Seit 70 Jahren gehört Paul Huber (86) der Feuerwehrabteilung Rippolingen an. Er verkörpert damit sieben Jahrzehnte Rippolinger Feuerwehrwesen. Im Jahre 1949 tritt der damals 16-jährige Jugendliche nicht ganz freiwillig, wie er offen einräumt, in die damals noch selbstständige Rippolinger Wehr ein.

„Bürgermeister Alfred Flum und Feuerwehrkommandant August Butz haben mich solange geplagt, bis ich Ja gesagt habe“, beschreibt Huber seine Motivation, der Ortswehr beizutreten. Und es gab noch einen weiteren Grund für seine Zustimmung. Bürgermeister und Feuerwehrkommandant waren Persönlichkeiten im Ort. Ihnen zu widersprechen, gehörte sich für einen Jugendlichen nicht.

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Den Grund, warum die beiden gerade ihn für den Feuerwehrdienst ausgesucht haben, sieht Huber darin, dass er ein „handfester junger Kerl“ war. Und diese sind kurz nach Kriegsende rar. Während der gesamten Zeit in der Ortswehr sieht sich Huber als Feuerwehrmann in der zweiten Reihe.

Das Streben nach höheren Ämtern wie Gruppenführer oder Kommandant, kam für ihn nie in Frage. Trotz des nicht gerade freiwilligen Eintritts zur Feuerwehr, übte Paul Huber den Dienst stets gewissenhaft und pflichtgetreu aus, sofern dies sein Schichtdienst bei der Bundesbahn zuließ. Doch sein Herz schlägt vor allem für den Gesang. 30 Jahre ist er Mitglied im Rippolinger Männerchor. Er hat alle Ämter besetzt, vom Vereinsdiener bis zum Vorsitzenden. Höhepunkt seines Wirkens war das 50-jährige Bestehen im Jahre 1973.

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Zurück zur Feuerwehr. Im Jahre 1946 ließ die französische Militärregierung die Feuerwehr wieder zu. Sie beschränkte bis anfangs 1950 die Mannschaftsstärke auf neun Mann. Dazu gehörte Paul Huber.

So bescheiden das Leben der Nachkriegszeit war, so bescheiden war die Ausrüstung der Feuerwehr, bezeichnet Huber die damalige Situation. Zur Brandbekämpfung standen ein Schlauchwagen, eine Handspritze und Leitern mit den großen Haken zur Verfügung. Schlauchwagen und Handspritze mussten mit Muskelkraft bewegt werden.

Untergebracht waren die Geräte bis Ende der 50er Jahre in einer Garage neben der ehemaligen Volksschule und Ende der 50er Jahre im Gemeindehaus. In den Proben, die jeweils am Sonntagmorgen stattfanden, übte die Wehr den Aufbau eines Löschangriffes. Ein Hock als Abschluss diente der Kameradschaftspflege.

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Als einen Meilenstein in der Entwicklung des örtlichen Feuerwehrwesens nennt Huber den Bau der Wasserversorgung und damit verbunden Hydranten Mitte der 50er Jahre, sowie die Anschaffung einer Motorpumpe. Ab diesem Zeitpunkt war die Wehr nicht mehr auf offenes Gewässer als Löschwasser zur Brandbekämpfung angewiesen.

Mit der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses im Jahre 1991 erhielt Rippolingen sein erstes Löschfahrzeug. Das gesamte Feuerwehrwesen war so unter einem Dach.

Doch davon konnte Huber als aktiver Feuerwehrmann nicht mehr lange profitieren. Denn 1994 wechselte er in die Altersmannschaft. Als vorbildlichen Kommandanten mit gradlinigem Auftreten bezeichnet Huber den damaligen Abteilungskommandanten Manfred Fischer. Ihm war es, zur Freude von Paul Huber, ein Anliegen, dass die Feuerwehr durch eigene Veranstaltungen das Leben im Ort bereicherte, wie beispielsweise durch den Sommerhock oder die Fasnachtsverbrennung.

Natürlich gab es auch vorher Ausflüge oder Kameradschaftsabende. Doch das neue Feuerwehrhaus bot neue Möglichkeiten für Veranstaltungen. Ob als Hobbyfilmer, der diese Anlässe in Wort und Bild festhält, oder als Helfer, Paul Huber war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Rege besuchte er die Termine der Altersabteilung wie die Floriansmesse oder das Treffen der Altersabteilungen der Stadt.

Wenn heute der Schlauchwagen oder die Handpumpe bei Umzügen der Feuerwehr demonstriert werden – Paul Huber war mit diesen Geräten noch im Einsatz.