Michael Gottstein

Nach fast drei Jahren erzwungener Bühnenabstinenz hat sich der Musikverein Wallbach zurückgemeldet: Unter Leitung von Andreas Weber gab die 32-köpfige Kapelle zusammen mit Gastmusikern ein Jahreskonzert in der gut besuchten Flößerhalle. Ein Eintrittsgeld wurde nicht erhoben, weil sich die Kapelle bei den Zuhörern für deren Treue während der schwierigen Corona-Zeit bedanken wollte, aber dafür stand am Eingang ein „Füll-Horn“ bereit.

Normalerweise eröffnet die Jugendkapelle das Jahreskonzert, doch dieses Mal waren die jungen Spieler bereits in das Aktiven-Orchester integriert. Wie der Vorsitzende Michael Roth berichtete, begann in diesem Jahr ein neuer Ausbildungskurs, so dass die Zöglinge beim nächsten Mal ein eigenes Vorspiel bekommen werden. Mit dem „Irischen Segen“ setzte die Kapelle einen lyrischen, von dem verschleierten Klang der Hörner bestimmten Auftakt. Wesentlich temperamentvoller ging es in „Gospel John“ von Jeff Steinberg zu. „Man meint, einen Prediger auf der Bühne zu sehen“, so der Moderator Philipp Brunner. Mit einem signalartigen Trompetenton begann das rhythmisch markante und schwungvolle Stück, das die Atmosphäre amerikanischer Gottesdienste in die Flößerhalle brachte.

Schöne Soli, etwa von den Saxophonen und den Trompeten, bereicherten den musikalischen Tribut an die Sängerin Whitney Houston. Buntscheckig wie ein Latte Macchiato war das gleichnamige Stück von Naoya Wada – diverse Themen unterschiedlichen Charakters vereinigten sich zu einer harmonisch „schmeckenden“ Gesamtkomposition. In die USA der 1920er Jahre und damit in die große Zeit des Jazz entführte „Jitterbug“ von Robert Buckley. Vielfältige Farben, darunter der Sound von gestopften Trompeten, ausgelassene und spielfreudige Passagen, mitreißende Rhythmen und ein glanzvoller Forte-Abschluss prägten das Werk.

Der Musikverein Wallbach gab am Samstag unter Leitung von Andreas Weber sein Jahreskonzert in der Flößerhalle.
Der Musikverein Wallbach gab am Samstag unter Leitung von Andreas Weber sein Jahreskonzert in der Flößerhalle. | Bild: Michael Gottstein

Das tänzerische Stück „Copacabana“ von 1978 leitete den zweiten Teil ein. Nach einer Auswahl von „The Greatest Showman“, in dem sich heitere, melancholische und lyrische Passagen mischten, steuerte die Kapelle mit „Glenn Miller in Concert“ einen weiteren Höhepunkt an. Mit Klassikern wie „In the mood“ oder „Pennsylvania 6-5000“ erweckte die Kapelle – auch in der Bearbeitung für Blasorchester – den speziellen „Spirit“ der Swing-Bands zum Leben. Zum Abschluss hatte der Verein die Musik aus dem Film „Das Leben des Brian“ ausgewählt. „Always looking on the bright side of life“ war eine Aufforderung, das Leben nicht ganz so schwer zu nehmen, und diese Haltung half sicher, die Lockdown-Phasen zu überstehen. Zwei Zugaben, darunter eine traditionelle Polka, rundeten das Konzert ab.

Marina Nesselhauf wurde für 25 Jahre aktiver Blasmusik geehrt. Mit im Bild sind die Vorsitzenden Philipp Brunner (links) und Michael Roth.
Marina Nesselhauf wurde für 25 Jahre aktiver Blasmusik geehrt. Mit im Bild sind die Vorsitzenden Philipp Brunner (links) und Michael Roth. | Bild: Michael Gottstein

Für 25 Jahre aktives Musizieren erhielt Marina Nesselhauf die silberne Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände. Die Saxophonspielerin wurde im Musikverein Oberhof ausgebildet und trat 2020 der Wallbacher Kapelle bei. Ihr zu Ehren erklang das Badnerlied.