Noch sitzt der Schock bei den Bad Säckinger Kreisräten tief. Das Spital wird zum 31. Dezember definitiv geschlossen, dafür soll ein Gesundheitscampus entstehen. Für Trauer oder Wut ist deshalb keine Zeit. In der nächsten Kreistagssitzung am 13. Dezember sollen wegweisende Konzepte und Entscheidungen für den Standort Bad Säckingen auf den Tisch kommen. In einem Pressegespräch mit Bürgermeister Alexander Guhl und den Bad Säckinger Kreisräten wurden erste Details erläutert. Allerdings bleiben auch noch viele Fragen offen.

  1. Wie soll der Gesundheitscampus aussehen? Getragen werden soll er von einem Schwerpunkt für Altenmedizin, der sogenannten Geriatrie. Dazu gehören demnach auch eine Innere Abteilung und ein stationärer Bereich. Guhl: "Unsere Minimalforderung war eine stationäre Versorgung. Die sehen wir als erfüllt an." Die Kreisräte stellen sich 40 bis 60 Betten vor. Ein genaues Konzept müsse aber erst erarbeitet werden. Laut den Kreisräten solle der Campus aber dort entstehen, wo aktuell das Spital Bad Säckingen steht. Der Campus soll zudem auch dann weiterbetrieben werden, wenn das geplante Zentralkrankenhaus eröffnet ist. SPD-Kreisrat Ulrich Schoo betont nochmals, dass dies für Bad Säckingen die einzige krankenhausähnliche Anlaufstelle sei.
  2. Was tut sich in Sachen Notfallversorgung? Die Notfallversorgung war ein wiederkehrendes Thema in der Spitaldebatte, mit der sich Bürger und Politiker auch emotional auseinandergesetzt hatten.
    Eine Notfallversorgung, die 24 Stunden am Tag gewährleistet werden kann, soll in dem neuen Konzept berücksichtigt werden. Grünen-Fraktionsvorsitzende Ruth Cremer-Ricken betont allerdings, dass ein Konzept für die Notfallversorgung in der Region noch vor der Schließung des Spital erarbeitet werden muss. "Wir können nicht einfach abwarten was mit der Notfallversorgung nach dem 31. Dezember passieren wird. Es muss jetzt gehandelt werden", so die Rätin.
  3. Was geschieht mit dem Spitalgebäude? Bürgermeister Alexander Guhl plant mit Fachleuten eine Gebäudebegehung, um zu eruieren, ob die Bausubstanz des Spitals weiterhin nutzbar ist, oder ein Abriss und Neuaufbau für den Gesundheitscampus die einfachere und günstigere Lösung darstellt. Dies soll bereits bis zur nächsten Sitzung des Kreisrates klargestellt werden.
  4. Mit welchen Kosten rechnet die Stadt? Die Kreisräte sind sich darüber im Klaren, dass für die neuen Pläne die im Februar bewilligten 12,7 Millionen Euro nicht ausreichen werden. "Die baulichen Maßnahmen werden mehr finanzielle Mittel erfordern", so Guhl. Die Kreisräte schätzen den Aufwand eher auf 20 Millionen Euro. Fred Thelen, Kreisrat der Freien Wähler, äußert sich zu den Finanzen verärgert. "Nachher werden die 12,7 Millionen Euro in Waldshut verbaut, weil wir hier nichts hinkriegen können", befürchtet Thelen. Dies dürfe auf keinen Fall geschehen.
  5. Was geschieht mit dem Spital-Personal? Diese Frage bleibt noch weitestgehend offen.
    Die Kreisräte erklären, dass vor allem das Bad Säckinger Personal der Geriatrie und der Pflege gehalten werden soll. Ein Teil werde nach Waldshut versetzt. Die nächste Kreistagssitzung im Dezember soll hierbei mehr Klarheit schaffen. Bis dahin wollen die Kreisräte auch einen Campus-Manager gefunden haben, der die Entwicklung des neuen Konzepts unterstützt. Guhl betont jedoch, dass diese Suche vom Kreistag übernommen werden wird und nicht von der Spitäler Hochrhein GmbH, in die kein Vertrauen mehr gesetzt wird. "Wir glauben nicht, dass die das hinbekommen", erklärt der Bürgermeister. Auch Personalgewinnung abseits der Führungsebene war ein brisantes Thema, dem Fred Thelen besorgt entgegensieht. Bürgermeister Guhl möchte dieses Problem mit einer familienfreundlicheren Region bekämpfen und etwa die Kinderbetreuung verbessern.
  6. Welche Rolle spielt die Rehaklinik? Die angeschlagene Rehaklinik soll für den Gesundheitscampus eine wichtige Funktion haben, kündigt Guhl an. Die dortigen Patienten sollen in den Campus integriert werden. Die Kreisräte versprechen sich davon einmalige Synergien, die sich langfristig nutzen lassen.
  7. Was sagt das Sozialministerium? Aus Stuttgart gebe es noch keine Reaktion, dafür sei es noch zu früh. Die Kreisräte wollen ihr Vorhaben allerdings umgehend dort anmelden.
  8. Wie schätzen die Kreisräte die Perspektiven ein? Auch wenn die Stimmung noch gedrückt ist, geben sich die Kreisräte optimistisch. Vor allem Guhl wurde für seinen Einsatz um den Standort Bad Säckingen von den Anwesenden gelobt. Die Entscheidung des Kreisrates für den Campus wird als Bekenntnis zum Gesundheitsstandort Bad Säckingen gewertet. Guhl betont, dass die Stadt Bad Säckingen nun in einer Rolle sei, in der sie mitgestalten könne. Dies eröffne klare Perspektiven, die den Bürgermeister optimistisch stimmten. Wichtig sei, dass man zügig zur Umsetzung schreiten könne: "In der Vergangenheit haben wir viel geredet und wenig gehandelt. Das Handeln sollte nun im Vordergrund stehen," meint Guhl abschließend.