Verena Wehrle

Seit sie ein kleines Mädchen war, ist Irina Schulze aus Bergalingen fasziniert von Katzen. Das Herzblut für die Samtpfoten fließt in die tägliche Arbeit der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Bad Säckingen ein. Der Verein betreibt derzeit das Katzenhaus im Wehrer Ortsteil Öflingen. Und dieses ist mit 60 kleinen und großen Katzen aktuell ausgebucht. Für weitere Katzen ist hier aktuell kein Platz mehr. „Wir sind jetzt voll wie nie, denn im Mai und Juni ist die Zeit, wo viele Katzen geboren werden“, sagt Schulze. Und das hat natürlich Folgen.

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„Wir müssen jetzt zu oft Nein sagen, wenn jemand ein Tier bringt“, sagt die Katzenliebhaberin. Jedes Zimmer im Haus ist voll mit kleinen und großen lebhaften Stubentigern. Manche von ihnen laufen frei im Haus herum, andere wiederum leben mit Artgenossen in einen Raum. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen kümmert sich Schulze hier täglich um die Tiere. Vor- und nachmittags ist jeweils drei Stunden jemand vom Verein im Katzenhaus tätig. Schulze selbst beschäftigt sich sechs Stunden am Tag mit Katzen, sie hat zuhause in ihrem Hof in Bergalingen selbst noch 15 eigene.

Bei der Recherche zum Artikel will ein Kätzchen am liebsten mitschreiben.
Bei der Recherche zum Artikel will ein Kätzchen am liebsten mitschreiben. | Bild: Verena Wehrle

Traum nach eigenem Tierheim

Nachdem das Katzenhaus bei der Kläranlage Bad Säckingen 2015 abgerissen wurde, brachten alle Leute die Fundkatzen in die Tierarztpraxis von Stephan und Irina Schulze nach Bad Säckingen. Doch hier wurde es bald zu eng. Daraufhin wurde der ruhende Tierschutzverein Bad Säckingen 2016 unter dem Vorsitz von Irina Schulze wiederbelebt und Brennt-Chef Stephan Denk stellte dem Verein vorübergehend ein Haus für die Unterbringung der Fundkatzen zur Verfügung. „Es ist wahnsinnig toll, was Herr Denk uns hier mit dem Katzenhaus ermöglicht hat, aber es muss was Eigenes her“, sagt Schulze. Schließlich sei die derzeitige Lösung nur eine vorübergehende. Nachdem der Gemeinderat der Stadt Bad Säckingen im Februar 2018 dagegen stimmte, ein Tierheim finanziell zu unterstützen, will Schulze dieses Vorhaben nun privat auf die Beine stellen – mit Hilfe von Sponsoren.

Leckeres Futter gibt es für die Katzen im Katzenhaus Öflingen.
Leckeres Futter gibt es für die Katzen im Katzenhaus Öflingen. | Bild: Verena Wehrle

Die drei „Flaschenkinder“ von Irina Schulze klettern ihr über die Schulter. Das sind Welpen, die sie nach der Geburt wochenlang mit der Flasche aufgezogen und alle zwei Stunden gefüttert hat. Auch nachts. Die Kleinen sind noch sehr verspielt. Im Welpenzimmer wird meistens getobt, zwischendurch mal eine Runde geschlafen und fressen muss natürlich auch sein. Im Alter von drei Wochen waren die Katzenjungen schon stubenrein.

Viele Katzen sind nicht kastriert

Die Welpen, die jetzt im Katzenhaus leben, kommen aus Scheunen, Holzbiegen oder Hecken. Schulze hält ein Katzenjunges in der Hand, dessen Mutter überfahren wurde. In schlechtem, abgemagerten Zustand werden die Tiere meist im Haus abgegeben. Die Mehrzahl von ihnen sind nicht kastriert. Und genau das sei das große Problem, das vor allem bei Tieren von Bauernhöfen bestehe. „Katzen vermehren sich rasend, hat ein Hof heute fünf Katzen, sind es im nächsten Jahr schon 50 und dann kommen wir ins Spiel“, so Schulze. Die Bauern aus den kleinen Ortschaften geben laut Schulze dann die Tiere dem Verein. Vorurteile seien der Grund, warum Katzen nicht kastriert würden. „Man ist oft der Meinung, die Katze würde dann keine Mäuse mehr fangen oder, dass Katzenmütter nur einmal Nachwuchs bekänmen Mutter, doch das ist alles Quatsch“, so Schulze.

Kleine Rangkämpfe gehören auch bei kleinen Kätzchen zum Tagesprogramm.
Kleine Rangkämpfe gehören auch bei kleinen Kätzchen zum Tagesprogramm. | Bild: Verena Wehrle

Manchen Tieren kann der Verein nicht mehr helfen

Der Tierschutzverein Bad Säckingen hat laut Irina Schulze ein Einzugsgebiet von Wehr bis nach Klettgau. Bald kommt noch Schopfheim dazu. Fundtiere sind jene, die zum Beispiel bei einem Umzug zurückgelassen werden. Immer mehr werde es zum Problem, dass Haustiere in Mietwohnungen nicht erlaubt seien, so Schulze. Abgegeben werden Tiere, weil die Lebensumstände der Besitzer sich ändern: Schwangerschaft, Todesfall oder Allergien seien Gründe. Die Katzen werden zuerst in der Praxis der Schulzes versorgt und kommen dann ins Katzenhaus.

