Die Niederschlagsmengen bleiben gering. Die Folge: Die Flusspegel sinken, Quellen drohen zu versiegen, Bäche zu vertrocknen. Der Sommer setzt der Natur weiterhin zu. Aufgrund sinkender Wasserpegel in Still- und Fließgewässern haben die Landkreise Lörrach und Waldshut in den vergangenen Wochen bereits die Entnahme von Wasser aus Seen, Bächen und Flüssen untersagt. Aber auch den Wasserversorgern in der Region rund um Bad Säckingen bereitet die Trockenheit mitunter Sorge, im Hotzenwald jedoch mehr als im Rheintal. Eine Bestandsaufnahme:

  • Der Hotzenwald ist Ursprung zahlreicher Quellen. Durch sie stillen die Bürger der dort angesiedelten Gemeinden ihren Wasserdurst. Doch der Regen fehlt. "Das, was in den letzten Tagen runterkam, ist ein Tropfen auf den heißen Stein", fasst Bernhard Albiez, Wassermeister aus Rickenbach, die Lage zusammen. Entsprechend gering fallen derzeit die Wassermengen aus, die durch die 22 Quellen der Gemeinde zutage befördert werde. "Es ist teilweise bis zu 80 Prozent weniger im Vergleich zum Frühjahr", sagt Albiez. Er maß zuletzt Ende Juli die Wasserschüttungen seiner Quellen. Eine Notsituation bestehe allerdings noch nicht. "Dauert die Trockenheit aber weitere drei bis vier Wochen an, könnte es sein, dass wir eine Warnung aussprechen und die Bürger zum Wassersparen auffordern müssen", fährt Albiez fort. Ein ähnliches Bild zeichnet sich derweil rund sieben Kilometer weiter in Herrischried. Auch hier befördern die 21 Gemeindequellen bis zu 75 Prozent weniger Wasser an die Oberfläche als im Frühjahr, sagt Wassermeister Rolf Kaiser. "Die Lage ist aber noch recht entspannt", gibt er sich gelassen. So stabilisiere sich die Quellschüttung ab einem gewissen Punkt. Doch wie in Rickenbach gilt: Bleibt der Dauerregen weiterhin aus, könnte sich das ändern. "Die schlechteste Quellschüttung hatten wir im Sommer 2003", weiß Kaiser. "Damals hatten wir zu schwitzen, dass es reicht." Wirklich knapp wurde das Wasser vor rund drei Jahren etwa acht Kilometer südwestlich von Herrischried. Damals, im Herbst 2015, lieferten die 15 Quellen der Gemeinde Görwihl nicht mehr ausreichend Wasser für die Versorgung der Bürger. Die Hochbehälter mussten mit Tankwagen befüllt werden. "Noch sind wir im Bereich, wo die Versorgung ausreichend ist", sagt Wassermeister Christoph Mutter. Doch wie im Jahr 2015 erwartet er die Wasserknappheit eher im Herbst. "Im September und Oktober ist die kritische Zeit, da könnte es dramatisch werden und zu Engpässen kommen", sagt Mutter.
  • Im Rheintal findet die Versorgung zum Großteil über Grundwasserströme und Tiefbrunnen statt. Während hoch oben im Hotzenwald bei Trockenperioden wie diesen die Lage ab Herbst durchaus ernst werden könnte, scheint sie hier weitgehend entspannt: "Wir haben keinerlei Probleme", sagt Roland Indlekofer, technischer Leiter der Stadtwerke Laufenburg. Die Stadt deckt 77 Prozent des Wasserbedarfs aus zwei in 30 Metern Tiefe installierten Brunnen im Stadtteil Stadenhausen. Die restlichen 23 Prozent stammen aus den Quellen in den Stadtteilen Hochsal und Rotzel. Auch in einem Hitzesommer wie diesem sei die Versorgung dadurch gesichert. "Aktuell ist unser Wasserbedarf gedeckt", fährt Indlekhofer fort. Etwa sieben Kilometer weiter in Murg: Hier verkündete die Gemeinde Mitte dieser Woche, dass wegen der anhaltenden Trockenheit das Wasser der öffentlichen Brunnen vorübergehend abgestellt wurde. Ein Zeichen für Probleme bei der Versorgung sei das aber nicht, erklärt Wassermeister Ronny Schellin: "Das Wasser, das in die Brunnen lief, floss ungenutzt in den Kanal. Wir dachten uns, dass das derzeit einfach unnötig ist." Eine wirkliche Verknappung sei trotz der Trockenheit also nicht zu erwarten, sagt er. "Die Kernstadt ist an die Wasserversorgung Hochrhein der Stadtwerke Bad Säckingen angeschlossen, damit sind wir sehr gut aufgestellt." Die drei Ortsteile Niederhof, Oberhof und Hänner stillen ihren Durst zudem durch insgesamt 18 eigene Quellen. "Und sollte dort das Wasser wider Erwarten doch knapp werden, könnten wir auch Niederhof mit Wasser aus Bad Säckingen versorgen", sagt Schellin.
  • In Bad Säckingen selbst ist Wasserknappheit überhaupt kein Thema. "Bei uns laufen die Brunnen unverändert voll", sagt Klaus Brehm, Leiter des Netzbetriebs Trinkwasser der Stadtwerke Bad Säckingen. Ursache dafür sei die gute Versorgung durch die Grundwasserströme – aus dem Hotzenwald einerseits, aus der Rheinebene andererseits. So befördern die sechs Brunnen der Stadtwerke täglich rund 400 Kubikmeter Wasser aus 20 Metern Tiefe an die Oberfläche. "Das ist die Menge, die die Bürger der Stadt am Tag verbrauchen", erklärt Brehm. Dass sich die Bürger offenbar keine Sorgen machen müssen, zeigt auch ein Blick auf den aktuellen Stand des Grundwasserpegels: "Trotz der Trockenheit liegt der weitgehend unverändert bei 12,51 Meter", sagt Klaus Brehm.

