Es ist ruhig in der Schneckenhalde, als die Sonne am vergangenen Samstagmittag den Gebäudekomplex der Rhein-Jura Klinik in warmes Licht taucht. Dabei gab es etwas Großes zu feiern: Das zehnjährige Bestehen der psychiatrischen Fachklinik. Aber die Rhein-Jura Klinik ist nicht der Ort für laute Aufregung und Getöse. Sie ist ein Ort der Geborgenheit. Wer die Klinik betritt, soll sich wohl fühlen, ganz egal ob als Patient oder als Gast der Jubiläumsfeier.

Seit zehn Jahren mit Sitz in Bad Säckingen

Denn wer psychisch erkrankt, ist nicht nur mit seiner Krankheit konfrontiert, sondern auch oft mit Vorurteilen. Depressive gelten als schwach, Menschen mit Zwangsstörungen werden allzu schnell als „verrückt“ abgestempelt, wer sich behandeln lässt, landet im unschönen Volksmund in der „Klapse“. Dass dieses Bild sich allmählich ändert ist unter anderem Einrichtungen wie der Rhein-Jura Klinik zu verdanken. Seit zehn Jahren hat die private Fachklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ihren Sitz in Bad Säckingen.

Ein bisschen Lokalkolorit durfte bei den Jubiläumsfeierlichkeiten nicht fehlen: Simon Eckert gibt als Trompeter von Säckingen „Behüt‘ dich Gott“ zum Besten.
Ein bisschen Lokalkolorit durfte bei den Jubiläumsfeierlichkeiten nicht fehlen: Simon Eckert gibt als Trompeter von Säckingen „Behüt‘ dich Gott“ zum Besten. | Bild: Maria Schlageter

„2009 haben wir mit zehn oder 15 Betten angefangen und uns dann sukzessive gesteigert. Heute haben wir 130 Betten und unser Maximum erreicht“, sagt Sabine Pirnay-Kromer, kaufmännische Direktorin der Klinik, am Rande der Feier. Wie wichtig die Arbeit und der Fortschritt der Klink sind betonten indes auch Bad Säckingen Bürgermeister Alexander Guhl und Matthias Müller, CEO der Oberberg-Gruppe, zu der die Rhein-Jura Klinik zählt.

Psychische Erkrankungen vom Stigma befreien

„Menschlichkeit heißt Verbundenheit, das ist das was uns ausmacht und das wollen wir erlebbar machen“, erläuterte der ärztliche Direktor Andreas Jähne. Es gehe weniger darum zum Zehnjährigen große Reden zu schwingen, sondern den Alltag in der Klinik nahbar zumachen. Nur so könne das Stigma, mit dem viele psychische Erkrankungen kennzeichneten, gelöst werden. Im sogenannten „Garten der Sinne“ konnten die Besucher das Spektrum der kognitiven Verhaltenstherapie erfahren.

Im „Garten der Sinne“ konnten die Besucher die verschiedenen Therapien hautnah kennenlernen, unter anderem die Aromatherapie, die mit ätherischen Ölen arbeitet. Hier überzeugen sich die Chefs Sabine Pirna-Kromer und Andreas Jähne (von rechts) selbst.
Im „Garten der Sinne“ konnten die Besucher die verschiedenen Therapien hautnah kennenlernen, unter anderem die Aromatherapie, die mit ätherischen Ölen arbeitet. Hier überzeugen sich die Chefs Sabine Pirna-Kromer und Andreas Jähne (von rechts) selbst. | Bild: Maria Schlageter

Neben der lokalen Prominenz war ein weiterer wichtiger Gast geladen: Peter Boos – ehemaliger Personalvorstand eines Energiekonzerns und einst Patient der Klinik. Er stand scheinbar mitten in einem schönen Leben, bis ihm vor vier Jahren nach der Trennung von seiner Frau der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. „Ich hatte einen vollständigen Zusammenbruch. Heute bin ich froh, dass der Tag kam, denn die drei Monate in der Rhein-Jura Klinik möchte ich nicht missen“, erzählt Boos. Ihm sei hier das Werkzeug gegeben worden, das ihm helfe heute ein gutes und glückliches Leben zu führen.

Rhein-Jura Klinik

Die Rhein-Jura Klinik gehört zu den Oberberg-Kliniken, von denen es bundesweit zehn Stück gibt. In Bad Säckingen werden vorrangig Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen, sowie Essstörungen behandelt. Der verhaltenstherapeutische Ansatz versucht aktuelle Forschungsergebnisse in der Praxis umzusetzen.
Die Klinik beschäftig dafür rund 80 Mitarbeiter, 90 weitere sind im Service-Bereich angestellt. Insgesamt gibt es 130 Betten, die durchschnittlich zu 80 Prozent ausgelastet sind. Weitere Informationen im Internet:
http://www.oberbergkliniken.de/rheinjura