Christoph Schneider macht ernst: Seit Jahren setzt er sich gemeinsam mit anderen Bewohnern des Harpolinger Wohngebiets rund um die Straße Schweizerblick für einen schnelleren Internetzugang ein. Weil nun durch die technische Umstellung der Telekom auf IP-Telefonie Surfen bei gleichzeitiger Telefonnutzung laut Schneider fast gar nicht mehr möglich sei, wollen er und seine Mitstreiter den Grundstein für den Anschluss an schnelleres Netz selbst legen und mit einem Bagger die Tiefbauarbeiten vorbereiten.

  • Der Plan: In rund 120 Metern Entfernung von seinem Haus steht ein Verteilerkasten des Kabelnetzbetreibers Unitymedia, der weite Teile Harpolingens bereits mit schnellem Internet versorgt. Gräbt sich Schneider bis dorthin durch, wären auch bei ihm bis zu 400 Mbits pro Sekunde möglich. Zum Vergleich: Die bisherige Leitung hat gerade einmal drei bis vier Mbits pro Sekunde zu bieten. "Bisher läuft alles wie geplant", berichtet Schneider sichtlich erfreut. Ist die Verbindung zu seinem Grundstück fertig, soll weiter bis zu den Häusern seiner Mitstreiter gegraben werden. "Wenn wir fertig sind, wird Unitymedia die Häuser anschließen, das haben wir so vereinbart", erzählt er. Lediglich die Tiefbauarbeiten müssen er und seine Mitstreiter selbst verrichten. "Ein Nachbar hat mir seinen Bagger zur Verfügung gestellt und mein Verpächter das Okay für die Rohrverlegung auf der Wiese gegeben", so Schneider. Rund 2500 Euro werden die Anwohner nun in Eigenleistung in die Rohrverlegung investieren. "Ich bin sehr froh, dass ich so viel Unterstützung bekomme", sagt er.
<strong>Selbst ist der Internet-Nutzer:</strong> Die Region wartet auf schnelles Internet. In Harpolingen haben Bürger unter der Ägide von Christoph Schneider selbst die Initiative ergriffen und mit einem Bagger eine 120 Meter lange Verbindung zu einem Verteilerkasten gegraben, um der Telekom den Anschluss zu erleichtern. <br />(<%LINK auto="true" text="http://www.sk.de/9675974" href="http://www.sk.de/9675974" %>) <em>Bild: Viktoria Nietzsche</em>
Selbst ist der Internet-Nutzer: Die Region wartet auf schnelles Internet. In Harpolingen haben Bürger unter der Ägide von Christoph Schneider selbst die Initiative ergriffen und mit einem Bagger eine 120 Meter lange Verbindung zu einem Verteilerkasten gegraben, um der Telekom den Anschluss zu erleichtern.
(<%LINK auto="true" text="http://www.sk.de/9675974" href="http://www.sk.de/9675974" %>) Bild: Viktoria Nietzsche | Bild: Viktoria Nietzsche

Von Bekannten aus dem Ort habe er bislang ungläubige Blicke zu seinem Vorhaben erhalten. "Seit ich nun angefangen habe, gucken sie gespannt zu", erzählt Schneider. Für ihn ist die Eigeninitiative die einzige Lösung, die Internetsituation zeitnah zu verbessern.

  • Der technische Hintergrund: Die Telekom stellt in diesem Jahr auf IP-Telefonie um, Telefonieren funktioniert dann ausschließlich über das Internet. Das alte 0,4-Megabyte-Kabel vor Ort könne beides gleichzeitig nicht leisten, erzählt Christoph Schneider. Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz hat sich auf Nachfrage dieser Zeitung die Situation in Harpolingen angeschaut. In einer Stellungnahme schreibt er, dass aus Sicht des Unternehmens grundsätzlich nichts gegen die Umstellung in Harpolingen spreche. Dennoch teilt er mit: "Wir bedauern, dass wir angesichts der aktuellen Bandbreiten in dem Wohngebiet nicht alle Vorteile der IP-Umstellung für die Kunden sofort ausspielen können." Weil die Telekom im Wettbewerb mit anderen Netzbetreibern fair bleiben wolle, seien dem Unternehmen bei einem Festnetzausbau derzeit die Hände gebunden. Kunden die nach der Umstellung Probleme bei ihrem Anschluss bemerken, sollen die Störung bei der Telekom melden.
  • Statt Festnetz- Mobilfunkausbau: Laut Hubertus Kischkewitz plant die Telekom derzeit, Harpolingen an LTE-Netz anzuschließen. Aktuell wolle man mit der Standortsuche beginnen. "Das sind gute Nachrichten", kommentiert Christoph Schneider. Er will dennoch so schnell wie möglich auch per Kabel an besseres Internet angeschlossen sein. "In ein bis zwei Wochen wollen wir mit den Tiefbauarbeiten fertig sein. Dann liegt es an Unitymedia, unsere Häuser anzuschließen", sagt er.