Die Wahl fiel auf Erich Kästner. Bei der szenischen Lesung am Sonntag im Begleitprogramm zur Jahresausstellung der neuen Freien Gruppe Hochrhein in der Villa Berberich gab es aber nicht nur Kästners bekannte Jugendliteratur zu hören, „Emil und die Detektive“, von Frank van Veen vorgetragen, und „Das fliegende Klassenzimmer“, von Heinz Schlögl, dem Deutschlehrer, der auch gerne vorliest. Vielmehr waren politische Gedichte gegen den Krieg dabei, Romanauszüge aus „Fabian“ und als Zugabe die „Sachliche Romanze“.

Schlögl, der auch VHS-Kurse macht, unter anderem mit Kästner, erzählte Wissenswertes über den Autor der „Lyrischen Hausapotheke“, dessen Bücher 1933 verbrannt wurden. „Der Fabian flog ins Feuer“, sagte er dazu. Schlögl beleuchtete daneben die etwas umstrittene Rolle Kästners in der Nazi-Zeit. Die beiden Literaturkenner stellten auch den politischen Kästner („Stimmen aus dem Massengrab“, „Marschliedchen“) und Texte mit zeitgeschichtlichen Hintergrund dieses Pazifisten vor, der sich „die Feindschaft des braunen Mobs“ (Schlögl) zuzog.

Fünf Antikriegsgedichte zeigen Kästner als einen beißenden Satiriker, der mit seinen Versen gegen den Krieg anschreibt: „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?“, wandelt Kästner hier Goethe ab. Fabian, dieser aufschlussreiche Roman mit dem Untertitel „Geschichte eines Moralisten“, der im Berlin der 30er Jahre kurz vor der nahen Katastrophe spielt und die Verlassenheit in der Großstadt zum Thema hat, wurde in Auszügen vorgestellt und das tragische Ende des Titelhelden erwähnt. Gelesen wurden daraus zwei Episoden, die sehr aktuelle Bezüge haben: die Story aus einer politischen Zeitungsredaktion mit getürkten Nachrichten (siehe heutige „Fake News“) sowie die Passage über Fabians Geliebte, die mit einem Filmproduzenten ins Bett geht, um eine Filmrolle zu ergattern.

„Weinstein lässt grüßen“, kommentierte Schlögl.

Es ist eine richtige Erfolgsgeschichte geworden: Die Lesungen im Rahmenprogramm der Ausstellungen im Kunstverein kommen gut an. Die Geschichte fing damit an, dass van Veen und Schlögl eine szenische Lesung von Becketts „Warten auf Godot“ machten, gefolgt von Bob Dylan, Gedichten und einer Lesung zum Ersten Weltkrieg.

Der größte Erfolg des Lese-Tandems war bis jetzt das Heine-Projekt mit Musikprogramm, das zwei Auftritte in der Region nach sich zog. Als Nächstes wollen sich die beiden literaturaffinen Herren Bertolt Brecht vornehmen. Es soll eine szenische Lesung mit Auszügen aus Brechts Dramen, Gedichten und Prosa werden. Im nächsten Frühjahr wird es soweit sein!

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