Im Bad Säckinger Gemeinderat diese Woche sollte die Trägerschaft des neuen Kindergartens an den einzigen Bewerber, den katholischen Vincentiusverein vergeben werden. Unter anderem habe die AWO ihre Bewerbung im Vorfeld zurückgezogen, teilte Bürgermeisterstellvertreter Wolfgang Lücker mit. Er leitete die Sitzung, weil Bürgermeister Alexander Guhl als Vorsitzender des St. Vincentiusvereins befangen war.

Dass die AWO keine Bewerbung einreichte, ist nach Lage der Dinge zwar richtig, gleichwohl will das der AWO-Geschäftsführer so nicht stehen lassen. Denn die AWO hatte offenbar doch Interesse an der Kindergarten-Trägerschaft auf dem Campus, hat aber wohl auf Bitten der Stadt keine Bewerbung eingereicht. Bomans: „In den Gesprächen mit Bürgermeister Alexander Guhl wurden uns Gründe dargelegt, warum die Stadt eine Trägerschaft des Vincentiusvereins präferiert“, so Bomans in seiner schriftlichen Stellungnahme. Diese Gründe habe man nachvollziehen können und deshalb von einer Bewerbung als Träger abgesehen.

Vicentiusverein soll großer Mieter und Arbeitgeber werden

Zu diesen Gründen sagte Bürgermeister Guhl auf unsere Nachfrage: Er halte es für sinnvoll, wenn der Träger der größten Campuseinrichtungen, nämlich der Vincentiusverein, auch die Kinderbetreuung dort übernimmt. Das reduziere die Zahl der Ansprechpartner und ermögliche für den künftigen Arbeitgeber einfachere arbeitsrechtliche und vertragliche Möglichkeiten. Zudem habe der Vincentiusverein über Jahrzehnte bewiesen, dass er Kinderbetreuung beherrscht, so Guhl. Der Verein betreibt bekanntlich die Kindergärten St. Gallus und St. Vincentius.

Der Vincentiusverein soll auf dem Gesundheitscampus einer der großen Mieter und Arbeitgeber werden. Er soll künftig den neuen Standort des Marienhauses betreiben, daneben die geriatrische Reha, zudem ist der Verein auch Anteilseigner mit 24 Prozent an der Reha-Klinik, die ebenfalls auf den Campus umzieht. Die Kinderbetreuung auch in die Hände des Vincentiusvereins zu geben, hält der Bürgermeister für den richtigen Weg, zumal der Kindergarten vor allem für Kinder der Campus-Mitarbeiter zur Verfügung stehen soll. Diese Präferenz für den Vincentiusverein sei keine Kritik an der Arbeit der AWO, so Guhl. Im Gegenteil: Der Bürgermeister bescheinigte der Arbeitwohlfahrt im Kinderhaus in der Rheinau einen „tollen Job“.

Wie Bomans berichtet, hätte die AWO die Trägerschaft eines Kindergartens auf dem Campus gerne übernommen. „Wir glauben, dass wir der Stadt Bad Säckingen ein innovatives und fachlich sehr gutes Konzept vorlegen könnten“, so der Geschäftsführer.