Subjektiv intelligent

Sie wissen ja: Es gibt nichts, was auf der Welt gerechter verteilt ist, als die Intelligenz. Denn jeder ist der Meinung, er hat genug davon abbekommen. So gesehen ist auch jeder zufrieden. Nun ist das mit der Intelligenz aber eine ganz subjektive Sache. Objektiv sieht es tatsächlich ganz anders aus.

Das zeigt auch folgender Fall eines Auto-Vandalen, der diese Woche in Bad Säckingen einen BMW mit Schweizer Kennzeichen ruiniert hat. Spiel abgebrochen, Reifen zerstochen. Der Täter hält sich mit Sicherheit für ein kluges Kerlchen, hinterlässt durch seine Taten aber erhebliche Zweifel daran. Allerdings beseitigt er jegliche Zweifel jedoch restlos durch seine schriftliche Hinterlassenschaft. So kratzte er noch zwei Wörter in den Lack: „Scheis Schweizer“. Sie sehen, man kann von seiner eigenen Intelligenz überzeugt sein und trotzdem eine richtige geistige Dumpfbacke sein.

Achtung Reh am Straßenrand!

Noch was ganz anderes: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, manchmal bin ich vom SWR-Radiodienst äußerst irritiert. Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum jeder zweite Verkehrshinweis einen verlorenen Spanngurt meldet, der irgendwo auf der Straße rumliegt. Fahren denn alle nur noch mit Spanngurten durch die Gegend? Und vor allem: Warum fallen die alle runter? Ist hier eine neue Autofahrer-Generation am Start, die keine Spanngurte mehr spannen kann? Man weiß es nicht.

Ähnlich kurios finde ich übrigens eine weitere Meldung. Die geht ungefähr so: „Achtung, fahren Sie langsam, auf der Landstraße einhundertsoundsoviel steht ein Reh am Straßenrand“. Hab ich schon mehrfach gehört und mich gefragt: Weiß das Reh denn, dass es Gegenstand eines Verkehrshinweises wird? Wartet das Reh deshalb solang am Straßenrand bis es entdeckt wird. Bis der Entdecker dies der Polizei meldet. Die wiederum dem SWR. Und der SWR den besagten Hinweis in den Äther schickt? Wartet das Reh also in Summe ungefähr eine halbe Stunde, bis es den ersten Autofahrer entdeckt, der sich aufgrund der eben gehörten Verkehrswarnung ganz vorsichtig nähert, weshalb das geduldig wartende Reh endlich verkehrssicher die Straße überqueren kann?

Wahrscheinlich ja, würde der SWR sonst den Verkehrshinweis senden? So gesehen halte ich die Meldung für äußerst sinnreich, sehe aber nicht ein, warum Rehe weiterhin privilegiert sein sollen. Deshalb sollte künftig nicht nur jedes Reh, sondern auch jeder Fuchs, jedes Wildschwein, jede Geiß, jede Katze und sonstig all lieblich Getier gemeldet werden, die am Straßenrand rumstehen. „Achtung, zwischen Willaringen und Bergalingen steht eine Kuh am Straßenrand“ – wenn Sie das hören, dann können Sie dreimal raten, wer’s war.

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