Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste politische Thema am Hochrhein in den kommenden vier Jahren?

Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist dringend erforderlich. Die täglichen Staus in den Städten Waldshut und Bad Säckingen sind unzumutbar. Die Umfahrung von Grimmelshofen muss in Angriff genommen, da es sich dort um ein Unfallschwerpunkt handelt. Zudem brauchen wir die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau der Hochrheinstrecke. Dies ist wiederum die Voraussetzung für die Einführung eines S-Bahnverkehrs im Halbstundentakt. Kostenlose Park-and-Ride-Plätze sollen den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr erleichtern. Leider werden die notwendigen Mittel mit Stuttgart 21 vernichtet.

Sind Sie für ein Zentralspital im Landkreis Waldshut oder halten Sie an zwei Standorten fest?

Wir haben eine Überversorgung in den Großstädten, stattdessen blutet der ländliche Raum aus. Gesundheit ist keine Ware. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Weg zum Krankenhaus nicht mehr als 30 Minuten dauern soll. Mit einem zentralen Krankenhaus ist dies nicht zu schaffen. Deshalb ist der Standort Bad Säckingen zu erhalten. Dass Patienten auf dem Weg zum Krankenhaus sterben, weil man die Aufnahme aus Kapazitätsgründen ablehnt, ist untragbar. Ich fordere deshalb, dass im ländlichen Raum nach Bedarf geplant wird.

Ein dramatischer Engpass droht im gesamten Landkreis in der hausärztlichen und Fachärzteversorgung. Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Politik, hier einzugreifen?

Haus- und Fachärzte sowie Hebammen müssen auf dem Land besser entlohnt werden. Mit Ärztehäusern kann man den Einstieg verbessern. Dass immer mehr Gebärende in unserem Landkreis auf die Geburtsstation in Leuggern in der Schweiz ausweichen müssen, ist beschämend. Die Arbeitsbedingungen von Hebammen sind zu verbessern. Die gesetzlichen Krankenversicherungen brauchen die Solidarität aller, deshalb sollen auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete einbezahlen. Dies hält die Beiträge stabil.

Zum Thema Verkehr: Ist ein Ausbau der A 98 wirklich notwendig oder ist der Ausbau von Ortsumfahrungen als Bundesstraße eine bessere Alternative?

Bisher sind die gebauten Teilstücke ja keine Autobahn, sondern nur eine Umfahrung mit Überholmöglichkeiten. Dies ist auch ausreichend. Wichtig ist, dass es schnellstens zum Lückenschluss kommt. Eine durchgehende Verbindung ohne Staustrecken ist für die regionale Wirtschaft unabdingbar. Durch die täglichen Staus gehen den Unternehmen viel Geld verloren. Somit wird der Standort Hochrhein für Pendler und Unternehmer unattraktiv. Des Weiteren dürfen keine neuen Gefahrensituationen entstehen, wie bei der Abfahrt Hauenstein geschehen.

Welchen Trassenvarianten räumen Sie in Schwörstadt-Säckingen und Waldshut die besten Chancen ein?

Der ÖDP-Kreisverband Waldshut hat sich schon vor vielen Jahren dafür ausgesprochen, dass bei einem so wichtigen Thema ein Bürgerentscheid bei dem jeweils zu bauenden Teilstück in den betroffenen Städten und Gemeinden durchgeführt werden sollte, um größtmögliche Akzeptanz zu erhalten. Da wir den möglichen Bau des Pumpspeicherkraftwerk Atdorf ablehnen, würden auch die Varianten, welche das untere Becken betreffen, nach wie vor zur Auswahl stehen. Bei der Trassenführung ist zu beachten, dass diese umweltverträglich gestaltet wird. Die beste Lösung ist gefragt und nicht die billigste.

Fragen: Andreas Gerber

Zur Person

Kilian Kronimus, Diplomingenieur aus Albbruck, Jahrgang 1965, arbeitet als Berufsschullehrer. Er hat schon bei mehreren Wahlen für die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) kandidiert – zuletzt bei der Landtagswahl im letzten Jahr. Er war auch 2013 einer der 28 Bewerber um den Posten des Rickenbacher Bürgermeisters.