Im Zeichen des 140-jährigen Bestehens der Rippolinger Kapelle steht das Patroziniumsfest am Sonntag, 15. September. Nach dem Festgottesdienst findet im Gemeindesaal eine kleine Feier statt, in der eine Festschrift verteilt wird, die ein Rückblick auf den Werdegang des kleinen Gotteshauses enthält.

Einige Jahrhunderte lang hatte man sich in Rippolingen stets vor einem Kreuz an markanter Stelle des Dorfes zum gemeinschaftlichen Gebet getroffen. Doch am 8. Februar 1877 erteilte Bischof Lothar von Kübel die grundsätzliche und am 24. Mai 1877, nach Einreichung eines Planes, die endgültige Genehmigung zum Bau einer Kapelle. Dies unter der Bedingung, dass die Dorfbewohner von Rippolingen für die künftige Unterhaltung der Kapelle einstehen und die zum Gottesdienst notwendigen Paramente und sonstigen Erfordernisse anschaffen und unterhalten. Mit großer Begeisterung, durch freiwillige Gaben und Arbeitsleistungen der ortsansässigen Katholiken wurde alsdann die Kapelle errichtet.

Die drei Zentner schwere Glocke von 1879 aus der Konstanzer Gießerei Rosenlächer ist der älteste noch erhaltene Bestandteil der Kapelle.
Die drei Zentner schwere Glocke von 1879 aus der Konstanzer Gießerei Rosenlächer ist der älteste noch erhaltene Bestandteil der Kapelle. | Bild: Richard Kaiser

Am Sonntag, 26. Oktober 1879, wurde das elf Meter lange und siebeneinhalb Meter breite Gotteshaus durch den Obersäckinger Pfarrverweser Adalbert Behringer konsekriert, der zuvor vom Freiburger Erzbischofsverweser Lothar von Kübel die Weiheerlaubnis erhielt. Das kleine Kirchlein mit seiner Dreifaltigkeitsglocke wurde der „Sancta Maria Mater Dolorosa“, der schmerzhaften Gottesmutter, geweiht. Am selben Tag konnte auch das am Weg von Obersäckingen nach Rippolingen bei der Abzweigung nach Harpolingen stehende steinerne Kreuz eingeweiht werden, das der Rippolinger Bürgermeister Matthäus Lütte gestiftet hatte.

Heilige Messen durften die ersten 31 Jahre in der Kapelle nicht zelebriert werden. Doch am 25. August 1910 teilte das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg mit: „In der Voraussetzung, dass die Kapelle sich in einem würdigen Zustand befindet, gestatten wir, dass in derselben jeweils in den Quatemberwochen eine hl. Messe gelesen werde.“ Am 29. Dezember 1910 erhielt die Erzbischöfliche Expeditur den Auftrag, einen konsekrierten Altarstein nach Rippolingen zu liefern.

Anfangs war die Gemeinde Rippolingen für die bauliche Unterhaltung und Kostenbestreitung zuständig, im Juli 1898 wurde ein Kapellenfonds gegründet. Aber erst mit dem notariellen Schenkungsvertrag der Gemeinde an den Kapellenfonds vom 9. Oktober 1911 über das 4,48 Ar große Kapellengrundstück war das Substrat vollständig.

Das Altarbild kam erst etliche Jahre nach dem Bau der Kapelle an den jetzigen Platz.
Das Altarbild kam erst etliche Jahre nach dem Bau der Kapelle an den jetzigen Platz. | Bild: Richard Kaiser

Allzu stabil war das kleine Türmchen auf dem Kirchendach wohl nicht, denn es musste bereits nach drei Jahrzehnten ersetzt werden. Im Dezember 1912 erstellte das Erzbischöfliche Bauamt Freiburg den Plan für einen neuen Reiterturm, der 1913 verwirklicht wurde. Der Turm wurde, statt bisher viereckig, nun sechseckig und brachte ein Innenmaß von 1,25 Metern mit sich. Eine Zwiebelhaube gab dem Turm ein neues Gesicht. Ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg, am 2. Juni 1917 kam vom Großherzoglich Badischen Bezirksamt Säckingen die Anordnung, bis 1. September die Glocke zu entfernen und zur nächsten Bahnstation zu bringen. Am 16. Juni gab es eine „Vorläufige Zurückstellung von der Enteignung“, am 30. Juli wurde dem Katholischen Stiftungsrat Rippolingen mitgeteilt, dass man auf die Abgabe der Glocke aus „wissenschaftlichem Interesse“ verzichte.

1935 wurde die Kapelle im Innern restauriert; der Zweite Weltkrieg verhinderte indessen weitere Aktivitäten. Sie wären mit der Beseitigung der beiden Linden, die 1879 vor dem Kapelleneingang gepflanzt wurden, erforderlich gewesen, denn ihre Wurzeln hatten dem Bauwerk bereits Schäden zugefügt. Kurz nach Ostern 1945 wurden die Bäume samt Wurzelstöcken entfernt, was nicht einfach war, weil eine Telefon- und eine Stromleitung unter den Linden durchging und auch die elektrische Zuleitung zur Kapelle betroffen war. Anschließend kam man den Reparaturen an der Kapelle nach.

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1955 wurde das Dach repariert, 1956 alle sechs Kirchenfenster in Bleiverglasung erneuert und 1959 die Eingangstreppe neu gefertigt. Im selben Jahr wurde die Innenausstattung restauriert. 1960 wurden Boden und Bänke ausgetauscht. Die Kosten wurden vom Kapellenfonds und durch großzügige Spenden der Rippolinger Bürger per Zeichnungsscheine zwischen 20 und 1500 Mark aufgebracht.

Von 1967 bis 1969 erfolgte eine Innen- und Außenrestaurierung, bei der sich die Spendenfreudigkeit der Rippolinger erneut bemerkbar machte. Im Zeitungsbericht zum Patrozinium am 21. September 1969 wurde erwähnt, dass die Kapelle nicht nur ein Schmuckstück und ihre Renovation nicht nur ein Akt der Denkmalpflege sei, sondern dass sie im religiösen Leben des Ortes ganzjährig eine wichtige Rolle spiele.

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„Nach einem halben Jahr Erneuerungsarbeiten haben wir die Freude, in unserer frisch renovierten Kapelle wieder Gottesdienste feiern zu dürfen“, lautete die Einladung zum Festgottesdienst am 4. November 1984, dem sich ein Fest anschloss. Die Dorfgemeinschaft hatte allen Grund zum Feiern, hatte sie doch auch zu jener Zeit die Renovierungsarbeiten mit ihren finanziellen Zuwendungen ermöglicht.

Um den guten Zustand ihres Gotteshauses waren der Kapellenfonds und die Rippolinger Bürger stets bemüht. Immer wieder gab es etwas zu verbessern oder anzuschaffen. So bekam als letzte größere Maßnahme 1988 der Turm ein neues Kupferkleid und umfangreiche Malerarbeiten verschönerten das Kleinod.