Es ist Wochenende und man schneidet sich in den Finger. Ein Pflästerchen reicht nicht mehr aus, aber der Hausarzt hat zu. Wo gibt es Hilfe? Der erste Gedanke, der da wahrscheinlich kommt, ist in ein Krankenhaus zu gehen. Da das Spital in Bad Säckingen seit Dezember 2017 geschlossen hat, gehen viele in die umliegenden Spitäler wie nach Waldshut.

Die Krankenhausambulanzen sind dann an Wochenenden meist überlastet. Denn sie sind für kleinere Verletzungen oft auch nicht der richtige Ort. Für solche Fälle haben die Hausärzte einen Notdienst. Dieser hausärztliche Wochenend- und Feiertagsdienst tut nach wie vor auch im Bad Säckinger Spital seinen Dienst. Das wissen aber offenbar nicht alle Hilfesuchenden. Denn seit der Schließung des Spitals haben die Patientenzahlen beim Hausarztnotdienst deutlich nachgelassen. Wie der Laufenburger Allgemeinmediziner und Leiter des ärztlichen Notdienstes, Olaf Boettcher, unserer Zeitung berichtet, kamen vor der Spitalschließung an einem Wochenendtag noch 40 bis 50 Patienten zum Hausarztnotdienst im Bad Säckinger Krankenhaus. Nun seien die Zahlen jedoch um rund 20 Prozent gesunken, so Boettcher.

Er vermutet, dass viele Patienten auf Nummer sicher gehen und direkt ein Krankenhaus ansteuern – dies auch bei Fällen, die eigentlich der Hausarzt-Notdienst behandeln könnte. Auch Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) ist der Meinung, dass nun diese Patienten nach der Krankenhausschließung wegfielen, da sie früher einfach an den ärztlichen Notdienst weitergeleitet werden konnten.

Der Laufenburger Arzt weiß, dass die Unterscheidung der einzelnen Notfalleinrichtungen und daher die richtige Zuordnung für die Bürger nicht immer einfach ist. Beispielsweise sei bei kleineren Schnittverletzungen oder Fieber der hausärztliche Notdienst zuständig. Dieser wird von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), also den niedergelassenen Ärzten eines Landkreises organisiert. Neben diesem Notfalldienst der Hausärzte gibt es die Krankenhausambulanz. Sie ist laut Boettcher für schwerere Verletzungen wie etwa Knochenbrüche zuständig, bei denen eine hausärztliche Behandlung nicht mehr ausreicht.

Der Allgemeinmediziner und Leiter des hausärztlichen Bereitschaftsdienstes Olaf Boettcher vor dem Eingang des hausärztlichen Notdienstes im früheren Spital Bad Säckingen.
Der Allgemeinmediziner und Leiter des hausärztlichen Bereitschaftsdienstes Olaf Boettcher vor dem Eingang des hausärztlichen Notdienstes im früheren Spital Bad Säckingen. | Bild: Katharina Reeb

Daneben gibt es auch noch den Rettungsdienst, der landläufig ebenfalls oft als Notfalldienst bezeichnet wird. Es handelt sich hier aber um den Rot-Kreuz-Rettungsdienst (112), der schwere oder lebensbedrohliche Symptome direkt vor Ort behandelt.

Der hausärztliche Notdienst, resümiert Olaf Boettcher, ist für Fälle gedacht, mit denen man werktags einen Hausarzt aufsuchen würde. Natürlich sei es logischer und praktischer gewesen ein Krankenhaus im Hintergrund zu haben. Patienten die eine Überweisung bekamen, hätten es bequemer gehabt, da sie dann schon vor Ort waren, so Boettcher. Er sagt: „Wir gehen davon aus, dass es mit dem geplanten Gesundheitscampus eine entsprechende Erleichterung geben würde.“

