Eigentlich heißen sie ja John Friedmann und Florian Simbeck, beide Jahrgang 1971, und ihre großen Erfolge liegen schon einige Jahre zurück. Doch nun haben die prollige Namenskette abgestaubt, den Jogginganzug wieder ausgepackt und wollen mit ihrer Tour beweisen, dass sie als Comedyduo Erkan und Stefan auch jenseits der Nullerjahre funktionieren, um Geld zu verdienen oder um einfach mal wieder Spaß zu haben – die Antwort darf wohl jeder Zuschauer des fast ausverkauften Gloria-Theaters selber finden.

Gelacht wurde auf jeden Fall reichlich, und ihre Fans haben die beiden „krassen Komiker“ nicht vergessen: Die Trainingshose in die Socken gesteckt, mit prominenter Namenskette und Handtuch ausgestattet wurde mancher Gast so selbst zum Foto-Objekt. Nichts vergessen haben auch Erkan und Stefan, die sich mit ihren Fernsehshows und drei Kinofilmen Kultstatus erworben haben. Das eigene Alter nehmen die Beiden gleich zu Beginn gekonnt auf die Schippe: Kleidung, graue Haare, Falten und der „alte Männergeruch“ – immer noch sticheln die beiden gegeneinander, was das Zeug hält. Und auch ein wenig Nostalgie ist dabei, wenn längst vergessene Internetplattformen wie MySpace und Second Life, AOL und Yahoo zu Sprache kommen.

Auf sicherem Terrain bewegen sich die beiden wenn es um Klassiker wie Bunnys und Döner geht, die es auch gut ein Jahrzehnt nach dem letzten Auftritt des Duos glücklicherweise noch immer gibt. Perfekt kombiniert finden die beiden ihre Lieblingsthemen auf Instagram. Darum ist Erkan ist jetzt auch Influencer – „Foodporn, Bruder!“. Weiter geht es zu Tinder und modernem Dating, natürlich nicht ohne ausgiebige Beleidigungen der Mutter des jeweils anderen.

Und die Gags zünden, die Gratwanderung zwischen ein bisschen ordinär und ein bisschen sozialkritisch gelingt. Genauso bei den politischen Themen, die kurz aufblitzen: zu Greta Thunberg und Pegida stellen die beiden Comedy-Proleten fest, dass die Welt kompliziert geworden ist. Etwas zu gut hatte es die Tontechnik gemeint, oder vielleicht sollte die Botschaft von Erkan und Stefan auch weit über das Gloria-Theater hinausgetragen werden. Dank Übersteuerung waren die beiden Songs „ Ich schwör“ und „Ehrenmann“ bis auf den Refrain kaum zu verstehen. Nach der Show folgte das Bad in der Menge im Foyer – Zeit für Selfies mit den Fans. Darum ein gelungener Auftritt zweier gut aufgelegter Stars der Jahrtausendwende, die verstanden haben, was heute Erfolg bringt: ein bisschen Nostalgie zusammen mit einer guten Portion Social Media.

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