Bad Säckingen Wie bei einer Casting-Show

Festspielgemeinde glänzt mit neuer Komödie "Der Impresario" von Carlo Goldoni. Es geht um Intrigen und Eitelkeiten unter Opernstars - gewürzt mit einer Menge Humor.

„Applaus“ signalisiert die Regieanweisung der beiden Nummergirls. Und „Ooh!“ So witzig fängt die neue Komödie „Der Impresario“ im Festspielgemeindehaus an. Der Zuschauer sitzt mitten drin in einer Casting-Show für Opernstars. Da könnte man glatt Dieter Bohlen als Co-Regisseur vermuten!

Nach einigen erfolgreichen Boulevardstücken bringt die Festspielgemeinde Bad Säckingen nun ein weniger bekanntes Lustspiel Carlo Goldonis in einer flotten Neubearbeitung des Autors und Dramaturgen Horst Laube („Finale in Smyrna“) auf die Bühne. Ein Theaterstück, in der das Theater selbst im Vordergrund steht. Es geht um abgehalfterte Opernsänger, um enttäuschte Hoffnungen, Eitelkeiten, Verletzungen, Erniedrigungen, Intrigen und um Engagements, die auf sich warten lassen: eine unterhaltsame Satire aus dem Theatermilieu.

Der reiche türkische Impresario Ali aus Smyrna kommt den arbeitslosen Opernsängern gerade recht. Angeblich will er dort eine Oper gründen und sucht ein Ensemble zusammen. Aber das ist vertraulich; die Gerüchte hat ein lokaler Kunstmäzen gestreut: Graf Lasca. Doch der will sich nur an den „Afterkünstlern“, die die Oper vergewaltigen, rächen.

So jedenfalls stellt sich das Stück im Regiekonzept von Renate Kraus dar. Die Regisseurin hat die Handlung modifiziert. Während sie bei Goldoni traurig sind, dass sie nicht nach Smyrna kommen und am Ende mittellos und ohne Perspektive dastehen, macht Renate Kraus einen raffinierten Kunstgriff. Sie verschiebt den Akzent ihrer gewollt schrägen Inszenierung vom Heiter-Komödiantischen ins Nachdenkliche, Melancholische, Bittersüße und mixt dem noch groteske Züge bei. Doch auch bei ihr gibt es ein versöhnliches Ende, nur anders als bei Goldoni. Und das Finale gerät sogar richtig opernhaft.

Der Schauplatz wurde belassen: ein sparsam möbliertes schäbiges venezianisches Hotel, in dem sich eine ebenso schäbige Realität der Künstler abspielt. Es sind egozentrische Typen, die dick auftragen und sich selber karikieren: der Tenor Carluccio (Detlef Bengs, wie seine Kollegen im papageienhaft neonfarbenen Jackett), der den eitlen Star herauskehrt, in Wirklichkeit abgebrannt ist und auf dem Diwan Wasserpfeife raucht, bis er bekifft umfällt. Pasqualino (Walter Schnabel), der hinter den Frauen her ist und zu viel trinkt und der Librettist Maccario (Helmut Kaltenbach), ein Opportunist, liebedienerisch, katzbuckelnd.

Und da sind natürlich die Diven, eine schriller als die andere. Keine gönnt der anderen die „erste Rolle“. Während die Männer sich eher larmoyant geben, würden sie sich bei ihren Fehden am liebsten die Augen auskratzen: Lucretia, die Dramendame (Brigitte Weissbrodt); die abgesungene, launische Tognina (Rita Schnabel) und die Sopranistin Annina (jung und frech, mit bissigen Sprüchen: Maria Kruse), die von ersten großen Rollen träumt und für ihre Karriere alles macht.

Die drei Primadonnen (in schreiend bunten Outfits) lassen sich nicht zwei Mal bitten und schmeißen sich dem türkischen Möchtegern-Impresario Ali (Günter Kraus in orientalischen Pumphosen) an den Hals – was dieser genießt. Emily Bengs und Nimet Gökcanak (die zur Saz ein türkisches Lied singt) sind die schnippischen Wirtstöchter.

Beherrscht wird die Szene von dem hinkenden Grafen Lasca, auf den die Ins zenierung zugeschnitten ist. Gehrock, Gehstock mit vergoldetem Knauf, Menjou-Bärtchen: Hilde Butz ist in dieser Hosenrolle in ihrem Element. Wie immer, wenn sie eine Rolle verkörpert, ist das sehr gekonnt. Ihre Rollenauffassung erinnert an Prinz Orlofsky in der Fledermaus, die Aussprache mit Akzent und rollendem „R“ an Großkritiker Reich-Ranicki. Chapeau! Oder um mit dem Hinkebein-Grafen zu reden: „Das ist der reine Wahnsinn!“ – Statt Rosen gab's für die Akteure bei der Premiere passend Datteln und Feigen aus Smyrna.

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