße hin befindet sich der strittige Teil für Verkauf und Ausschank. Es handelt sich um einen Streifen, der von der Produktion mit einer Glaswand abgetrennt ist, sodass Besucher die Herstellung verfolgen können. Genau hier steckt der Hase im Pfeffer: Denn die CDU hat sich als Gemeinderatsfraktion positioniert und will keinerlei weitere Verkauf- und Gastronomieflächen außerhalb der Innenstadt dulden.

Mutter: Bin keine Konkurrenz für die Innenstadt

Rafael Mutter sieht in Verkauf und Ausschank lediglich ein Beiwerk, das für die Innenstadt keinen Schaden erzeuge. Für den Bereich Verkauf und Ausstellung plane er eine Fläche von rund 100 Quadratmetern, für den Gastrobereich ebenfalls, so Mutter. Darin sieht er keine Konkurrenz zur Innenstadt.

Die Kleingärten müssen weichen, wenn hier das neue Gewerbegebietb kommt.
Die Kleingärten müssen weichen, wenn hier das neue Gewerbegebietb kommt. | Bild: Bernhard Widmann

Im Gegenteil, könne die gläserne Produktion von Pralinen durchaus auch ein touristisches Angebot werden. Nach eigenen Worten hätten schon mehrfach Busreisefirmen bei ihm angefragt, ob er so etwas anbiete.

Atrium-Dachterrasse für die Belegschaft

Das Obergeschoss des Hauptgebäudes soll nach dem Konzept die Verwaltung beherbergen sowie Sozialräume für die Belegschaft, Sanitärräume, den Seminarbereich und Lager. Das Obergeschoss plant Mutter nicht über die gesamte Grundfläche, sondern mit einer Atrium-Dachterrasse in der Mitte für Ruhepausen der Mitarbeiter.

„Wir wollen künftig weiter organisch wachsen“, sagt Mutter, und zwar am liebsten am Standort Bad Säckingen. In Obersäckingen sei das nicht mehr drin. Sein Hauptgeschäft sei nicht der Einzelverkauf, sondern laufe „Business to Business“, berichtet Mutter, also die Belieferung anderer Firmen mit seinem hochwertigen Krokant und Karamell, die diese Produkte weiterveredeln.

Belegschaft soll mit der Erweiterung wachsen

Derzeit beschäftigte er in Obersäckingen 28 Mitarbeiter, in Freiburg 14. Die Belegschaft in Bad Säckingen will er schon im ersten Jahr nach einem Neubau um 15 Personen auf 43 erhöhen. Auf dem Firmengelände sind am Lagergebäude zwei Lkw-Terminals vorgesehen, drei Busparkplätze sowie 50 Pkw-Plätze für Belegschaft und Gäste.

Derzeit produziert Confiserie Mutter 80 bis 100 Tonnen Krokant im Jahr. Weitere Anfragen müsse er aktuell ablehnen. „Der Kunde hat da schon mal Verständnis“, so Mutter, „aber eben nicht ewig.“ Deshalb müsse es für ihn jetzt einen Schritt weitergehen. Er sei in Gesprächen mit der Stadt durchaus kompromissfähig – „aber es gibt da auch klare Grenzen.“

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