Ein ganz besonderes Ereignis feiert am 1. Juli die Alt-Katholische Gemeinde Hochrhein-Wiesental. Sie besteht seit zehn Jahren. Was sich vom Alter noch jung anhört, birgt doch eine kleine Sensation. Damals haben sich drei eigenständige Gemeinden zusammengeschlossen. Vielleicht ist dies nichts Außergewöhnliches, doch es war die erste Fusion von alt-katholischen Gemeinden in Deutschland, denn so groß ist das Bistum. Kirchenvorstandsmitglied Anton Wehrstein bestätigt, dass die Pfarrei eine Vorreiterrolle spielte.

Er war damals dabei, als es um die Zusammenlegung ging. Es sind jetzt um die 230 Personen, die dazugehören. Das Gebiet ist sehr groß, nämlich der ganze Kreis Lörrach und etwas über die Hälfte des westlichen Kreises Waldshut. Zwischen Waldshut und Tiengen ist die Grenze. Die Gotteshäuser der Gemeinde stehen in Zell mit der Christuskirche (dies war die älteste selbstfinanzierte Kirche der Alt-Katholiken in Baden), Waldshut, in dem die Kirche im Spital benutzt werden darf und Bad-Säckingen-Rheinfelden mit den beiden Kirchen auf dem Friedhof (Säckingen) und dem Adelberg.

Ausschlaggebend für die Fusionierung war zum einen die Überlegung, ob es sich für das Bistum noch lohnt, einen eigenen Pfarrer für die jeweiligen einzelnen Gemeinden zu bezahlen, auf der anderen Seite das Kirchenrecht. Dieses sieht vor, dass die Mitglieder im Kirchenvorstand nicht miteinander verwandt und verschwägert sein dürfen. So wurde damals die Zusammenlegung aktiv betrieben, was nicht ganz einfach war. Wehrstein weist darauf hin, dass es überall vor Ort einen eigenen „Lokalpatriotismus“ gibt, denn jede Gemeinde hat seine eigene Geschichte. Zusammen mit dem damaligen Pfarrer Christian Erdringer habe er mit den verschiedenen Gemeinden gesprochen, zum Teil Einzelgespräche mit Kirchenvorständen geführt.

Für die Mitglieder der neu entstehenden Gemeinde war klar, dass die Gesamtpfarrei einen neuen Namen haben sollte. So heißt sie seit zehn Jahren „Kirchengemeinde Hochrhein-Wiesental“. Eine weitere Anforderung die zu meistern war: Die Gremien mussten alle neu gewählt werden. Da die Ämter eigentlich zwar auf sechs Jahre ausgelegt sind, aber im rollierenden System die Hälfte der Mitglieder gewählt werden, mussten nun die einen für drei Jahre, die andern für sechs Jahre gewählt werden. Für Zell und Waldshut war es eine Chance, mitwirken zu können. Diese Zusammenlegung hatte sehr gut geklappt. Das Bistum veröffentlichte diese Fusion als Beispiel, wie es gehen kann. Wehrstein erinnert sich, dass noch nach Jahren aus ganz Deutschland Anfragen von anderen alt-katholischen Pfarreien kamen, die sich bei ihm Tipps geholt haben, wie es funktionieren kann.

Armin Strenzl, der jetzige Pfarrer, macht auf eine weitere Neuerung nach der Zusammenlegung aufmerksam: Die neue Gemeinde hatte den Wunsch nach einer zentralen Pfarrkirche. Diese wurde bald in Bad Säckingen gefunden, nämlich die Kirche auf dem Au-Friedhof. Es stellte sich heraus, dass die Allerheiligenkirche, wie sie damals hieß, nie geweiht worden war. So hat man sich Patrone gesucht. Passend Petrus und Paulus, die zwar oft gestritten haben, aber schließlich zusammengearbeitet hätten. 2010 wurde diese Kirche schließlich geweiht, so dass in zwei Jahren vielleicht wieder ein Jubiläum stattfindet. Das zehnjährige Bestehen wird am 1. Juli mit einer Eucharistiefeier um 10 Uhr begonnen. Anschließend ist ein Apéro in der Orangerie des Schlosses.

Alt-KatholischeKirchengemeinde

  • Alt-Katholizismus: Die altkatholische Kirche ist aus Reformbestrebungen gegen den römischen Stuhl entstanden. Papst Pius IX. erließ mit dem Ersten vatikanischen Konzil 1870 das Unfehlbarkeitsdogma. Es sagt, dass der Papst unfehlbar ist in Fragen des Glaubens, der Moral sowie in Rechtsfragen (Jurisdiktionsprimat). Die Anhänger der altkatholischen Bewegung verweigerten die Anerkennung des Dogmas. Die Unfehlbarkeit des Papstes sei nicht mit der alten Kirche vereinbar, sagte sie. Die Altkatholiken schlossen sich daraufhin zu eigenen Bistümern zusammen. Auf der Homepage der Altkatholiken Deutschland steht heute noch: "Wir bekennen uns zur menschlichen Fehlbarkeit der Kirche und ihrer Mitglieder, also auch derer, die zu einem Leitungsamt in der Kirche berufen und bestellt sind."
  • Säckingen ab 1870: Die altkatholische Gemeinde hat sich in Säckingen bald nach dem ersten Vatikanischen Konzil gegründet und große Gefolgschaft gefunden. Sie war bald die größte konfessionelle Gruppe, die ihre Gottesdienste eine Zeitlang im Münster abhielt. Bedeutende Persönlichenkeiten waren seinerzeit altkatholisch wie etwa Bürgermeister Anton Leo und Fabrikant Otto Bally. Die römisch-katholische Gemeinde nutzte von 1876 bis 1883 eine hölzerne Notkirche, die in der Rhein-Au hinterm Schloss stand. Sie kehrten 1883 ins Münster zurück. Die Altkatholiken übernahmen dann 1884 die ausgebaute Friedhofskapelle auf dem Au-Friedhof als Gotteshaus (Quelle: Oeschger, Bernhard; Säckingen – ein Bilderbogenm aus alter Zeit, SÜDKURIER-Verlag 1984)