Richter Rupert Storck spricht den 76-jährigen Angeklagten frei. Die Gegenstände seien klein, die Vorstrafe nicht einschlägig, so die Urteilsbegründung des Richters.

Richter Rupert Stork sprach einen 76-jährigen Angeklagten vom Vorwurf des Diebstahls frei. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Sebo-Franz Krubally, hatte für eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 25 Euro plädiert. Der 76-jährige Rentner, der schon einmal wegen Kreditkartenfälschung vor Gericht gestanden hatte, soll in einem Baumarkt der Trompeterstadt drei Stichsägeblätter im Wert von circa 35 Euro in die Hosentasche gesteckt und an der Kasse vorbeigeschmuggelt haben. Der Angeklagte erklärte, er habe einiges an Baumaterialien gekauft. Beim Versuch die Sachen auf dem Wagen zu verstauen, seien ihm die Stichblätter aus der Hand gefallen und er habe sie kurzerhand in die Hosentasche gesteckt. Dann habe er die anderen Waren auf dem Wagen bezahlt und sei Kaffee trinken gegangen. Auf einmal sei der Hausdetektiv auf ihn zugekommen und wollte den Kassenbon sehen. Dabei habe er ihn auch nach dem Kassenzettel für die Stichblätter gefragt, die er in der Hosentasche habe.

Erst dabei sei ihm siedendheiß eingefallen, dass er vergessen hatte, sie zu bezahlen. Er habe diese dann nachträglich bezahlt, ebenso wie eine Bearbeitungsgebühr von 50 Euro, die der Detektiv von ihm verlangt habe. In der Aufregung habe er die Formulare, die der Hausdetektiv ihm unter die Nase gehalten habe, nicht richtig gelesen. Es sei durchaus üblich, dass die Kunden, die er des Diebstahls überführe im Anschluss Kaffee trinken gingen, erklärte der Detektiv, der als Zeuge geladen war. 99 Prozent der Kunden gäben dann an, sie hätten nur vergessen zu bezahlen. Er habe den Angeklagten beobachtet, wie er die Ware in die Hosentasche gestopft habe und sei ihm deswegen bis an die Kasse gefolgt. Die Angaben des Angeklagten hätten ihn nicht restlos überzeugt. Als "Schutzbehauptung" wertete auch die Staatsanwaltschaft die Angaben des Angeklagten. Der Sachverhalt habe sich bestätigt, die Aktion sei geplant gewesen, der Angeklagte sei schuldig zu sprechen. Ganz anders sah dies der vorsitzende Richter. Der 76-Jährige hatte genug Geld dabei gehabt, er hätte keinen Grund gehabt, die Sachen mitzunehmen. Zudem sei er nicht verschwunden, sondern im Café geblieben. Die Gegenstände seien klein, die Vorstrafe nicht einschlägig, deshalb sei der Angeklagte hier freizusprechen, begründete Stork sein Urteil.