Einen neuen und durchaus ungewöhnlichen Blick auf die Kunstepoche der Romantik gewährt die gemeinschaftliche Ausstellung von Werner Fohrer, Michael Krähmer, Marga Golz, Joachim Lehrer, Christoph von Haussen, Elena Romanzin und Rolf Linnemann seit Samstag in der Villa Berberich. Als Anfang de 19. Jahrhunderts Europa neu geordnete wurde und die die Industrialisierung die gewohnte Welt tiefgreifend veränderte, sehnte man sich zurück in eine heile romantische Welt – ein Rückzug ins Heimelige, welcher in der heutigen Zeit eine bedrückende Wiederholung findet. So sind die Bilder der aktuellen Ausstellung der sieben „Neuen Romantiker“ von fast bedrückender Aktualität: Man genießt die Ausblicke und Einblicke und weiß doch um den dahinterliegenden Eskapismus.

Unterschiedliche Interpretationen zum Thema

Eine ungewöhnliche Ausstellung, die jedem Künstler einen eigenen Raum für seine Interpretation des Themas gibt. Links beginnend zeigt Elena Romanzin mit ihren Frauenporträts Schönheit an Frauen, ungeschminkt und unbearbeitet, jenseits der vor zwei Jahrhunderten üblichen Koketterie. Wie die Alltagsflucht in der der Realität Schaden anrichtet, zweigt sich daneben am Beispiel Venedig. Untertauchen, wegtauchen aus der Realität kann man im Raum von Marga Golz.

Installationen und Fotografien

Die Lörracher Malerin vermischt in ihrer Installation Meereswesen und Menschen, begleitet vom Rauschen der See. Ruhige Gewässer erreicht man dann in Michael Krähmer Raum: Der Kirchentellinsfurter Maler zeigt phantastische Landschaften, den Inbegriff des emotionalen Rückzugs. Der „verkappte Romantiker“ Joachim Lehrer aus Tübingen, so Frank von Düsterlho in seiner Einführung, spielt in seinen surreal-phantastischen Bilder mit den morbiden und melancholischen Themen der Romantik. Die Fotografen Rolf Linnemann und Christoph von Haussen finden den Verfall in der realen Welt: im Spiel mit Lichteffekten, durch welche die Weilheimer ihre Objekte aus dem Dunkel hervor steigen lassen. Zuletzt gibt der Maler Werner Fohrer besondere Einblicke.

Rückzug aus der realen Welt

Großformatige kleine Einblicke, Ausschnitte von unberührten Landschaften ermöglichen dem Betrachter einen Rückzug aus der realen Welt. Die unterschiedlichen Ansätze finden sich schließlich vereint im Eingangsbereich. Hier verbinden sich die verschiedenen Herangehensweisen und setzen Kontrapunkte zur damaligen, maskulin geprägten Kunstwelt.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag den 11. November Mittwochs, Donnerstags, Samstags und Sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 2 Euro, ermäßigt 1 Euro und ist für Inhaber des Museumspasses frei. Am Samstag, den 20. Oktober findet um 15 Uhr eine Führung mit Elena Romanzin statt. Zur Finissage am Sonntag, den 11. November, laden ab 15 Uhr die Künstler und Kulturreferentin Christine Stanzel zum Dialog ein.