Graffiti, Street Art, Urban Art – das sind eigentlich Themen, die junge Leute ansprechen sollten. Doch beim Vortrag von Ulrich Blanché im Rahmen der Kunstvereins-Ausstellung "Urban Art" konnte man das jugendliche Publikum im Kulturhaus Villa Berberich an einer Hand abzählen. Der 32-jährige promovierte Kunstgeschichtler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Heidelberg ging der Frage nach, ob die Street Art in die Galerie gehöre. Blanché muss es wissen, hat er doch seit 2006 über die Straße als Freiluftgalerie drei Bücher geschrieben, wobei sein Schwerpunkt bei dem britischen Street Artist Banksy lag.

Am Beispiel von Banksy – Erkennungszeichen: Ratte -, zeigte er die Entwicklung der Street Art auf. Dabei wurde schnell klar, dass Banksy, der die Welt verbessern will, eine Vorbildfunktion für diese moderne Kunstrichtung hat. Vor allem ging die Rede aber um den Betrachter von Street Art und die Unterschiede von Kunst auf der Straße und Kunst in der Galerie.

Der Referent erklärte den Begriff der Straßenkunst, der in den 80er Jahren aufkommt, und zuerst noch in einen Topf geworfen wird mit Jongleuren und Pflastermalern in der Fußgängerzone. Heute hat Street Art nichts mehr mit Fußbodenmalern zu tun. Der Begriff Urban Art sei anfänglich parallel zur Street Art verwendet worden, wäre heute aber ein Überbegriff bis hin zu den Klosprüchen.

Nicht nur Banksy, der mit illegaler Schablonenmalerei bekannt wurde und mit Dixi-Klos, Sperrmüll und in Lagerhäusern arbeitet, kam zur Sprache, sondern auch der "Sprayer von Zürich", Harald Naegeli. Blanché meint allerdings, dass es ein Trugschluss sei, dass Street Art immer politisch sein müsse. Sie kann, muss aber nicht Kritik an der Gesellschaft üben. Die Gegenstrategie sei es, die Straße in die Galerie zu bringen.

Länger hielt sich der Referent bei der Gegenüberstellung von aktiven und zufälligen Street Art-Betrachtern auf, und ging auf die Eventisierung und Kommerzialisierung von Straßenkunst ein. Während man Urban Art kaufen könne, sei Street Art eigentlich eine Gratiskunst auf der Straße. Vom Unterschied zwischen Street Art und Gallery Art (den man der laufenden Urban Art-Ausstellung sieht) handelte der zweite Teil der sehr lebendigen Ausführungen.

Die digitale Welt war dabei ein aktuelles Thema, denn der Hauptbetrachter von Street Art ist mittlerweile online: Es ist nicht mehr der Passant auf der Straße, sondern der User im Netz. So habe Banksy inzwischen eine halbe Million Aufrufe. Die wenigsten hätten einen Banksy im Original gesehen, dafür im Internet. "Der Online-Betrachter ist ein Flaneur digital", so Blanché abschließend. Denn viele Fotos von Street Art würden wieder ins Netz gestellt. Also reichlich Input, den der Zuhörer bei diesem informativen Vortrag bekommen hat.