Das Amtsgericht Bad Säckingen stellte am vergangenen Montagvormittag das Verfahren gegen einen 41-jährigen Busfahrer ein, der im Mai letzten Jahres ein zehn Jahre altes Mädchen mit seinem Bus erfasste. Der Busfahrer musste sich vor dem Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten, nachdem es zu einer Kollision zwischen dem Bus und der Fahrradfahrerin gekommen war.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der Busfahrer am 31. Mai vergangenen Jahres um 17.17 Uhr mit einem Linienbus auf der Säckinger Straße der L 151 unterwegs gewesen sein. Dabei erfasste er ein zehn Jahre altes Mädchen, welches mit ihrem Fahrrad die Fahrbahn überquerte. Das Mädchen wurde am linken Bein schwer verletzt. Die Kollision führte zu Weichteilverletzungen und einer Fraktur des Kniegelenks. Die Fahrradfahrerin befand sich bis Ende Juli 2017 in stationärer Behandlung der Uniklink Freiburg und wurde mehrfach operiert.

Angeklagter: Kein Anzeichen einer Überquerung

Der Angeklagte übt den Beruf seit 18 Jahren aus und fährt seit fünf Jahren im Bereich Laufenburg. Er gab vor Gericht an, das Mädchen zwar gesehen zu haben, aber er sei nicht davon ausgegangen, dass es die Straße überqueren wolle. Die Kollision sei laut dem Angeklagten zustande gekommen, da das Mädchen die Straße kurzfristig überquerte und der Bus nicht mehr rechtzeitig zum Halten kam.

Gemäß eigener Angaben versuchte der Busfahrer zu bremsen und auszuweichen, jedoch war die Entfernung zu diesem Zeitpunkt bereits schon zu gering. Während der Gerichtsverhandlung betonte der 41-Jährige immer wieder, dass er keine Anzeichen für eine Überquerung der Straße gesehen habe.

Verteidigung: Bus hätte gesehen werden können

Das Opfer selbst war am Montagvormittag nicht anwesend. Der als Zeuge geladene Polizist berichtete von den Aussagen des Vaters, die erst mehrere Wochen nach dem Unfall getätigt wurden. So sei die Zehnjährige mit ihrem Fahrrad auf dem Gehweg mit einer Freundin unterwegs gewesen sein. Dabei wollte sie die Straße überqueren und sei noch auf dem Gehweg quer angehalten, um die Verkehrssituation zu überprüfen. Nachdem die Fahrradfahrerin keine Fahrzeuge bemerkte, überquerte sie die Straße.

Die von der Polizei ermittelte Geschwindigkeit des Busses zum Zeitpunkt des Unfalls betrug rund 50 Kilometer pro Stunde. Die geschätzte Sichtweite des Angeklagten und Opfers betrug rund 100 Meter. So sei es laut dem Verteidiger des Angeklagten nicht möglich gewesen, einen großen Linienbus zu übersehen. Aus den Untersuchungen ging nicht hervor, ob das Mädchen wirklich quer auf dem Gehweg oder mit dem Rücken zum ankommenden Bus stand.

Amtsrichter: Minimalschuld des Angeklagten

Amtsrichter Rupert Stork sprach von einem Minimalverschulden seitens des Angeklagten und beendete den Prozess zugunsten des 41-Jährigen. Aus der Beweislage ging keine eindeutige Antwort hervor, ob es wirklich Anzeichen dafür gab, dass das Mädchen die Straße überqueren wollte. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren gegen eine Zahlung von 500 Euro eingestellt.