Der Bad Säckinger Rentner Werner Scholtz ist Opfer von Betrügern geworden, weil er sich überreden ließ, dubiose Handwerker zu beschäftigen. Seine Dachrinnen wurden mit billigem Material zu einem überteuerten Preis ausgetauscht. Außerdem wurde er gezwungen, sofort bar zu bezahlen. Gibt es andere gleich gelagerte Fälle? Laut Mathias Albicker, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, sind im hiesigen Präsidiumsbereich in den vergangenen zwölf Monaten keine gleich gelagerten Fälle bekannt.

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Die jüngsten Ereignisse in der Region bezogen sich auf Gartenarbeiten, Rohrreinigung und Schlüsseldienste. Am Wochenende wurden herumfahrende Handwerker gemeldet, die im Bereich Hohentengen Gartenarbeiten anboten. Im Juni 2018 gab es im Bereich Klettgau einen Fall mit überteuerten Handwerkerleistungen. Dabei waren zwei Männer mit einem weißen Ford-Lieferwagen mit britischem Kennzeichen unterwegs und sprachen gebrochenes Deutsch mit niederländischem Akzent. Einer war circa 45 Jahre alt, hatte kurze braune Haare und einen leichten Bauchansatz. Der Zweite war jünger, etwa 16 Jahre alt, groß, schlaksig, hatte rot-blonde Haare und auffallend viele Sommersprossen.

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Die Männer boten in Erzingen einem Hauseigentümer an, seinen Hofplatz mit einem Hochdruckreiniger zu säubern. Sie gaben vor, Material verbrauchen zu müssen, bevor sie in die Schweiz ausreisen. Der Hausbesitzer ging nicht darauf ein, stellte aber fest, dass die Männer die Arbeiten bei der betagten Nachbarin durchführten. Statt des vereinbarten Festpreises von 200 Euro, verlangten sie später 1000 Euro von der Seniorin. Dieses Gebaren bekam eine Frau mit, die zu Hilfe kam. Sie ließ sich nicht durch das aggressive und laute Auftreten der Männer einschüchtern. Die abgemachten 200 Euro wurden bezahlt, die Männer gingen. Das Polizeirevier Waldshut-Tiengen (Telefon 07751/831 65 31) ermittelt wegen Betrugs und bittet Zeugen, die Hinweise auf die Tatverdächtigen und deren Fahrzeug geben können, sich zu melden.

Die Kosten bei seriösen Anbietern

Wie hoch wären die Kosten für eine Dachrinnensanierung bei einem hiesigen Handwerksbetrieb? Das Material, das bei Werner Scholtz verwendet wurde, ist Aluminium. „Ich weiß, dass es Aluminiumdachrinnen gibt, ich habe es noch nie verschafft. Was mich daran stört, ist die Materialstärke“, erklärt Thomas Buck von der Blechnerei Buck in Bad Säckingen zu einem Musterstück des bei Scholtz verarbeiteten Materials. Material und Arbeitsaufwand stehen für ihn in keinem Verhältnis zum verlangten Preis von 11 000 Euro: „Ganz klar. Das ist Betrug“, sagt Buck.

Wie lange wird die Arbeit des Trios halten? Wurde wenigstens gut gearbeitet, wenn schon minderwertiges Material verwendet wurde? Muss er bald ein weiteres Mal Geld investieren und die Arbeit fachmännisch von einem Handwerksbetrieb machen lassen? Fragen, die Rentner Werner Scholtz nicht zur Ruhe kommen lassen.
Wie lange wird die Arbeit des Trios halten? Wurde wenigstens gut gearbeitet, wenn schon minderwertiges Material verwendet wurde? Muss er bald ein weiteres Mal Geld investieren und die Arbeit fachmännisch von einem Handwerksbetrieb machen lassen? Fragen, die Rentner Werner Scholtz nicht zur Ruhe kommen lassen. | Bild: Marion Rank

In seinem Handwerksbetrieb hätte die Dachrinnensanierung rund 1500 Euro gekostet: Material (Titan-Zink) im Wert von rund 400 Euro, zwei Arbeiter mit je acht Stunden Arbeitszeit, insgesamt rund 880 Euro, plus Mehrwertsteuer. Buck erklärt, dass Dachrinnensanierungen üblicherweise mit einem Gerüst gemacht werden, nicht mit einer Leiter. Alexander Borho vom Malergeschäft Borho in Bad Säckingen sagt dazu: Ein Gerüst an der Vorder- sowie Rückseite des Hauses hätte rund 1100 Euro inklusive Mehrwertsteuer gekostet. Die Sanierung, inklusive Fallrohre, wäre damit für Werner Scholtz auf rund 2600 Euro gekommen.

Tipps für Verbraucher, um nicht auf Betrüger hineinzufallen

  • Die Polizei empfiehlt, sich bei derartigen unbestellten Angeboten nicht übers Ohr hauen zu lassen. Solche vermeintlich günstigen Angebote für Asphaltierungen, Dach-, Fassaden-, Hofplatz- oder Dachrinnenreinigung stellen sich oft im Nachhinein als unfachmännisch und überteuert heraus. Hier ist ein gesundes Misstrauen angebracht. Man sollte sich auch durch ein vermeintlich günstiges Angebot nicht zum vorschnellen Abschluss drängen lassen, sondern bei einem örtlichen Handwerksbetrieb oder Dienstleister ein Angebot einholen. Wird für die Leistung Barzahlung gefordert, sollte man besonders vorsichtig sein.

Die Polizei rät...

  • gehen Sie auf keine spontanen Geschäfte an der Haustür ein.
  • lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • leisten Sie keine Vorauszahlungen.
  • klären Sie den Preis im Vorfeld und fragen Sie nach Zuschlägen.
  • beauftragen Sie nur offizielle Gewerbebetriebe.
  • wenden Sie sich an die Polizei, wenn Sie den Verdacht eines Betrugs haben.

Weitere Tipps finden Sie im hier.

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