Woher soll man aber wissen, welcher Dienst der passende ist? Das Personal der kostenlosen Rufnummer des ärztlichen Notdienstes 116 117 könne dies laut eigener Aussage auf ihrer Website dank medizinischer Schulung beurteilen. Bei Unsicherheit genüge also ein Anruf. Neben dem sogenannten ‚Sitzdienst’, also der hausärztlichen Bereitschaftspraxis im Spital, gibt es auch den ‚Fahrdienst’. Dieser ist für Patienten zuständig, die nicht mehr mobil sind. Die Vorgabe der KV jedoch, dass jeder Patient innerhalb von 30 Autominuten eine Bereitschaftspraxis erreichen soll, sei bei Orten wie Herrischried ein unlösbares Problem, so Boettcher. Er sagt: „Diese Hilfsfristen sind in manchen Bereichen definitiv nicht einzuhalten.“

Niedergelassene Ärzte haben teilweise die Möglichkeit, sich von dem Bereitschaftsdienst befreien zu lassen. Der Fahrdienst könne, wenn dies von den Ärzten gewünscht sei, vom KV übernommen werden, so Sonntag. Bei der Beteiligung an dem Sitzdienst bestünde jedoch keine Wahl. Er betont: „Alle niedergelassenen Ärzte müssen sich beteiligen.“ Lediglich die Augenärzte und Kinderärzte nicht, da diese ihren eigenen Notfalldienst besäßen.

Wochenendnotdienst der Hausärzte

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist deutschlandweit, außerhalb der regulären Öffnungszeiten von Arztpraxen, kostenlos unter der Rufnummer 116 117 erreichbar.

Das Personal teilt den Standort der nächstgelegenen Bereitschaftspraxis mit oder verbindet direkt mit dem zuständigen Arzt. Der Allgemeinmediziner Johannes Romacker aus Görwihl erklärt auf seiner Website: "Sie konsultieren den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn Sie nachts oder am Wochenende gesundheitliche Beschwerden haben, wegen der Sie normalerweise eine Arztpraxis aufsuchen würden, die Behandlung aber nicht bis zum nächsten (Werk-)Tag warten kann." Fälle für den Bereitschaftsdienst sind laut kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV): Erkältung mit Fieber höher als 39 Grad, anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitszunahme, starke Hals- oder Ohrenschmerzen, akute Harnwegsinfekte, kleinere Schnittverletzung, bei denen ein Pflaster nicht mehr reicht, akute Rückenschmerzen und akute Bauschmerzen.

Dr. Hans-Peter Schlaudt
Dr. Hans-Peter Schlaudt | Bild: Coordes, Dana

Hausarztnotdienst Bad Säckingen: Die Adresse der hausärztlichen Bereitschaftspraxis in Bad Säckingen lautet Meisenhartweg 14, im ehemaligen Spital. Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und an Feiertagen 9 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr. Der Fahrdienst ist laut Boettcher nachts unter der Woche von 18 bis 8 Uhr, sowie an Wochenenden und Feiertagen 24 Stunden aktiv.

Krankenhausambulanz: Sie ist laut KBV für schwerere Verletzungen zuständig, die nicht mehr von einem Hausarzt behandelt werden können und bei denen die Infrastruktur eines Krankenhauses nötig ist, also zum Beispiel für Knochenbrüche, Verbrennungen oder Schnitt- und Platzwunden.

Rettungsdienst: Er wird bei allen lebensbedrohlichen Symptomen mit der Rufnummer 112 gerufen und behandelt schon vor Ort, so die KBV. Fälle seien zum Beispiel: "Bewusstlosigkeit, starke Blutungen, starke Herzbeschwerden, schwere Atemnot, Komplikationen in der Schwangerschaft oder Vergiftungen."

Die Aufgabe des Rettungsdienstes besteht laut Rettungsdienst-Gesetz (RDG) darin, Maßnahmen einzuleiten die den Patienten am Leben erhalten oder gesundheitliche Schäden vermeiden und auf schnellstem und sicherstem Weg in das nächste Krankenhaus zu bringen.