In beinahe allen Sektoren der Gesundheitsversorgung in der Region gibt es erhebliche Defizite. Zu diesem Ergebnis kommt das Demografie-Strategische Forum (DSF) Bad Säckingen im Rahmen einer systematischen Betrachtung der hiesigen Gesundheitsversorgung: "Das DSF hält diese Situation für politisch und gesellschaftlich bedenklich", erklärt dessen Vorsitzender Hartmut Fricke. Abhilfe lasse sich nach Dafürhalten Frickes und seiner Mitstreiter nur schaffen, wenn eine kommunale und regionale Konzeption auf die Beine gestellt werde, die alle Sektoren des Gesundheitswesens berücksichtige. Die durch die Untersuchung zusammengetragenen Erkenntnisse sollen im Übrigen auch in das von der Stadt Bad Säckingen in Auftrag gegebene Gesundheitsgutachten einfließen. Die Ergebnisse wurden bereits an Gutachter Jörg Risse von GÖK Consulting übergeben, so Fricke.

Überhaupt unterstütze das DSF den Vorstoß der Stadt und des Gemeinderats, ein Gutachten zur Entwicklung eines sektorenübergreifenden Versorgungsangebots in Auftrag zu geben. Als Basis für die Erarbeitung eines Konzepts sei ein derartiges Gutachten unerlässlich. Ziel des DSF sei es gewesen, mit seiner Bestandsaufnahme des derzeitigen Zustands "einen konstruktiven und sachlichen Beitrag zu leisten", fasst Hartmut Fricke die Motive zusammen, die zu der nun vorgelegten Untersuchung geführt haben. Denn ein Konzept als Mittel zur Koordination und Vernetzung wichtiger Stellen und Angebote im Gesundheitswesen, werde dringend benötigt. Die Debatte um die Gesundheitsversorgung im Landkreis werde nämlich im Allgemeinen zu sehr von der Krankenhausdiskussion überlagert, so Fricke.

"In den letzten Wochen und Monaten hatte ich durchaus Zweifel, ob ich noch einmal antreten soll." Hartmut Fricke, SPD-Gemeinderat
"In den letzten Wochen und Monaten hatte ich durchaus Zweifel, ob ich noch einmal antreten soll." Hartmut Fricke, SPD-Gemeinderat | Bild: Kanele, Susanne

Das sei verständlich, denn die Spitäler seien im Gesundheitssystem am Hochrhein ein zentrales Element: "Wir brauchen das Krankenhaus Bad Säckingen schlicht zur Gewährleistung der akutmedizinischen Versorgung. Derzeit gibt es ein extremes Defizit in diesem Sektor", so die Einschätzung des DSF. Das Spital Waldshut allein könne insbesonderen den durch die OP-Schließung in Bad Säckingen entstandenen Engpass in der Notfallversorgung nicht kompensieren. Das nehme er als Leiter des Marienhauses so wahr, zu diesem Schluss kommen aber auch die anderen DSF-Mitglieder sowie niedergelassene Ärzte, die ebenfalls gehört wurden. Dementsprechen müsse die Situation verbessert werden: "Eine 24-Stunden-Notfallversorgung muss sein. Ansonsten müssen andere Strukturen geschaffen werden."

Gleichwohl umfasse die Daseinsvorsorge in der Gesundheitsversorgung auch Bereiche wie Rettungsmedizin, Psychiatrie, Rehabilitation, Inklusion und Pflege, aber auch Prävention, Aufklärung und Beratung. All diese Sektoren seien in Augenschein genommen, in fast allen könne das bestehende Angebot mit den Erfordernissen kaum mithalten, wie das DSF in seiner Untersuchung festhält. Teilweise mangelt es demnach an Angeboten, zum Teil fehlt es an Fachkräften oder schlicht an Vernetzung und Kooperation der maßgeblichen Stellen. Das sei umso misslicher, als das Gesundheitswesen in der Region auch als Wirtschaftsfaktor eine gewichtige Rolle spiele, so Fricke. Neben dem Einzelhandel sei es die zweitgrößte Wirtschaftskraft im Landkreis.

Vieles sei im Gange und es müsse noch viel mehr in Angriff genommen werden, ist Hartmut Fricke überzeugt. Wirklich zielführend sei dies aber nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das DSF sei gerne bereit, sich bei einer Konzeptionierung einzubringen. Zunächst aber haben die Berliner Gutachter das Wort. Erst wenn deren Ergebnis vorliege, können weitere Maßnahmen ergriffen werden.