Irina Schulze hat schon viele schlimme Katzenschicksale erlebt, allein im Jahr 2018 waren es 300. Eine Katze wurde zum Beispiel in Rickenbach gefunden, die vier Tage am Straßenrand lag und schließlich im Katzenhaus verstarb. „Manchmal kommen die Tiere in einem so schlechten Zustand zu uns, dass wir nicht mehr helfen können“, sagt Schulze. Wilde Katzen, also ältere Katzen, die schon länger herumstreunen und sich nicht anfassen lassen, werden übrigens auch vom Verein versorgt. Sie werden aber anschließend wieder an den Ort zurückgebracht, an dem sie eingefangen wurden, wenn sicher ist, dass sich dort jemand um sie kümmert.

Noch sehr verspielt sind die Katzenjungen im Katzenhaus Öflingen.
Noch sehr verspielt sind die Katzenjungen im Katzenhaus Öflingen. | Bild: Verena Wehrle

Vermittlung läuft gut

Genügend Platz für weitere Fundkatzen wird es im Katzenhaus erst wieder geben, wenn aktuelle „Bewohner“ vermittelt werden. Die Vermittlung läuft laut Schulze aber sehr gut. Vor allem die süßen kleinen Kätzchen seien sehr beliebt und perfekt für Familien. Aber auch die Großen haben gute Chancen auf ein neues Zuhause. Doch Schulze und ihr Team schauen ganz genau hin, wo ihre Schützlinge hin kommen. Nur kastriert, geimpft, gechipt und registriert gehen sie an den neuen Besitzer. Kleine Katzen werden nur zu zweit abgegeben, denn hingegen aller Gerüchte seien Katzen keine Einzelgänger. „Nichts kann einen Katzenkumpel ersetzen“, sagt Schulze. Pro Tier wird eine Schutzgebühr von 50 Euro verlangt, um die Unkosten zu decken.

Diese Unkosten sind hoch und die Vereinskasse begrenzt. Um die Katzenhilfe aufrecht zu erhalten, braucht der Verein also immer wieder Futter-, Geld- und Sachspenden. Auch weitere Ehrenamtliche sucht der Verein.

Schulze sagt: „Die Freude an der Arbeit überwiegt, aber oft ist es auch frustrierend. Es kommt mir so vor, als sei dies alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn immer wieder kommen neue schlimme Katzenschicksale.“

Eine Spendenbox steht vor dem Katzenhaus in der Kressmatt 10 in Wehr-Öflingen. Hier darf alles für die Katze rein wie etwa Futter, ...
Eine Spendenbox steht vor dem Katzenhaus in der Kressmatt 10 in Wehr-Öflingen. Hier darf alles für die Katze rein wie etwa Futter, Spielzeug oder Kratzbäume. | Bild: Verena Wehrle

Das Katzenhaus braucht Hilfe

Für Fundtiere sind grundsätzlich die jeweiligen Städte und Gemeinden zuständig. Doch sind sie dabei auf die Arbeit der Tierschutzvereine angewiesen. Wie der Tierschutzverein Bad Säckingen aktuell unterstützt wird und welche Hilfen er noch braucht:

  • Die Stadt Bad Säckingen hat eine Vereinbarung mit dem Verein getroffen. Demnach zahlt sie für jede Fundkatze aus Bad Säckingen die medizinische Versorgung sowie für die Unterbringung einen Tagessatz von acht Euro in den ersten vier Wochen und von vier Euro danach. Dies gilt pro Katze maximal für ein halbes Jahr und nur für zahme Fundkatzen, die keinen aktuellen Besitzer haben oder deren Besitzer nicht klar ist. Wilde Katzen sind ausgenommen. Wird der Eigentümer ausfindig gemacht, muss er die Kosten der Stadt wieder zurückerstatten. Für diesen Kostenersatz für Fundtiere hat die Stadt laut Rechnungsamtsleiterin Bettina Huber 25 000 Euro in den Haushalt 2019 eingeplant. Gebraucht wird davon aber nur ein Bruchteil, 2018 wurden rund 5 000 Euro an den Verein ausgezahlt. Darüber hinaus gibt es von der Stadt einen jährlichen Vereinszuschuss in Höhe von 1 300 Euro.
  • Die Gemeinde Murg bezahlt ebenfalls die medizinische Versorgung und die oben genannten Tagessätze für die dort gefundenen Katzen. Mit den weiteren Gemeinden aus dem Einzugsgebiet des Tierschutzvereins von Schopfheim bis Klettgau stehen laut Irina Schulze noch Verhandlungen aus.
  • Futterboxen des Vereins stehen in den Filialen von Fressnapf in Laufenburg und Bad Säckingen. Eine Spendenbox steht vor der Haustür des Katzenhauses in der Kressmatt 10 in Wehr-Öflingen. Auch finanzielle Spenden sind erwünscht, etwa um den Außenbereich des Katzenhauses neu zu gestalten.
  • Ehrenamtliche werden dringend gesucht.
  • Weitere Infos zum Verein und seiner Arbeit sowie zu den Katzen gibt es auf www.tierschutz-badsaeckingen.de