Fernsehzuschauer am Hochrhein können am Dienstag letztmals deutsches Fernsehen über Antenne empfangen. Der Südwestrundfunk SWR stellt um Mitternacht den Hochrhein-Sender bei Bergalingen ab. "Der digital-terrestrische Empfang am Hochrhein endet damit", erklärt Udo Merzig von der SWR-Medientechnik unserer Zeitung. Haus- und Zimmerantennen bringen ab Mittwoch 0 Uhr bis auf Weiteres nur noch die Fernsehprogramme der schweizerischen SRG auf den Schirm.

Hochrhein geht bei Umstellung auf DVB-T2 HD leer aus

Hintergrund ist die Umstellung vom bisherigen Sendeformat DVB-T auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T2 HD. Diese erfolgt schrittweise von Region zu Region. Jetzt ist Südbaden dran. "Mit der Umstellung auf DVB-T2 HD können die Fernsehprogramme nicht nur in Full HD (1080p) empfangen werden, sondern es erhöht sich auch das Programmangebot", macht der SWR den neuen Standard schmackhaft. Der Haken dabei: Für nicht alle Regionen ist DVB-T2 HD vorgesehen. Der Hochrhein gehört zu jenen, die leer ausgehen.

Der SWR macht dafür die unternehmenspolitische Entscheidung des kommerziellen Plattformbetreibers Freenet TV verantwortlich. Dieser beschränke sich mit seinem kostenpflichtigen Angebot, zu dem die privaten Unterhaltungs-, Sport- und Nachrichtensender wie Sat1, Eurosport oder N 24 gehören, auf große Ballungsräume und sogenannte Mittelzentren.

Ohne Freenet TV müssten die öffentlich-Rechtlichen Anbieter in den ländlichen Regionen die Sendestruktur für DVB-T2 HD selbst aufbauen und unterhalten. Dies ist ihnen zu kostspielig. Außerdem erwarten sie, dass viele Zuschauer auf andere Techniken umsteigen, wenn sie über das digitale Antennenfernsehen nicht auch die Privaten sehen können. "Aufgrund dieser Tatsachen haben sich SWR und ZDF in gemeinsamer Absprache entschieden, die Ausbauplanungen entsprechend anzupassen und in Baden-Württemberg die Sender Brandenkopf und Hochrhein in der nächsten Ausbauphase abzuschalten", so der SWR.

In Regionen, in denen die Privaten kein terrestrisches Programm anbieten, nutzten nur 3,3 Prozent der Zuschauer den terrestrischen Empfang, zitiert der SWR eine unlängst erschienene Studie. Am Hochrhein allerdings dürfte diese Zahl höher liegen. Denn viele nutzen hier den terrestrischen Emfang, um beispielsweise vom Schweizer Fernsehen SRF gesendete internationale Fußballspiele oder Spiefilme zu empfangen, die wegen der Lizenzvereinbarungen nicht über Satellit oder Kabel gesehen werden können.

Dort wo künftig weder das alte DVB-T noch das neue DVB-T2 HD empfangen werden können, bleibt den bisherigen Nutzern einer Antenne nur der Umstieg auf andere Medien: Satellit, Kabel oder IPTV. Oder die Nutzer der Antennentechnik begnügen sich mit dem Angebot der Schweizer SRG. Diese plant keinen Ausbau des Netzes auf DVB-T2.