Die "heiße" Phase

Das rebellische Alter, in dem Jugendliche so richtig Rabatz machen, ist nach Peter Knorres Erfahrung bei Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren, wobei dies durchaus variieren könne. "Es ist aber so, dass die meisten bis 18 wieder zur Vernunft kommen", so Knorre.

Es sei auf jeden Fall eine Zeit, in dem die Heranwachsenden Grenzen ausloten, Dinge ausprobieren und auch gelegentlich mit dem Gesetz in Konflikt geraten. "Eltern sind in dieser Phase meistens der Prellbock. Rat suchen sich Jugendliche zumeist bei Gleichaltrigen oder anderen Erwachsenen", erklärt Peter Knorre.

Dazu gehören nicht zuletzt Lehrer und Schulsozialarbeiter, aber auch durchaus Bezugspersonen in Vereinen.

Überwachung ist kontraproduktiv

"Bei aller berechtigten Sorge um sein Kind: Vor den Gefahren dieser Welt abschirmen kann man niemanden." So bringt es Peter Knorre auf den Punkt. Jeder Jugendliche werde zwangsläufig irgendwann einmal auf die ein oder andere Weise mit Zigaretten oder Alkohol oder sogar Mobbing und Gewalt konfrontiert, selbst wenn die Eltern ihr möglichstes tun, um dies zu verhindern.

Die Konfrontation mit Alkohol und anderen Substanzen lässt sich kaum vermeiden. Das muss aber nicht zwangsläufig im Polizeigewahrsam enden.
Die Konfrontation mit Alkohol und anderen Substanzen lässt sich kaum vermeiden. Das muss aber nicht zwangsläufig im Polizeigewahrsam enden. | Bild: Patrick Seeger

"Das zu akzeptieren ist nicht einfach, aber ich rate dringend zu Gelassenheit in sochen Dingen", so Knorre. Denn Panikmache helfe nicht, und eine rigide Kontrolle trage allenfalls dazu bei, Misstrauen zu schüren und das Kind möglicherweise aus Trotz in eine bestimmte Richtung zu drängen.

Das bedeute aber nicht, dass man sein Kind sich selbst überlässt: "Man sollte durchaus immer wieder das Gespräch suchen und Rückmeldung geben, was einem an seinem Sprössling auffällt."

Thema Freundeskreis ist immer heikel

"Jeder Mensch sucht sich seine Freunde selbst aus, und das ist auch gut so", sagt der Stadtjugendpfleger. Nicht immer mag Eltern das Milieu behagen, in dem sich ihre Kinder bewegen, aber auch hier sollte Druck vermieden werden, um Trotzreaktionen zu vermeiden.

Knorre rät allenfalls dazu, "seinem Kind andere Aktivitäten oder Vereine schmackhaft zu machen." Dadurch kämen dann auch neue Kontakte zustande.

Starkes Selbstvertrauen hilft

Gestärkte Kinder seien deutlich weniger anfällig für Gefahren. Das ist eine Erkenntnis, die Peter Knorre im Lauf seiner langjährigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer wieder gewonnen hat.

"Stark werden Kinder vor allem durch Bestätigung und Erfolgserlebnisse, und diese können sie in den verschiedensten Bereichen erfahren." Im Sport- oder Musikverein, bei Feuerwehr oder THW, beim Theaterspielen oder beim Tanzauftritt – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Auch im familiären Umfeld sei es wichtig, Kindern Dinge zuzutrauen, Begabungen und Interessen zu fördern, und ihnen zugleich auch Raum für Fehler zu geben. All das stärke die Persönlichkeit.

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Das tun öffentliche Stellen

"Unsere Stoßrichtung ist, den Jugendlichen Gesprächsangebote zu machen, sie aber nicht zu etwas zwingen", schildert Peter Knorre die Haltung des Jugendhauses Bad Säckingen.

Eine Technik sei durchaus, im Vorbeigehen etwa den 13-Jährigen anzusprechen, der gerade eine Zigarette raucht: "Eine irritierende Bemerkung kann schon genügen." Im besten Fall führe das dazu, dass bei der nächsten Begegnung ein Gespräch entstehe oder Kinder und Jugendliche sich selbst hinterfragen.

Darüber hinaus gibt es im "Alten Gefängnis" eine Vielzahl von Aktivitäten und Angeboten, bei denen sich Kinder und Jugendliche auf Augenhöhe begegnen und eben auch Erfolge erleben können.

Inzwischen haben alle weiterführenden Schulen in der Stadt auch Schulsozialarbeiter, an die sich Jugendliche in wichtigen Fragen wenden können, die aber auch Gepräche mit Eltern führen oder bei Konflikten intervenieren. Darüber hinaus bieten die Schulsozialarbeiter auch Arbeitsgruppen und Unterrichtseinheiten an, um Schüler für gewisse Probleme zu sensibilisieren.

"Bei Delikten steckt meist keine kriminelle Energie dahinter, sondern man will sich vor einer Gruppe beweisen."Peter Knorre
"Bei Delikten steckt meist keine kriminelle Energie dahinter, sondern man will sich vor einer Gruppe beweisen."Peter Knorre | Bild: Michael Gottstein

Wann Eltern eingreifen sollten

Brechen unerwartet die schulischen Leistungen ein oder gibt es Ärger mit der Polizei, ist eine wichtige Grenze erreicht, und Eltern sollten tätig werden. In welcher Form, das sollte gegebenenfalls mit Experten erörtert werden.

"Meistens steckt auch nicht wirklich kriminelle Energie dahinter, sondern man will sich vor einer Gruppe beweisen", so Peter Knorre. Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung seien typische Delikte.

Wer erwischt und "verknackt" wird, bekommt es wiederum häufig mit Peter Knorre zu tun, denn das Jugendhaus bietet auch Gelegenheit, gerichtlich verordnete Arbeitsstunden abzuleisten: "Etwa 90 Prozent der Leute kommt nur einmal. Vielen ist das dann so peinlich, dass es eine heilsame Wirkung für sie hat."

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