Begleitet vom Gesang vieler Vögel, knirschen die Schritte beim Gang auf dem Kiesweg durch eine idyllische Kastanienallee, vorbei an majestätischen Engeln mit ausgebreiteten Flügeln und weiteren Skulpturen. Dieser Ort befindet sich mitten im Herzen von Bad Säckingen und ist eines der bedeutenden Kulturdenkmäler der Trompeterstadt: Der Au-Friedhof. Dass dieser Ort heute so bedeutend ist, ist vor allem der Projektgruppe „Erhalt Au-Friedhof“ zu verdanken, die sich seit 30 Jahren nicht nur um verwaiste Gräber, sondern auch um das gesamte Gelände kümmert.

Der Galvano-Engel gehört zu den Grabmalen, die restauriert worden sind.
Der Galvano-Engel gehört zu den Grabmalen, die restauriert worden sind. | Bild: Susanne Kanele

Von April bis November ist wöchentlich ein harter Kern der 40 Personen zählenden Gruppe auf dem Friedhof anzutreffen, wo sie Bäume zurückschneiden oder Unkraut rupfen. Und nicht nur das: Auch zerstörte Grabmale oder Skulpturen werden wieder hergerichtet und standfest gemacht. Finanziert werden diese Arbeiten ausschließlich aus Spenden. „Alleine in den vergangenen 30 Jahren haben wir 94 Grabmale und über 60 Holzkreuze herrichten lassen“, erklärt Adelheid Enderle. Von Beginn an ist sie der Kopf der Projektgruppe und kümmert sich auch um die Pflegepatenschaften. Denn wer aus der Bevölkerung die Patenschaft für ein Grab nach Wahl übernimmt, kann sich und seine Angehörigen später an diesem Platz beerdigen lassen.

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Bis heute sind Urnenbestattungen auf dem alten Friedhof erlaubt. „Ohne die Arbeit der Projektgruppe könnte der Friedhof so gar nicht gepflegt werden“, sagt Enderle weiter. Und überhaupt ist es dem Einsatz der Projektgruppe zu verdanken, dass es den Bad Säckinger Au-Friedhof so wie er heute dasteht, überhaupt noch gibt.

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In einer Bürgerversammlung im Jahr 1986 gab der damalige Bürgermeister Günther Nufer bekannt, dass der alte Friedhof eingeebnet und dem benachbarten Schlosspark angeschlossen werden soll. Doch rechnete der Bürgermeister damals nicht mit dem Widerstand der Bevölkerung. Nach vielen Gesprächen im Vorfeld, bildete sich 1989 dann die Projektgruppe „Erhalt Au-Friedhof“. Die erste Aktion der Gruppe bestand darin, das damals völlig verwahrloste Friedhofsgelände wieder auf Vordermann zu bringen.

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Kein einfaches Vorhaben. Denn der alte Baumbestand hatte das Gelände im Griff, weshalb sich während der Arbeiten so manche Überraschungen auftaten. Die Angenehmen: „Es kamen wunderschöne Grabmale zum Vorschein“, erinnert sich Adelheid Enderle heute. Die Unangenehmen: „Wir haben einige Nester von Diebesgut ausgehoben.“ Von Anfang an wurden die Arbeiten der Projektgruppe von der Bevölkerung wohlwollend begleitet. „Während unserem Einsatz auf dem Friedhof kommen immer Leute vorbei und bringen uns Kuchen oder Kaffee und Tee“, erzählt Enderle. Aber auch die Spendenbereitschaft ist hoch.

Spenden ermöglichen die Arbeiten

Denn die Reparaturen der alten Grabmale sind kein billiges Unterfangen. „Ich freue mich, dass wir bisher alles durch Spenden realisieren konnten und so kein Geld aus der Stadtkasse nötig war.“ Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat sich ein tolles Team gebildet. „Bei uns herrscht eine tolle Harmonie innerhalb der Gruppe“, so Adelheid Enderle weiter. „Jeder hat seine Spezialität und individuelle Aufgabe“. Von den Gründungsmitgliedern ist neben Adelheid Enderle noch Helga Wittlinger dabei. Rund 22 Einsätze hat die Gruppe im Jahr, wobei die Wetterkapriolen der jüngsten Zeit, den Mitgliedern immer mehr zusetzen. „Ist die Hitze zu groß oder das Wetter zu schlecht, müssen wir an einem anderen Tag weiterarbeiten“, erklärt der Kopf der Projetgruppe. Das macht mehr Einsätze notwendig.

Weitere Helfer jederzeit willkommen

Adelheid Enderle wird auch nach 30 Jahren weitermachen. „So lange es eben geht“, sagt sie. Die Gruppe freut sich über jeden, der mitarbeiten möchte. „Wir benötigen keine ausgebildeten Gärtner“, sagt sie. Es geht darum, die Identität des Friedhofs zu bewahren. Und das ist eben der alte Baumbestand, der damals als kleines Pflänzchen zur Erinnerung an die Liebsten auf den Gräbern gepflanzt worden ist. „Je mehr Leute mit dabei sind, desto mehr bekommen wir bewältigt“, sagt Enderle.