Wer bin ich? War die tragende Frage des neuesten Theaterstückes „Monster“ des Jungen Theaters der Festspielgemeinde Bad Säckingen, das am Freitag Premiere feierte und am Wochenende insgesamt drei Mal in den Räumlichkeiten der Festspielgemeinde aufgeführt wurde. Schwer verdauliche Kost präsentierten die neun jungen Theaterschauspieler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren unter der Regie der Theaterpädagogen Corina Gerspach und Stefan Meier dem begeisterten Publikum: Das Dilemma des Erwachsenwerdens. Nicht mehr Brötchen, aber noch nicht Brot. Sich anpassen oder auffallen? Anpasser, Außenseiter, Gruppenzwang, Selbstzweifel. Drogen, Gewalt, Mobbing, lesbische Liebe und Sex. „Wer bin ich, wenn ich morgens aufstehe?“ Die Frage nach dem Sein, wie im Prolog des Theaterstückes, zog sich wie ein roter Faden durch „Monster.“

Ben (Amon Frost) bittet Jonny (Tobias Eckert) um Drogen.
Ben (Amon Frost) bittet Jonny (Tobias Eckert) um Drogen.

„Verstörend, provozierend, nachdenklich stimmend und spannend „, so das Stück, stimmt Stefan Meier das Publikum auf „Monster“ von Christian Ulmcke ein. Spärliche Requisiten: zwei rechteckige Kisten, in einer Ecke ein mit leeren Getränkedosen überquellender Mülleimer, herumliegende Dosen. Der Schulhof eines fiktiven Gymnasiums, die Protagonisten Schüler der Oberstufe, die sich gegenseitig relativ egal sind und deren Leben doch miteinander verwoben ist. Die Darsteller verkörpern gekonnt das Dilemma zwischen dazu zu gehören, nicht Außenseiter sein zu wollen, dabei Grenzen zu überschreiten.

Alex (Lara Vogt) möchte gerne die Zeit mit Jacky (links, Fabienne Huber) zurückdrehen: Als die Welt noch in Ordnung war, früher, als sie noch mit Puppen spielten. Alex hegt zärtliche Gefühle für Jacky.
Alex (Lara Vogt) möchte gerne die Zeit mit Jacky (links, Fabienne Huber) zurückdrehen: Als die Welt noch in Ordnung war, früher, als sie noch mit Puppen spielten. Alex hegt zärtliche Gefühle für Jacky.

Außenseiterin Mata, Kifferin, hat sich bereits aufgegeben. Vollgedröhnt liegt sie die meiste Zeit in einer Ecke, von der Welt entrückt, nimmt kaum wahr, was um sie herum geschieht. „Was ist verwerflich daran, anders zu sein?“, fragt sich Mata. „Wer bin ich, wer bist du? Zeig dich, wer Du bist? Schein oder Sein.“ Auch Sophie, ist Außenseiterin, wird gemobbt, spätestens seit das Gerücht in Umlauf ist, sie sei schwanger. Von ihr wollen alle nur abschreiben. Sophie sieht sich als Opfer: „Das Einzige, was wir in der Schule lernen, ist andere fertig zu machen.“ Sie sinnt auf Rache. Ihre Opfer: Ben und Jacky. Ben, blonder Sonnyboy mit dicker Goldkette, Typ von sich überzeugter Macho, der jede rumkriegen kann. Er hat sich nicht zu Jacky und ihrem Kind bekannt, sie ließ es abtreiben. Jacky, der Vamp: Auffällig rote Haare, enganliegende, knappe Kleidung. Sie setzt ihre Wirkung auf Jungs bewusst ein, schließlich möchte sie nicht bei Aldi an der Kasse und mit Kindern im Schlepptau enden: „Den Männern muss man immer was bieten, dass sie jagen können.“

Vorglühen, bevor es zur Party geht: Ben (Amon Frost) und Jacky (Fabienne Huber). Ben möchte mit dem Alkohol seine Freundin "gefügiger" machen. Bild: Marion Rank
Vorglühen, bevor es zur Party geht: Ben (Amon Frost) und Jacky (Fabienne Huber). Ben möchte mit dem Alkohol seine Freundin "gefügiger" machen. Bild: Marion Rank

Sophie besorgt sich über Dealer Jonny LSD. Ben will für eine Party vorglühen, Jacky mit Alkohol „gefügig machen“, um auf Nummer sicher zu gehen. Sophie mischt heimlich die Droge in die Flasche, Ben und Lukas trinken daraus. Ben hat Halluzinationen, rennt in das Auto des ebenfalls vollgedröhnten Lukas, stirbt dabei. Eigentlich wollte er „doch nur Spaß“ – die beste Zeit unseres Lebens sollte das sein.“ Am Ende hat sich für keinen der ehemaligen Oberstufenschüler der Traum erfüllt: Jacky beispielsweise ist Mutter und bei Aldi, Ben tot, Lukas lassen die Geschehnisse der Vergangenheit nicht los. Passend der Epilog: „Habt ihr gesehen, wie die Welt sich dreht? Wozu führt die blinde Wut?“

„Ein halbes Jahr“ habe die Vorbereitung des Stückes gedauert, so Stefan Meier. Fabienne Huber, in der Rolle der Jacky, fand es „als nicht so schwer“, sich in ihre Rolle hinein zu versetzen: „Ich habe mir einfach überlegt, warum sie so handelt und mir viele Gedanken über sie gemacht. Außerdem habe ich mir ein Beispiel an manchen Schülerinnen meiner Schule genommen.“ Und wie viel Ben steckt in Amon Frost? „Mädchen sind mir ziemlich egal. Ich denke, ich bin schon ein bisschen Ben, jedoch nicht so ausgeprägt.“