Herr Förster, Herr Baumgartner, welche Rolle bei der Gründung des Fördervereins, spielte die Abschaffung der Feuerwehrabgaben, die 1995 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für rechtswidrig erklärt worden sind.

Tobias Förster: Die Abschaffung der Feuerwehrabgaben war bereits Jahre zuvor, bevor sich der Förderverein gegründet hat. Die ersten Gedanken, tatsächlich Spenden einzusammeln, gab es 1996, wo es darum ging, neue Schutzjacken für alle Kameraden anzuschaffen, weil die alten Jacken die Standards nicht mehr erfüllt hatten. Die alten Jacken waren brennbar und mit Plastik versehen, dass sich bei gewisser Hitzeeinwirkung sogar in die Haut des Kameraden eingebrannt hat. Und damals war einfach nicht genügend Geld in der Stadtkasse. Es kamen tatsächlich genügend Spenden zusammen und die Schutzjacken konnten angeschafft werden. Das war der erste Gedanke, die Bevölkerung freiwillig an der Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr teilhaben zu lassen. Später war es dann einfach so, dass man gemerkt hat, dass die Ausstattung der Feuerwehr, nach der Norm zwar sehr gut ist, wir uns aber noch besser ausstatten könnten. Was die Norm eben nicht vorsieht, aber der Sicherheit sowohl der Feuerwehrkameraden dient, aber auch den Betroffenen der Schadensfälle. Und so ist dann die Idee zur Gründung eines Fördervereins entstanden.

Bernhard Baumgartner: Die Abschaffung der Feuerwehrabgaben war aber trotzdem ein Aspekt. Denn wir mussten uns Gedanken darüber machen, wie wieder Geld reinkommt.

Was genau ist der Zweck eines Fördervereins für die Feuerwehr?

Tobias Förster: Es geht ausschließlich um die Anschaffungen. Die Gründung des Vereins war zu keiner Zeit dazu gedacht, irgendwelche, kameradschaftlichen oder sonstige Zwecke zu fördern, sondern es ging immer nur um die Einsatzfähigkeit und Sicherheit der Kameraden. Und um Einsatzmittel, die der Bevölkerung oder den Betroffenen nutzen.

Wann genau ist dann der Förderverein gegründet worden?

Tobias Förster: Das mit den Jacken war 1996. Danach hat man begonnen sich über Satzungen Gedanken zu machen. 1999 war dann das Gründungsjahr.

Ich kann mich erinnern, dass bei der Gründung ausschließlich aktive Kameraden mit dabei waren. Wie und wann kann sich die Bevölkerung einbringen?

Bernhard Baumgartner: Die aktiven Feuerwehrkameraden sind kraft Amtes aktive Mitglieder des Fördervereins, zahlen aber keine Beiträge. Die Bevölkerung kann nur als passives Mitglied dem Verein beitreten und zahlt 15 Euro im Jahr. Somit bringt die Summe der Mitglieder den Gewinn und jeder Bürger ist dazu eingeladen, die Feuerwehr mit seinem Jahresbeitrag zu unterstützen. Auf der Homepage der Feuerwehr www.fwbs.de gibt es einen ein Link zum Förderverein, von wo man aus direkt in den Kontakt treten oder sich anmelden kann. Wir sind außerdem immer draußen und machen aktiv Werbung für den Förderverein.

Aber allein aus den Mitgliedsbeiträgen können die Anschaffungen ja nicht getätigt werden.

Bernhard Baumgartner: Zu den Mitgliedsbeiträgen ist der Verein auch auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Geranienmarkt vertreten, wo ebenfalls Geld in die Kasse fließt. Wir erhalten auch immer wieder Spenden aus der Bevölkerung, unter anderem von Menschen, denen geholfen worden ist. Und wir möchten betonen, dass das eingenommene Geld ausschließlich für Anschaffungen genutzt wird.

Was zum Beispiel hat der Verein bereits für die Feuerwehr in den vergangenen Jahren angeschafft?

Tobias Förster: Wir haben festgestellt, dass immer öfter die Rettung von Menschenleben im Mittelpunkt steht. Sei es bei Türöffnungen oder auf der Straße. Und weil dem so ist, hat es der Förderverein durch seinen großzügigen Geldbeitrag ermöglicht, dass wir alle Abteilungen der Bad Säckinger Wehr mit einem Ersthelfer-Defibrillator ausstatten konnten. Gleichzeitig haben wir auch 18 Kameraden zu Feuerwehr-Sanitätern ausbilden lassen. Und ich muss sagen, davon machen wir inzwischen regelmäßig Gebrauch. Anlass dafür war übrigens der schwere Unfall auf dem Spitalplatz. Dabei haben wir alle gemerkt, dass man Helfertechnisch schnell an seine Grenzen geraten kann. Auch Material zur technischen Hilfeleistung zum Beispiel bei Verkehrsunfällen, wo Menschen schnell und schonend aus ihrem Fahrzeug befreit werden können, wurden angeschafft. Das sind alles Sachen, die uns und unsere Arbeit unheimlich unterstützen.

Kann sich die Stadt denn keine Feuerwehr mehr leisten?

Tobias Förster: Die Stadt ist verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen und auszurüsten. Und ich möchte betonen, es gibt zu diesem Punkt von uns keinerlei Grund, Kritik zu üben. Wir sind sehr gut ausgestattet von Seiten der Stadt. Aber es ist einfach so, dass zum Beispiel solche Defibrillatoren, nicht zur Grundausrüstung einer Feuerwehr gehören. Natürlich könnten wir die uns aus dem städtischen Budget kaufen, müssten aber auf etwas anderes verzichten oder abwarten, bis wieder städtische Mittel zur Verfügung stehen. Für uns ist der Förderverein eine flexible Möglichkeit, schnell, unbürokratisch und vor allem ohne Vorgaben Materialien anzuschaffen, die sinnvoll sind.

Wie müssen wir uns den Weg vorstellen vom Wunsch einer Anschaffung bis zur Realisierung?

Tobias Förster: Der Feuerwehrausschuss, das oberste Verwaltungsgremium der Feuerwehr, kann die Dinge beim Förderverein anfordern und der Verein überlegt sich dann, ob diese Sachen realisierbar und mit dem Vereinszweck vereinbar sind. Und es geht nicht darum, eine Lücke zu stopfen die die Stadt hinterlässt. Es geht darum, auf einen sehr guten Kuchen noch ein Sahnehäubchen zu setzen.

Zurückblickend auf die vergangenen Jahre: Von welcher Summe sprechen wir, die der Verein bereits in die Arbeit der Feuerwehr investiert hat?

Bernhard Baumgartner: Ich bin jetzt seit sieben Jahren der Vorsitzende des Vereins und in dieser Zeit haben wir bereits 39 000 Euro investiert.

Tobias Förster: Seit meiner fünfjährigen Amtszeit als Stadtkommandant kann ich sagen, dass jedes Jahr 5000 bis 10 000 Euro investiert worden sind. Wir haben größten Respekt vor dem Geld des Vereins.