Die Phase der Akuthilfe angesichts des großen Zustroms von Flüchtlingen vor einigen Jahren ist abgeschlossen. Nun geht es um langfristige Konzepte und Hilfsmaßnahmen, um die angekommenen Menschen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft zu unterstützen. Das ist Aufgabe der Kommunen, die dafür spezielle Integrationsmanager einsetzen.

Seit 1. Juni 2018 gibt es in Bad Säckingen zwei Integrationsmanager und eine Integrationsmanagerin. Unter der Leitung von Barbara Muser-Heinz arbeiten Rafika Aydogan, Peter Buda und Bülent Beskaya eng mit den Menschen zusammen. Muser-Heinz sagte: „Die drei teilen sich 2,3 Stellen.“ Peter Buda dazu: „Die Stellen waren Anfangs auf zwei Jahre befristet.“ Über die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses ist auch Muser-Heinz erleichtert: „Integration braucht Zeit und Verständnis.“ 

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In drei Einrichtungen in Bad Säckingen sind Flüchtlinge untergebracht. Muser-Heinz erklärte: „Bei den Beratungsgesprächen wird sehr oft der Wunsch nach einer eigenen Wohnung, einem Rückzugsort angesprochen.“ Für Rafika Aydogan ist dies ein zentraler Punkt in der Eingliederung, sie sagte: „Die Unsicherheit, ob sie bleiben dürfen oder nicht, entmutigt die Menschen auch, Deutsch zu lernen.“ Muser-Heinz ist sicher: „Es ist für die Menschen einfacher, wenn sie die Sicherheit durch eine Aufenthaltserlaubnis haben.“

Statistik und Finanzen

Das zweite Thema, das die Menschen beschäftigt, sei die Möglichkeit eine Arbeitsstelle zu finden. „Arbeiten dürfen nur die Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis“, sagt Muser-Heinz. In Bad Säckingen leben laut den Integrationsmanagern 28 Flüchtlinge, die nur eine Duldung haben. Für sie gilt ein Arbeitsverbot. Der Aufenthalt ist ebenso ein Anliegen der Flüchtlinge. Eine Rechtsberatung können die Integrationsberater nicht leisten, Buda sagte: „Dafür sind die Anwälte zuständig.“

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Wenn sich ein Flüchtling entscheidet, das Angebot der Integrationsmanager anzunehmen, unterschreibe dieser einen Integrationsplan. Die Dokumentation erfolge mithilfe des Datenprogramms Jobkraftwerk. Buda erklärte: „Hier werden die Ziele formuliert und wir dokumentieren die Fortschritte.“ Durch den Aufbau von Kontakten kann auch Hilfe von anderer Seite herangezogen werden. „Wir haben uns eine Vernetzung mit Vereinen, Schulen und Ämtern aufgebaut“, sagt Buda. Das Bildungsniveau der Geflüchteten ist auf unterschiedlichen Ebenen, Muser-Heinz sagte: „Wir haben Menschen mit Abitur, aber auch welche, die noch nie in der Schule waren.“ Nicht jeder habe den Anspruch darauf, einen Integrationskurs zu besuchen. Buda dazu: „Das hängt stark vom Herkunftsland und dem Bleiberecht ab.“

Als Frau fühlt sich Rafika Aydogan nicht anders behandelt als ihre Kollegen: „Alter, Religion oder Geschlecht spielen keine Rolle, die Menschen wollen jemanden, der ihnen hilft und sie begleitet.“ Aydogan betreut einige Familien und Frauen mit Kindern. Im Gespräch öffnen sich die Menschen und erzählen auch Erlebnisse der Flucht. Aydogan sagte: „Eine Therapie können wir nicht geben, aber manchmal hilft es, ein bisschen zuzuhören und Trost zu spenden.“ Für Muser-Heinz steht fest: „Die Betroffenen könnten das Trauma besser verarbeiten, wenn sie wüssten, ob sie in Deutschland bleiben können.“

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Die Integration in Vereine klappt laut Aydogan am besten bei den kleineren Kindern: „Die älteren Kinder übersetzen oft für ihre Eltern und haben dadurch mit Schule und Hausaufgaben weniger Zeit.“ Aydogan weiter: „Die jüngere Generation blüht aber in der Vereinskultur auf.“ Dankbar ist das Team für Integrationsmanagement den ehrenamtlichen Helfern. „Wir können uns immer auf die Unterstützung verlassen, sei es für einen Deutschkurs oder Möbel die benötigt werden“, Muser-Heinz.

Die Stellen der drei Integrationsmanager in Bad Säckingen wurden bis zum 31. Mai 2021 bewilligt. Ob und wann diese nochmals Verlängert werden, hängt vom Land und dessen Einschätzung der Flüchtlingslage ab. Für Buda steht fest: „Unser Angebot wird sehr gut angenommen, aber es braucht Zeit und Geduld, damit die Menschen die Grundlegenden Dinge erarbeiten können.“