Eine gelungene Premiere vor vollem Haus feierte am Freitagabend die vierte Jugendtheaterproduktion der Abteilung „Junges Theater“ der Festspielgemeinde Bad Säckingen. Die zwölf jungen Darsteller im Alter zwischen 14 und 17 Jahren begeisterten mit dem anspruchsvollen Theaterstück „Double Bind – du bist anders als du denkst“ von Lorenz Hippe und anderen.

Erstmalig wurde ein Stück des „Jungen Theaters“ mit einem eigenen Song untermalt: „Du bist anders als du denkst“, gesungen von der 15-jährigen Gülsen Özdemir. Getextet ist das Lied von Stefan Meier, Melodie und Gitarrenbegleitung stammen von dem Freiburger Musiker Clemens Buchta, Raimund Huber begleitet auf dem Piano. Das Musikvideo ist ab sofort auf Youtube abrufbar. Neben der Premiere wurden zwei weitere Vorstellungen gespielt, nebst einer Schulvorstellung.

Wo hört die Realität auf, fängt die Fiktion an? Auf einer Klassenfahrt ans Meer katapultieren sich vier Jugendliche in einen Strudel voller Ereignisse, deren Verlauf sie irgendwann nicht mehr unter Kontrolle haben. Was harmlos mit einer gemeinsamen Projektarbeit beginnt, endet in einer Katastrophe.

Vorne, von links: Boris (Conan Zipser), Sandra (Fabienne Huber), Laura (Cay Schindler, verdeckt), Anna (Lara Meier). Hinten, von links: Lars (Felix Storkenmaier), Hausmeister Klein (Jens Pepermans), Psychologe Fahrwasser (Amon Frost), Lehrerin Kaltschmied (Angelika Snetkova), Carlotta (Megan Veenstra) und Mike (Tobias Eckert).
Vorne, von links: Boris (Conan Zipser), Sandra (Fabienne Huber), Laura (Cay Schindler, verdeckt), Anna (Lara Meier). Hinten, von links: Lars (Felix Storkenmaier), Hausmeister Klein (Jens Pepermans), Psychologe Fahrwasser (Amon Frost), Lehrerin Kaltschmied (Angelika Snetkova), Carlotta (Megan Veenstra) und Mike (Tobias Eckert). | Bild: Marion Rank

Die vier jungen Leute schreiben gemeinsam ein Theaterstück. Alles was sie bewegt, kommt in dem Stück vor und alles, was sie sich ausdenken, passiert unmittelbar auf der Bühne und auf verschiedenen Ebenen. Während die Autoren direkt vor den Augen der Zuschauer agieren, bewegen sich ihre fiktiven Figuren auf der Bühne, auf einer zweiten, sogar dritten Ebene, ermöglicht durch den Aufbau einer weiteren Bühne auf der eigentlichen Bühne.

Die Autoren erfinden Figuren, denen sie Eigenschaften zuschreiben und die sie Handlungen ausführen lassen. Doch das Stück der vier läuft aus dem Ruder, die Dynamik, die durch das Schreiben in Gang gesetzt wird, lässt sich nicht mehr aufhalten. Ihre Figuren entwickeln ein Eigenleben, kommen ihren Erfindern, die diese Nähe nicht zulassen wollen, viel zu nahe. Schlimmer noch: Die Eigenschaften und Erwartungen, die jeder in den anderen setzt, überfordern Autor und Figur.

Dass ihre Autoren nicht wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll, macht Lars (Felix Storkenmaier) und Anna (Lara Meier) zu schaffen. „Die Geschichten sind längst vermischt“, so Anna.
Dass ihre Autoren nicht wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll, macht Lars (Felix Storkenmaier) und Anna (Lara Meier) zu schaffen. „Die Geschichten sind längst vermischt“, so Anna. | Bild: Marion Rank

Auch den labilen Boris: Er leidet unter der dominanten Sandra, die ihn demütigt – und unter Mike. Er ist für alle der Trottel. Als Sandra, die Mikes Figur des Psychologen sterben lässt, diesen Umstand Boris zuschreibt, ist das Maß voll, der Ausweg nur noch der Suizid. Erst nach seinem Tod erkennen die anderen, dass sie Boris unterschätzt haben. Er war eben „anders als du denkst.“

Er zerbricht an seiner eigenen Rolle: Der Psychologe Michael Fahrwasser (dargestellt von Amon Frost), eine erfundene Figur, die am Ende sterben muss.
Er zerbricht an seiner eigenen Rolle: Der Psychologe Michael Fahrwasser (dargestellt von Amon Frost), eine erfundene Figur, die am Ende sterben muss. | Bild: Marion Rank

Bewundernswert, wie die doch recht jungen Darsteller mit Hilfe ihrer Regisseure, Theaterpädagoge Stefan Meier und Anne Ragusa, das thematisch schwere Stück umgesetzt haben.

Doch das Stück lebte nicht nur durch seine tollen Darsteller, sondern auch von der Situationskomik, selbst wenn sie eindeutig zweideutig war: Wenn etwa die mannstolle Lehrerin Frau Kaltschmied andeutungsweise, hinter der geöffneten Türe für die Zuschauer nicht sicht-, sondern nur hörbar, Hausmeister Klein verführt. Das Publikum amüsiert sich köstlich.

Frau Kaltschmied (Angelika Snetkova) schreit und rappt ihre Wut hinaus.
Frau Kaltschmied (Angelika Snetkova) schreit und rappt ihre Wut hinaus. | Bild: Marion Rank