Warum der Hotzenwald schneller austrocknet als das Rheintal

Kerstin Stahl ist Professorin am Lehrstuhl für Hydrologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Eines ihrer Themengebiete ist der Kreislauf des Wassers. Die Expertin weiß: Die Auswirkungen einer Dürre wie in diesem Jahr auf den Wasserzyklus offenbaren sich häufig zeitverzögert. "Und die wirklich kritische Phase beginnt eigentlich erst im Herbst", sagt Stahl.

  • Als Grund, dass die Versorgungslage im Hotzenwald grundsätzlich schneller ernster sei als im Rheintal, nennt die Wissenschaftlerin die unterschiedliche Spreicherbedingungen für Grundwasser im Boden: "Der Südschwarzwald ist ein großer Granitblock mit relativ kleinen Kluften, die ein geringere Kapazitäten besitzen", sagt Stahl. Diese Grundwasserspeicher laufen dann in niederschlagsarmen Perioden entsprechend schneller leer. "Je höher die Lage, desto schneller", so die Expertin. Im Tal hingegen habe sich während der letzten Eiszeit eine Wanne gebildet und nach und nach mit Kiesel gefüllt. "Hier ist netto wesentlich mehr Wasser gespeichert." Allderings müsse man dies unter Aufwand aus der Tiefe an die Erdoberfläche pumpen, während die Quellen im Südschwarzwald das Wasser von alleine freigeben.
  • Läuft eine Quelle Gefahr zu versiegen, könne es bis zu einem Jahr dauern, bis diese sich wieder erhole, sagt Stahl. Das zeigte der Rekordsommer 2003. "Wenn dann aber ausreichend regelmäßiger Niederschlag fällt, füllen sich die Klüfte wieder", so die Expertin. Im Südschwarzwald ginge das dann wiederum schneller als im Rheintal.