In Schloss Schönau erzählte die Schweizerin Christine Mafli zum Auftakt der Märchentage am Freitag ein Märchen von Hans Christian Andersen. Denise Frey begleitete sie dazu auf dem Flügel. Rund 30 Zuhörer tauchten in eine ganz eigentümliche Atmosphäre ein. „Die wilden Schwäne“, ein Märchen von Hans Christian Andersen, stand auf dem Programm. Der Saal im Trompeterschloss war stimmungsvoll illuminiert. Für die Erzählerin stand ein weißer Stuhl bereit. Weiße Schwanenfedern schmückten die Bühne, rote Leuchtgirlanden umrankten sie und ein schlichter schwarzer Hintergrund grenzte sie ab.

Vorlesen aus einem Buch

Christine Mafli, die lange Zeit in Bad Säckingens Schweizer Nachbargemeinde Stein wohnte und neuerdings in Münchenstein bei Basel lebt, bevorzugt beim Märchenerzählen das Vorlesen aus einem Buch. Wenn sie auf Hochdeutsch vorträgt, hat ihre Stimme eine ganz eigene Färbung, deutlich anders als ihre Mundart-Stimme, die weicher klingt.

Text und Musik ist wie ein Zwillingspaar

Das Klavierspiel von Denise Frey begann. Mal spielte sie solo zur Einstimmung der Zuhörer, mal unterlegte sie das Erzählte mit ihren Klängen. In diesem Falle musste sie sehr piano spielen, um nicht Christine Maflis Stimme zu übertönen. Mit Hilfe der Musik wurde das Gehörte noch plastischer. Mafli und Frey betrachten Text und Musik wie ein Zwillingspaar, das Hand in Hand geht. „Die Musik wurde eigens für den heutigen Abend komponiert“, berichtete die Pianistin nach dem Auftritt. Und die Erzählerin ergänzte: „Wir haben lange daran gefeilt, an welchen Stellen Musik passt und welchen Charakter sie haben muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.“

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Die Besucher des Abends, fast nur Erwachsene, genossen es, einmal wieder etwas vorgelesen zu bekommen. Wie lange ist das her? Vermutlich als sie selbst noch Kinder waren. Wer mochte, konnte die Vorleserin und die Pianistin anschauen. Wer wollte, konnte aber auch die Blicke durch den Raum schweifen lassen oder die Augen schließen. Aber manchmal fiel es schwer, sich auf beides zu konzentrieren, auf Text und Musik. Wer zu stark auf das Gehörte fokussierte, konnte die Musik nicht vollends genießen. Wer sich zu sehr auf die Musik einließ, konnte schon mal den roten Faden verlieren. Was nicht schlimm war. Der Abend konnte ja auch Anlass sein, das Andersen-Märchen zu Hause einmal selbst zu lesen. So oder so: Das Gesamterlebnis zählte: Es war eine Gedankenreise in einer kleinen, authentischen, stimmigen Atmosphäre, es waren akustische Träumereien, genährt rein über Stimme und Instrument.

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„Die wilden Schwäne“ ist ein langes Märchen, an sich schon und über die Musikeinlage noch mehr. Nach rund einer Stunde hatte es Christine Mafli erzählt und war froh, dass sie doch noch ein Kind in den Reihen der Zuhörer vorfand und noch mehr darüber, wie konzentriert und ruhig der Junge bei ihrem Vortrag geblieben war. Für sie wohl der deutlichste Beweis dafür, dass der Abend gelungen sein musste.

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