Rund 11 Jahre lang war sie Herrin über Schminktiegel, Haarnadeln, Bürsten, Kämme und Perücken und gehörte zum Kreativteam. Jetzt überlässt die langjährige Maskenbildnerin des Gloria-Theaters in Bad Säckingen, Ruth Nowack, ihr Allerheiligstes ihrer Nachfolgerin Daniela Malina. Sie sorgte über dafür, dass die Vorstellungen des Intendanten des Gloria-Theaters, Frank Jochen Schmidt, in den Gesichtern der Darsteller und Tänzer der jeweiligen Musicalstücke bildlich umgesetzt wurden.

Die Darsteller beim Auftakt zum Gloria-Musical "Happy Landing" wurden noch von Ruth Nowack geschminkt. Bei der Fortsetzung der Produktion ist ihre Nachfolgerin an der Reihe.
Die Darsteller beim Auftakt zum Gloria-Musical "Happy Landing" wurden noch von Ruth Nowack geschminkt. Bei der Fortsetzung der Produktion ist ihre Nachfolgerin an der Reihe. | Bild: Marion Rank

So wurde aus dem Gesicht einer jungen Frau dank Ruth Nowak die Katze Grizabella aus „Cats“. Das Gesicht eines jungen Mannes verwandelte sich Dank kalkweiß geschminktem Gesicht, dunklen Schatten um den Augen und Blutspuren um den Mund in einen Vampir. Aus einer alten Omi wurde plötzlich ein Mann und es gelangen Zeitreisen von der Moderne in die flotten 60er oder 70er Jahre.

Aus einem Hineinschnuppern werden 21 Jahre

„Eigentlich nur mal schauen“, habe Ruth Nowack (68) vor rund 11 Jahren wollen. Das Gloria-Theater suchte eine Maskenbildnerin. Tochter Jennifer, Hauptdarstellerin des damals gespielten Musicals „Lichterloh“, schlug dann die Mutter, gelernte Friseurin und ausgebildete Maskenbildnerin, vor. Nowak blieb. Nach 33 Jahren in einem Basler Friseurgeschäft, das sie die letzten zehn Jahre gemeinsam mit vier anderen Frauen geführt hat. In dieser Zeit belegte sie Kurse als Maskenbildnerin beim Eidgenössisch Schweizer Maskenbildnerverein in Basel. Nowak schminkte 19 Jahre lang die Darsteller des FC-08-Theaters: „Hässliche, mit Brandnarben verunstaltete Charaktere.“ Im Gloria-Theater durfte sie schöne Gesichter schminken, die Ideen von Musicalkomponist Jochen Frank Schmidt um die Frisuren der Darsteller und Tänzer umsetzen.

Alles griffbereit organisiert

Nowak kannte den Schminkraum genau, wusste, wo jedes einzelne ihrer Utensilien lag, alles andere wäre fatal gewesen. Ruth Nowack blieb nur wenig Zeit, um Darsteller und Tänzer optisch zu verändern, jeder Handgriff musste sitzen. Rund 100 Pinsel, rund 100 Rouge- und Lidschattentiegel, verschiedene Lippenstifte, Boxen mit Haarnadeln- und Klammern, Kämme und Bürsten hatte Ruth Nowack im Gebrauch. Hinzu kamen zahlreiche Perücken, rund 20 davon für das Musical „Happy Landing.“ Bei einem Musicalabend bereitete sie für jeden Darsteller den Platz vor: Perücke, Haarklammern, Lidschatten und Accessoires.

Das kürzeste Bewerbungsgespräch aller Zeiten

Auch ihre Nachfolgerin Daniela Malina, 52, gebürtige Lörracherin und selbstständige Friseurmeisterin, ist vom Fach. Sie betreibt seit zehn Jahren im Schweizer Maisbrach nahe Magden ein eigenes Friseurgeschäft. Sie arbeitete für die Fricktaler Bühne in Rheinfelden als Maskenbildnerin, schminkt an diversen Zunftabenden und kleinen Theatern in der Region. Auch sie kam durch Zufall zu ihrem Job im Gloria-Theater: Die Nichte absolviert hier ihre Ausbildung und stellte sie Schmidt vor. „Das kürzeste Bewerbungsgespräch ever, mit einem Radler in der Hand“, erinnert sich Daniela Malina lachend an den Musicalbesuch mit Freunden und ihrer spontanen Entscheidung.

Anfangs noch Unterstützung für die Nachfolgerin

Auf ihre neue Aufgabe freut sich Malina. Wenn am 17. November die Musicalsaison mit „Happy Landing“ fortgesetzt wird, unterstützt Ruth Nowack Daniela Malina. In manchen Szenen bleiben nur Sekunden für Darsteller und Maske, der Wechsel von Kostüm und Perücke geschieht hinter der Bühne. Aber auch im Schminkraum ist Eile geboten: Hier wird eine strenge Bananenfrisur gedreht, dort toupiert, am nächsten Platz schwarze Fliegenbein-Wimpern aufgeklebt. Eine Darstellerin wechselt vier Mal die Perücke. Je nach Länge der echten Haare einer Darstellerin müssen „rund 40 bis 50 Schnecken gedreht und dicht am Kopf festgesteckt werden“, erzählt Nowack, bevor die Perücke aufgesetzt werden könne.

Trost durch Süßes

Musste Nowack die Darsteller auch mal trösten? „Ja“, sagt sie, wenn es mit einer Rollenumsetzung nicht gleich klappte. „Ich habe immer etwas Süßes dabei für solche Fälle, ohne Nüsse, wegen der Stimme.“ Manchmal kam auch sie selbst an ihre Grenzen, etwa bei Doppelvorstellungen, wenn sie von morgens um 9 bis 21 Uhr gestanden habe: „Da liege ich schon mal auf dem Boden zum Entspannen.“

Schöne Erinnerungen

Welche Musicals waren am schönsten zum Schminken? Nowak lacht und sagt: „Da gab es einige: Etwa die Omi Fichtelhuber in 'Lichterloh' oder der Baum auf dem Kopf in 'Lust am Leben'." Was ist ihre schönste Erinnerung? „Die Darsteller des Musicals 'Bikini-Skandal' – die haben immer gesungen, selbst in der Maske, haben sich mit selbst gedichteten Texten gegenseitig angesungen, das vergesse ich nie.“